Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9052070-9097324-9053139--1081-9053146- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 12. Das jüdische Matt 7 sohnes von Barr, — und Scholle rollte auf Scholle hinab auf den Sarg einer Edlen und Guten, einer Treuen und Frommen. (n "2 's n. Saatburg. Endlich hat die jüdische Gemeindekommifsion den Beschluß gefaßt, daß unverzüglich die Vergrößerung des Friedhofs in Angriff genommen wird, wofür die Mittel bereits voriges Jahr ins Budget gestellt wurden. Leider ist man durch die Hartnäckigkeit eines Grundstücksnachbarn gezwungen, vorläufig halbe Sache zu machen. Im jetzigen Friedhof ist nur noch eine Reihe mit vier Gräbern unbelegt, so daß die Ausführung keinen Verzug erleiden darf. Winzenheim (Ob.-Els.). Schwer heimgesucht wurde die Familie L. Kahn von hier. Unter großer Beteiligung wurde letzten Montag ihr jüngster Sohn Marcel, im Atter von 26 Jahren, zu Grabe getragen; seine Kameraden, die Chevroh, der er ein treues Mitglied war, trugen feine irdischen Ueberreste zur letzten Ruhestätte. Herr Rabbiner Dr. Zivi schilderte in rührenden Worten Charakter, Frömmigkeit und Tugenden des so früh Dahingeschiedenen, welcher sich allgemeiner Sympathie und Wertschätzung erfreute, und sprach tiefempfundene Worte des Trostes an die trauernden Eltern und Familie. Möge Gott den schwergeprüften Hinterbliebenen Trost spenden. Bayern. Vurgkundstadt. Unser allverehrter Distriktsrabbiner Ezechiel Goitein als Mensch gleich hervorragend wie als Gelehrter, ist nicht mehr. Am Freitag abend "ppT 'n bald nach Eingang des^^^'ging auch er im Alter von 50 Jahren em'fr’D’# nachdem er schon längere Zeit schwer leidend gewesen war. Er war ein würdiger Sproß berühmter Ahnen. Als Urenkel des R. Mordechai Baneth des Verfassers des ripQ Enkel des R. Jecheskel Baneth knüpfte er an die heiligen Traditionen seiner Familie an, als er sich in seiner Geburtsstadt Högyes in Ungarn und später auf den berühmten p^pv^n in Görbö und Nagy-Karoly mit Feuereifer dem Talmudstudium hingab. Als Jüngling von 18 Jahren kam er nach Breslau. Erst hier begann er, sich mit den profanen Wissensgebieten zu beschäftigen und bestand in überraschend kurzer Zeit das Abiturientenexamen mit Auszeichnung. Er besuchte dann das Rabbiner-Seminar in Berlin, an welchem er seine rabbinischen Studien vollendete. In Halle erwarb er den Doktorgrad mit der gediegenen Arbeit über „Das Vergeltungsprinzip im biblischen und talmudischen Strafrecht", welche auch im „Magazin für die Wissenschaft des Judentums" erschienen ist. Nach beendigtem Studium folgte er einem Rufe als Rabbiner nach Marienbad. Aber nach fünfjähriger segensreicher Tätigkeit verließ er freiwillig diese günstige Position, da Neuerungssucht in Marienbad unjüdische Kultuseinrichtungen getroffen hatte, und übernahm die Stellung eines Rabbiners in dem nicht großen Rabbinatsdistrikt Vurgkundstadt in Bayern. Dieser Entschluß legt ein herrliches Zeugnis von der Charaktergröße und Ueberzeugungstreue des Entschlafenen ab, mehr als Worte es vermöchten. Seit dem 3. Januar 1897 wirkte er in Vurgkundstadt, zum Segen der Gemeinden. — Die Beerdigung, die am Sonntag den 10. Adar stattfand, gestaltete sich zu einer großartigen Kundgebung der Liebe und Verehrung, die der Verstorbene in den weitesten Kreisen genoß. Von nah und fern waren Verwandte, Kollegen, Freunde und Bekannte herbeigeeilt. Der Bczirksamtmann von Lichtenfels mar persönlich erschienen, und auch die geistlichen und weltlichen Behörden waren vertreten. Das Trauerhaus vermochte die Fülle der Erschienenen nicht