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Das jüdische Blatt · 1914-03-27 · 13 (27.3.1914) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
13 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13. Das jüdische Hlatt 5 veile, avec mes remerciements, Texpression de ma tres respectneuse admiration. Doch ich greife dem Programm vor. Eingeleitet wurde die Abendunterhaltung durch einen Prolog, verfaßt von Herrn Andre Kahn und sehr nett vorgetragen von Frl. Marguerite Meyer- Geismar. In dem Prolog wird um Nachsicht für die Darbietungen gebeten. An dem freundlichen Lächeln der Damen und Herren lasse sich ein gütiges Herz erkennen und deshalb wird man mit dem Beifall nicht geizen. Zuerst trat Herr Lucien Schwab aus Winzenheim auf. Seine Vorträge in elfäffifcher Mundart 's Briadarla, d'r Waltloif, e güeti Uesred, sowie Tango, die Erschaffung des Weibes in hochdeutscher Sprache riefen wahre Lachsalven hervor. Bemerken möchte ich, daß außer 's Briadarla alle andern Vorträge von Herrn Schwöb selbst gedichtet sind. Frl. Palmyre Bloch trug in sehr angenehmer Weise einen lustigen Monolog „Le monde" vor. Man sagt sich gegenseitig Artigkeiten, Schmeicheleien und denkt gerade das Gegenteil. Ihr sowie später Frl. Wormser wurden prachtvolle Bouguets überreicht. — Der musikalische Teil der Abenunterhaltung wurde großartig ausgeführt. Frl. Wormser sang zuerst allein: Szene und Cavatino aus der Oper Belisar von Donizetti, dann mit ihrem Vater das Duett aus der Oper Romeo und Julia von Bellini. Ihre melodischen gut geschulten Stimmen machten einen solchen Eindruck auf die Anwesenden, daß der Beifall nicht eher aufhörte, bis noch ein Lied gesungen wurde. Nicht weniger gefiel auch Herr Kaufmann (Schuhwarenhaus) der mit einer kräftigen, volltönigen Stimme Lohengrins Herkunft von Wagner sang. Herr stud. jur. S. Sussel begleitete in diskreter Weise am Klavier. — Die Rhapsodie Nr. 12 von Liszt wurde von Herrn Constant Samuel mit einer Fingerfertigkeit und Treffsicherheit ausgeführt, die alle Anwesenden in Erstaunen setzten. In dem jungen Manne sind musikalische Anlagen vorhanden, die unbedingt weiter entwickelt und gepflegt werden sollten. Eine humoristische Nummer war Serenissimus und Kindermann, verfaßt und gespielt von den Herren Weill und Netter. - Serenissimus befindet sich auf Reisen. Zufällig kommt er in den Katharinensaal, wo ihm die jüdische Gemeinde Huldigungen darbringen will. Durchlaucht will aber inkognito bleiben und sich auch einmal als Mann des Volkes bewegen. Infolge seiner furchtbaren Naivität entstehen köstliche Szenen. So z. B. bei der Frage: Ach, wie weit ist es nach Winzenheim? 6 Kilometer Durchlaucht. Und von Winzenheim nach Colmar? Das sind auch 6 Kilometer, Durchlaucht. So! Aeh, das versteh ich aber gar nicht, denn von Weihnachten bis Neujahr sind acht Tage, und von Neujahr bis Weihnachten ist es ein ganzes Jahr. Von den Darbietungen waren alle Anwesenden ganz entzückt. Man glaubte Berufsspieler erster Güte vor sich zu haben. Nun gings an die Tombola, welche mit wertvollen Geschenken ausgestattet war. Herr Manheimer gab eine Eisservice in Gold, Herr Armand Bernheim aus Mülhausen eine kunstvolle Fruchtschale aus echtem Porzellan von Meißen, Herr Lucien Wormser eine Kunstvase von Saargemünd usw. Nach geistigen Genüssen, die bis gegen Mitternacht dauerten, war es ganz selbstverständlich, daß auch der innere Mensch zu seinem Rechte kommen wollte. Wieder waren es die freundlichen Damen ' der Enfants de Sion, die auf Wunsch die feinsten Platten servierten. Während der Abendunterhaltung und auch für das Diner spielte die Kapelle Stücke aus verschiedenen Opern. Als sie plötzlich