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Das jüdische Blatt · 1914-03-27 · 13 (27.3.1914) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
13 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das Mische glatt Nr. 13. Ausdruck der Seele sei. Ihren Besitz geben sie spottbillig her, und .manchmal gar umsonst: Das ist der Vorgang, den man „Assimilation" nennt. Und wenn sie selbst nicht abfallen, so verpfänden sie doch nach ihrem Tod ihre Seele, d. h. ihre Kinder. In geistreichen und schärfsten Wendungen führte der Redner, oft von stürmischem Beifall unterbrochen, diese Vergleiche im einzelnen durch. Er schloß damit, daß er den Abtrünnigen die breite Mästendes Volkes gegenüberstellte, die ihren Schatten nicht verkaufe, die sich im Orient ein Zentrum geschaffen habe, in dem die Juden ihres Schattens froh werden können. Er sprach von den Jungen in Palästina, die keine Peter Schlemihle seien, von den 10 000 Kindern dort, für die das Hebräische Muttersprache ist, von den niederen und höheren Schulen mit hebräischer Unterrichtssprache, von den blühenden jüdischen Kolonien mit ihrer eigenen Verwaltung, von den jüdischen Vierteln in den Städten — von allen diesen Dingen sprach er, nur nicht davon, wie viel von dem, was in Palästina geschehen ist, aus seine eigene Arbeit zurückgeht. . . Ein paar seine Worte von Herrn Berthold Feiwel beschlossen den Abend. („Immer mehr opfern sie von ihrem Eigensten, ihre Geschichte, die hebräische Sprache erklären sie für tot, für abgestorben" so sprach nach dem Bericht der in seinem Enthusiasmus hinreißende Redner. Unwillkürlich vermißt der Jude in diesem Zusammenhang das Wort: „Die jüdische Religion, das Judentum, erklärten sie für abgestorben, für tot", doch dieses Wort von der Religion, vom Judentum, das allerwichtigste für jeden Juden, der über Judentum spricht, kam, wie es scheint, nicht, konnte nicht kommen. Das liegt nun einmal im Wesen des rein nationalen Zionismus. Die eigentliche Assimilation aber liegt nicht in dem Aufgeben der hebräischen Sprache, sondern im Aufgeben der jüdischen Religion. Hebräisch sprechende Zionisten, die die Religion über Bord werfen, sind, auch wenn sie in Palästina leben, Assimilanten. In der hebräischen Sprache ohne jüdische Religion liegt das Heil des Judentums nicht. Kann man sich eine Judenheit denken ohne Judentum? Gibt es ein Judentum ohne Thora? Red.) Lolmarer Brief. Geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie, daß ich Ihnen einen Brief zuschicke über die Festlichkeiten, welche die Societd de patronnage des jeunes gens ifraelites und die Enfants de Sion zugunsten des Synagogen- Baufonds am 21. und 22. März abgehalten haben. Ich habe des Guten und Schönen soviel gesehen, daß es mir ordentlich bange wird, etwas zu vergessen. Am Samstag-Nachmittag H fand ein Tangotee statt, verbunden mit Konzert. Als ich gegen 3 Uhr den festlich geschmückten Saal betrat, war ich und sicher mit mir alle übrigen Besucher sofort in feierliche Stimmung versetzt. Während die Kapelle der 14. Dragoner einschmeichelnde Töne vernehmen ließ, kredenzten an zierlichen Tischchen liebliche Damen der Enfants de Sion, Kaffee, Tee und Schokolade gratis. Selbst der eingefleischte Hagestolz konnte den freundlichen Gesichtchen nicht widerstehen und eine Einladung annehmen. Der Clou des Nachmittags bildete, besonders für die Damenwelt, die neuesten Pariser Tänze, z. B. Furtana, Maxixe bresilienne, Double et triple Boston, Tango usw. Eine kleine Tanzunterhaltung, ausgeführt von allerliebsten Backfischen, beschloß den Tango-Tee um 6 Uhr. Mit Spannung sah man der Abendunterhaltung entgegen. Als ich gegen 9 Uhr den Saal wieder