zu fassen, so daß Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein-Schweinfurt, der im Auftrag: der Gemeinde Vurgkundstadt und der Distriktsgemeinden die Trauerrede hielt, bei strömendem Regen unter freiem Himmel sprechen mußte. In ergreifender Rede zeichnete er ein Lebensbild des Dahingeschiedenen und rühmte das hervorragende Wissen, den herrlichen Charakter und die Bescheidenheit des Verblichenen. Nach ihm sprach Herr Lonerstädter, der Kultusvorstand von Vurgkundstadt, und rief dem verstorbenen geistlichen Führer warm empfundene Worte der Liebe und Anerkennung nach. Der Schwager des 'Verstorbenen (dieser war ein Schwiegersohn des vor Jahresfrist in Würzburg verstorbenen Dr, Braunschweiger h'^p), Herr Rabbiner Dr. Braunschweiger in Rybnik, gab dem tiefen Schmerze der Familie beredten Ausdruck. Dann setzte sich der Trauerzug nach dem Friedhof in Bewegung. Dort sprach Herr Distriktsrabbiner Dr. Kohn-Ansbach im Namen der bayerischen Rabbiner, Herr Hauptlehrer Wetzler aus Kronach im Namen der Lehrer des Distriktes und Herr Rektor Paul im Namen der Kgl. Realschule Kulmbach, an der der Entschlafene den Religionsunterricht erteilt hat. Dann wurde der Erde übergeben, was sterblich war an diesem seltenen Manne, der mit hervorragendem talmudischen und philosophischem Wissen die Treue einer heiligen Ueberzeugung verband. Um den Dahingeschiedenen trauert seine von allen Gemeinden des Distrikts hochverehrte Gattin und drei in noch jugendlichem Alter stehende Söhne. Möge V£'|-| den Trauernden und den verwaisten Distriktsgemeinden Trost spenden. Georgensgmünd. 1> Der jüdische Frauenverein hielt eine satzungsgemäße Versammlung ab. Frau Regina Gern legte, nach nahezu 28 jähriger Leitung, ihr Amt als erste Vorstandsdame nieder: an deren Stelle wurde Frau Resi Apfel einstimmig gewählt. Frau Martha Neumark wurde als zweite Vorstandsdame einstimmig wiedergewählt. Der Verein gewann einige neue Mitglieder. Ferner wurde beschlossen, für die bevorstehende Synagogenrenovierung, die dl 1200—1500 erfordert, aus Vereinsmitteln di 100 und falls noch nötig weitere dl 50 zu geben. - - Desgleichen hielt die eine Versammlung und beschloß, ebenfalls zu der Synagogenrenovierung dl 200 aus Vereinsmitteln zu gewähren. Die beiden letzten Beschlüsse der beide n Vereine verdienen umsomehr Anerkennung, als beide Vereine nur klein, weil eben viele Mitglieder der hiesigen Kultusgemeinde sich den Vereinen fernhalten, was sich in kleinen Gemeinden sehr fühlbar macht. Ter n"On trat als neues Mitglied Herr Samuel Tachauer bei. 3. Dahier ist die nC'TO* bereits l'A Jahre pauschaliert — iudem der ein Fixum erhält und die Erträgnisse der Schechita in die Gemeindekasse fallen — . Es hat sich dies sehr bewährt und kann allen Gemeinden zur Nachahmung empfohlen werden. 4. Die Gemeinde zahlt die ganzen Beiträge für die Privatbeamtenversicherung des Herrn Lehrer Zeilberger. Auch dies wird zur Nachahmung empfohlen. Rördlingen. (Unlieb verspätet.) In Frau Sophie Kappel, die uns so jäh entrissen wurde, haben wir eine selten gute Frau begraben. Sie öffnete ihr'Haus mit patriarchalischer Güte allen Leidenden lind Bedrückten. Der Alttnächtige tröste alle, die um sie weinen. 'p >2 'p, Preußen. Falascha-Juden. Frankfurt. Am Sonntag den 8. März fand in Frankfurt eine Sitzung des Internationalen Pro-Falascha-Komitees statt. Neben Vertretern des Frankfurter Ortsausschusses nahmen viele auswärtige Delegierte, darunter inehrcre aus dem Auslande, an der Sitzung teil. Es lagen außerdem Sympathiekundgebungen der größten jüdischen Organisationen — der Jca, des Hilfs-