einen Walzer erklingen ließ, da konnte sich die Jugend nicht mehr zurückhalten und für sie war natürlich der Ball eröffnet. Spät, sehr spät oder vielmehr nicht zu früh am andern Tage verließen viele verhüllte Gestalten den Katharinensaal, um sich der wohlverdienten Ruhe hinzugeben. Am Sonntag nachmittag von 3—6 Uhr war Kinderball. Es war allerliebst anzusehen, wie die Püppchen, vom Nesthöckerchen bis zum Gernegroß, alle sich nach der Musik im Kreise bewegten. Als sie mit Fähnchen und Kränzchen geschmückt eine Polonaise tanzen durften, da kannte ihre Freude keine Grenzen mehr. Mit Geschenken versehen, verließen sie nur ungern den „Ballsaal". Nach Schluß der Festlichkeiten fand für das Komitee ein kleines Diner statt. Durch den'feinen Witz und übersprudelnden Humor einiger Herren, wobei Herr Lucien Schwab aus W. den Hauptanteil traf, war alle Müdigkeit vergessen. Auf Veranlassung des letzteren wurde das Benschen ä l'am6ricaine versteigert. Der Erlös fiel dem Baufonds zu. Zum Schlüsse hielt Herr L. Wormser noch eine kleine Rede. Er dankte dem Komitee für seine Mühe und sagte, daß die Festlichkeiten von Samstag und Sonntag einzig in ihrer Art da seien. Und mit Recht. Noch nie habe ich gesehen, wie Juden und Nichtjuden, Einheimische und Eingewanderte so einmütig zu einem Werke der Wohltätigkeit beisteuerten, wie zu diesem. Der Erlös beziffert sich auf ungefähr 6000 di. Um das Fest verdient gemacht haben sich die Herren Bodenheimer, Strauß Samuel, A. Kahn, Bloch-Mook. Die Damen P. Levy, Lucien Wormser, G. Dreyfus, L. Meyer, I. Weil, CH. Klein, sowie drei sehr fleißige Bienen: Frl. Lucie Libmann, Jeanne Netter und Jeanne Weill. Für die Festlichkeiten hat eine hiesige Dame einen Prolog verfaßt, der aber zu spät abgegeben wurde. Nun haben Sie, Herr Redakteur die Freundlichkeit, denselben im jüdischen Blatte zu veröffentlichen. Zur Renovierung unserer Synagoge. Seid uns herzlich gegrüßt, ihr Damen und Herrn, Die ihr gekommen von nah und fern, Zu feiern mit uns ein schönes Fest, Daß seinen edlen Zweck ihr kennet jetzt. Unsrer Synagog gilt unser Streben, Denn welch wahrhaft Gläubige kann sie betreten Ohn daß ihn eine Wehmut überfällt, Weil eben ihr Aeußeres ist furchtbar entstellt. Jüngst war mir's, als hört ich sie klagen, Daß sie so ein bröckelndes Kleid muß tragen. Selbst Löcher merke man von allen Seiten, Bor Scham wage sie sich fast nicht mehr zu zeigen. Schnurstraks brachte ich ihr Klagelied den jeunes gens israelites und den enfants de Sion vor, Die für unsre Synagog hatten ein aufmerksames Ohr. Sofort arrangierten sie ein Fest, Wo groß und klein sie amüsieren läßt. Und der Gewinn, das gibt ein neues Kleid, Worauf sich unsre Synagog schon lange freut. Selbst das Eingangstor ist alt und gerissen, Bor Rost ist jede Schönheit vermissen. Aechzend und stöhnend macht man es auf und zu, Bor Schmerzen findet es gar keine Ruh. Drum liebe Festgenossen alle hier beisammen, Nehmt den Dank der beiden Societen zusammen. Möge eure edle Tat Belohnung finden an jenem Ort, Wo stets das Gute vergolten wird fort und fort Slratzburg. Ein interessanter Prozeß fand in der vergangenen Woche seinen Abschluß. Zu dem jüdischen galizianischen Trödler Sp. kam im August vorigen Jahres ein Mann namens H., um altes Eisen zu kaufen. Letzterer sah in einer Zigarrenlade eine große Doppelschraube, welche der Trödler als altes Eisen gekauft hatte. H. erkannte das Stück sofort als einen gefährlichen Teil eines Geschosses von anno 70. Trotzdem nahm er dasselbe in die Hand, drehte daran, und das Geschoß I entlud sich, dem Kunden die Hand aufreißend. Im Oktober ver-

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