Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 12 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Nr. 12. Das jüdische Klatt. Vereins der deutschen Juden, des Zionistischen Aktionskomitees, der Agudas Iisroel — vor. Nach einigen Begrüßungsworten des Vorsitzenden des Frankfurter Ortsausschusses, Herrn Julius Goldschmidt, entwarf der Begründer und jetzige Präsident des Internationalen Pro-Falascha-Komitees, Oberrabbiner Dr. Margulies (Florenz), ein anschauliches Bild von den bisherigen Bemühungen um die Falaschasache. Man sei endlich aus dem Stadium der vorbereitenden Tätigkeit herausgetreten, und nun gelte es, positive Arbeit zu leisten. Es handle sich um' etwa 100 000 Menschen — manche behaupten sogar um 200 000, da die Zahl infolge der schlechten Verkehrsverhältnisse in Abessinien noch immer nicht genau festgestellt werden konnte — die nicht nur dem Judentum erhalten, sondern auch der Kultur entgegengeführt werden sollen. Diese Ausführungen wurden ergänzt durch einen eingehenden Bericht des bekannten Falaschaforfchers Dr. Faitlowitfch, der eben von einer dritten Expedition nach Abessinien, die nahezu ein Jahr umfaßte, zurückgekehrt ist. Während seines letzten Aufenthaltes in Abessinien habe er eine Falaschaschule gegründet. Jetzt müsse man daran gehen, das begonnene Schulwerk, vor allem durch Errichtung eines Lehrerseminars, weiter auszubauen. Die Falafchas wollen nicht materiell, sondern nur geistig unterstützt werden. Das geplante Schulwerk werde sich aber um so leichter durchführen lassen, da man auf die Unterstützung der italienischen Regierung, die schon bisher der Falaschasache großes Interesse entgegenbrachte, stets rechnen dürfe. Man beschloß, das Internationale Pro-Falafcha-Komitee zu reorganisieren und ihm durch Errichtung eines besonderen Büros sowie Anstellung eines eigenen Generalsekretärs ein größeres und regelmäßigeres Arbeitsfeld als bisher zu verschaffen. Aus diesem Grunde wurde auch beschlossen, den Sitz des Zentralkomitees von Italien nach Deutschland und zwar nach Frankfurt a. M. zu verlegen. Zum Präsidenten des Internationalen Komitees wurde Herr Julius Goldschmidt gewählt. Oberrabbiner Dr. Margulies wurde in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Falaschasache zum Ehrenpräsidenten ernannt. Frankfurt a. 21t. Geheimrat Prof. Paul Ehrlich, der Erfinder des Salvarsan, feierte am 14. März in Frankfurt seinen 60. Geburtstag. Obgleich der Gelehrte sich eine offizielle Feier verbeten hatte, hatten sich in seiner Wohnung eine außerordentlich große Anzahl von Vertretern der Wissenschaft eingefunden, ein Beweis für die Wertschätzung und Verehrung, deren sich der Gelehrte erfreut. In einer von früheren und jetzigen Mitarbeitern verfaßten Denkschrift von 700 Seiten, die ihm überreicht wurde, wird die wissenschaftliche Lebensarbeit und ihr großer Einfluß auf die Medizin geschildert. Diesem Manne, ein Ruhm seines Landes, war die staatliche medizinische Lehrkanzel versagt — weil er Jude war. Als Jude hat er sich bekannt, auf dem Aerztekongreß zu London 1913 hat er öffentlich gegen das Blutmärchen Protest erhoben. An den Arbeiten für die sanitäre Besserstellung Palästinas hat er sich tatkräftig beteiligt. Frankfurt a. 21t. Durch den dieser Tage erfolgten Tod von Frau Sichel ist das von Herrn Ignatz Sichel, ehemaligem Prokurist des Rothfchildfchen Bankhauses, der Israelitischen Gemeinde vermachte Testament vollstreckbar geworden. Herr Sichel hat mehr als eine Million Mark für die Erziehung jüdischer Knaben gestiftet. Ein eigenes Gebäude soll für diesen Zweck errichtet werden. Ferner hat Herr Sichel 50 000 Mark für Legate an etwa 30 Wohltätigkeitsvereine ausgesetzt. Frau