betrat, erglänzte derselbe in vollstem Strahlenlichte über den vielen Herren upd Damen. H sEs hätte wohl der Heiligung des Sabbats besser entsprochen, wenn das so schön verlaufene Fest nicht schon am Sabbat eröffnet worden wäre. Red.j Viele von den letztern hatten prachtvolle, elegante Abendtoiletten angelegt. Unter den Gästen waren Herr Konsistorialpräsident Mannheimer und Madame L. Mannheimer, Herr und Frau Oberrabbiner Isidor Weil und das Konsistorialmitglied Herr Dr. P. Hirtz. Trotz seiner sehr geschwächten Gesundheit ließ es sich letzterer nicht nehmen, das Fest mit seiner Anwesenheit zu beehren. Er hielt längere Zeit tapfer aus und hielt sogar eine zu Herzen gehende Anrede, die von allen Anwesenden mit einem lauten Bravo ausgenommen wurde. Herr Bodenheimer dankte im Namen der Socidtes. Dem Wunsche vieler Gäste entsprechend, die die Rede des Herrn Dr. Hirtz nicht gehört haben, sei sie hiermit veröffentlicht. Mesdames, Messieurs, II est un vieux proverbe qui dit qu’il n’y a pas de fete sans lendemain. Appliquö ä notre fete d’aujourd’hui, ce proverbe peut ne pas etre rigoureusement exact; eil ce sens que les splendeurs du lendemain ne le cedent en rien a celles de la veille. Mais les plus belles journees ont une fin, helas! et avant de clöre celle d’aujourd’hui, il m’a semblö qu’il ne serait peut etre pas inopportun de jeter un coup d’oeil retrospectif sur le bilan de ces fetes et de recherclier les idees qu’elles suggerent. Au point de vue materiel, les rejouissances de toute Sorte dont eiles ont ete l’occasion ont depasse tout ce que les plus optimistes pouvaient en attendre, mais il me plait de voir les choses sous un angle plus large, et ä un point de vue plus öleve, c’est ä dire au point de vue moral. lei deux grandes verites s’imposent: la premiöre et la plus importante, et dont nous avons tous le droit d’etre fiers, c’est la preuve de l’etroite solidarite qui regne dans la grande famille israelite toutes les fois qu’il s’agit de remplir un de voir collectif. Puis, nous avons pu constater l’energie et la puissance de l’effort dont sont capables les dames, quand elles ont la ferme volonte de reussir. Eh! bien, ici encore le resultat a depasse l’effort, et je suis heureux de vous dire, medames, que votre succes a ete complet. Si j’avais le den de posseder des convictions religieuses plus affermies, je verrais, peut etre en cette occurrence, le concours d’une influence superieure qu’on appelle en termes bibliques «etzba eloim», c’est ä dire le doigt de Dieu; mais je pense rester plus terre ä terre, et abandonner sans partage tout l’honneur de la reussite a nos charmantes enfants de Sion et ä leurs non moins charmantes ainees, parmi lesquelles il est juste de citer en premier lieu la vaillante epouse de mon collegue et vieil ami, M. Lucien Wormser, qui, depuis pres d’un mois est restd sur la breche sans treve ni merci, puis, la tres distinguee Madie Dreyfus, qu’on trouve toujours; prete, quand il s’agit d’une oeuvre de bienfaisance. Si nos zeles organisateurs et organisatrices ont bien inerite de la generation actuelle, il faut bien nous gar der apres cela de tirer l’echelle. Leur oeuvre comporte un exemple et un enseignement pour les generatiöns futures, et je so uh alte de tout coeur que celles-ci, non seulement s’en inspirent, mais encore tiennent ä honneur de ne pas demeurer en reste avec leurs ainees. Mais Pheure avance, et avant de clöre cette longuo et belle journee, je vous propose, Mesdames et Messieurs, de vider nos verres en l’honneur et a la sante des organisateurs et organisatrices de la fete, auxquels je renou-

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