Sichel hat selbst noch eine größere Summe für wohltätige Zwecke bestimmt. Kaden. Karlsruhe. Nach vorläufiger Ermittlung find als weltliche Abgeordnete zur israelitischen Landessynode in den einzelnen Wahlbezirken gewählt: 1. Rechtsanwalt Bloch in Konstanz, 2. Arzt Dr. Heilbronn in Gaillngen, 3. Rechtsanwalt Zucker in Lörrach, 4. Rechtsanwalt Kassewitz in Freiburg, 5. Vorsteher Heinrich Weil in Emendingen, 6. Bezirksältester Lang in Altdorf, 7. Leo Wertheimer in Bühl, 8. Wilhelm Bähr, Emil Weill in' Karlsruhe, 9. Vorsteher Bertold Bär in Bruchsal, 10. Vorsteher Sigmund Sinauer in Grötzingen (die Wahl dieses Abgeordneten ist zweifelhaft; das Resultat ist 77 gegen 76 Stimmen, dazu kommt, daß in einer Gemeinde unzulässigerweise die Wahlhandlung unterlassen worden ist), 11. Js. Maier in Heidelberg, 12. Rechtsanwalt Dr. Pfälzer in Weinheim, 13. Vorsteher Bankier M. Goldschmidt, Fabrikant Eduard Bauer, Hermann Kauffmann, Jos. Zimmern in Mannheim, 14. Bezirksältester M. Lämmle in Breiten, 15. Bezirksältester Leopold Blum in Mosbach, 16. Dr. Simon in Heidelberg, 17. Rechtsanwalt Dr. Kander in Pforzheim. Die konservative Mehrheit der Abgeordneten ist demnach erhalten geblieben. — c — Schweix. Basel. Wie wir den „Baseler Nachrichten" entnehmen, fand am Donnerstag im großen Saale der Safranzunft ein Purim- F e ft, veranstaltet vom Schomre-Thora-Jünglingsverein statt, zu dem sich eine überaus große Zahl der hiesigen 'jüdischen Bevölkerung (etwa 350 Personen) eingefunden hatte, die jeder Nummer des Programms großen Beifall zollte. Die Darbietungen des ersten Teils wurden von Vereinsmitgliedern bestritten, die mit viel Geschick sich dieser Aufgabe entledigten. Ein Theaterstück, das großen Beifall erzielte, vortreffliche Musikproduktionen, Gesänge und Rezitationen wurden abwechselnd zu Gehör gebracht. Besonderen Beifall fanden die mit viel Sinn und feinem Geschmack arrangierten Bilder aus dem jüdischen Familienleben (mit Anlehnung an die bekannten Oppenheimschen Bilder). Es wurden ' gezeigt die Bilder Ruth und Noomi, das Anzünden der Sabbatlichter, Sabbateingang, Sabbatausgang und Purim. Den Augen des Beschauers boten sich die herlichsten Arrangements, die es verdient hätten, über den Augenblick hinaus festgebalten zu wer- - den. Auch die übliche Schnitzelbank durfte natürlich nicht fehlen und eine lustige Bierzeitung fand große Verbreitung. -- Im zweiten Teil des Abends spielte Herr Max Samst, Direktor des Bömly-Theaters, mit seiner Truppe „Heines junge Leiden", ein jüdisch-humoristisches Theaterstück, das hier in Basel noch nie aufgeführt wurde. Diese Aufführung hatte außerordentlichen Erfolg, und es wurden besonders Herrn Direktor Samst, der vorzüglich spielte und aus seiner humoristischen Rolle Ungeahntes herauszuholen wußte, lebhafte Ovationen dargebracht. Das zahlreiche Publikum harrte zur Anhörung des fast fünfstündigen Programms bis nach Mitternacht in froher Festesstimmung Es. Die Festkommission des Vereins, an deren Spitze Herr Hermann Cohn steht, hat sich mit der Veranstaltung des Abends den aufrichtigen Dank aller erworben. Auch für die Vereinsbibliothek, für dre der Ertrag bestimmt war, dürfte ein kleines Scherflein abgefallen fein. Wir fügen noch hinzu, daß die lebenden Bilder von Frau F. Metzger arrangiert wurden und das Theaterstück „Schmuel der Schnorrer", in welchem Herr Bertold Apelbaum besonders vorzüglich spielte, von Herrn Robert Dreyfus einftudiert wurde. — Seit langem ist kein so schönes Fest in Basel ge- «T?r!”0rt r^^?°""Erstag starb im Alter von 56 Jahren Der Verstorbene war Chefarzt des hiesigen Milüarlazaretts, und war bei allen seiner Freundlichkeit und Tüchtigkeit wegen sehr beliebt.