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Das jüdische Blatt · 1914-03-20 · 12 (20.3.1914) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Da» jüdische Klatt. Nr. 12. statt. Ein Festessen vereinigte darauf sämtliche Vereinsbrüder zu einem gemütlichen Beisammensein. Der Präsident des Der-! eins, unser allverehrter Herr Lang, begrüßte die Erschienenen, besonders die beiden Vereinssenioren, die er als leuchtendes Beispiel der Pflichterfüllung und der Friedensliebe hinstellte. Mit einem „Hoch" auf die beiden Iubilare schloß er seine zu Herzen gehende Ansprache. Auf dem nachfolgenden Ball kam nun auch die Jugend zu ihrem Rechte und bald herrschte bei allen Beteiligten die richtige Purimstimmung. Es war schon lange nach Mitternacht, als die letzten sich aus den Heimweg machten. Für das in allen Teilen wohlgelungene Fest gebührt unser Dank besonders dem Festleiter E. Ulmann. Hagenau. Am Samstag Abend hielt Herr stud. med. Robert L e v y von hier, im großen Saal des Hotels zur Traube für die Mitglieder des I u g e n d b u n d e s einen Vortrag über: „Der Antisemitismus, seine Geschichte, sein Wesen und dessen jüdische Abwehr". Herr Levy ist noch sehr jung, aber er hat schon sehr viel gelesen, viel gehört und auch selbst schon etwas miterlebt, und gerade deswegen konnte er seinem Thema das richtige Gepräge geben. Er hatte sehr viel Material gesammelt und gut behandelt, und erntete auch reichen Beifall. Eine rege Diskussion schloß sich dem Thema an. M. W. Imlingen. Ein unendlicher Leichenzug gab letzten Dienstag einer der frömmsten Frauen der ganzen Gegend, Frau C a e n Job, welche im Alter von 71 Jahren nach kurzer Krankheit hinweggerafft wurde, das letzte Geleite. Tie Verstorbene war eine Eisches Chajil im wahren Sinne des Wortes. Lange Jahre besorgte sie die Geschäfte der Frauen-Chevroh und war Armen und Unglücklichen eine Trostspenderin. Durch ihr frommes Wesen aber, wie wir es heute leider immer seltener sehen, und das sie im Elternhause vor sich gesehen, war sie nicht nur in unserer kleinen Gemeinde, sondern bei ihrer ganzen Familie, die besonders über ganz Frankreich verzweigt ist, ein leuchtendes Beispiel. In seiner Trauerrede gab Herr Rabbiner Levy ein Lebensbild dieser frommen Frau, die in heiteren und auch in trüben Stunden voller Zuversicht war und ihre Tröstung in Gottes Wort fand. Die ganze Familie und Gemeinde wird ihr ein gutes Andenken bewahren. 7Neh. Dem Berichte des Vereins Eintracht, der seit Jahren an Mitgliedern zunimmt, entnehmen wir folgendes: Die Einnahmen beliefen sich aus 2224 di. Die Ausgaben, darunter fortlaufende Unterstützungen, Brot, Brennmaterialien, Kartoffeln, Zuschuß an die Zentralkasse, und an Israel. Hospiz, Verein für Krankenpflege, fast 1800 dl. 7Ueh. Die Jeunesse JsraMte hat ihren Jahresbericht herausgegeben, der sehr interessante Ausführungen enthält. Von den Einnahmen in Höhe von 49OO dl sind ausgegeben worden für Unterstützungen an Bedürftige ungefähr 1200 dl, Zentralkasse 600 dt, Krankenwärter 200 <11, Ferienkolonie 150 dl, Hospiz 200 di. Vorstand ist Herr H a n n a u x. Reu als Inspektor, der die Armen aufzusuchen hat, ist Herr Armand Israel gewählt worden. s Mölsheim. Eine durch Kantor Stüffel hier veranstaltete Purimkollekte für das Knabenwaisenhaus von Hagenau ergab die Summe von 31,50 dl, die dem Schatzmeister zu Hagenau übersandt wurde. Reu-Vreisach. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wurden auf dem hiesigen israel. Friedhof fast alle Grabsteine umgeworsen und zerschlagen. Eine polizeiliche Untersuchung hat bisher die Vandalen noch nicht feststellen können. Reuweiler. Unsere Gemeinde, die so wie so schon sehr zuj sammengeschmolzen ist, hat durch Wegzug des Herrn Isaak Wolf * eines ihrer geachtelten und nützlichsten Mitglieder verloren. Mehr! wie 20 Jahre hat Herr I. Wolf in mustergültiger und uneigennütziger Weise die Dienste eines Bal Tefillo erfüllt und sich dadurch die Würdigung der Gemeinde errungen. Es ist daher begreiflich, daß sein Wegzug von hier in unserem Gemeindeleben eine empfindliche Lücke zurückläßt. Möge er in seinem neuen Wirkungskreise die erwünschte Befriedigung finden. Riederhagenlhal. Schon wieder hat der Tod eine Lücke in unsere durch Wegzug und Todesfälle immer kleiner werdende nbnp gerissen. David Goetschl, noch ein rüstiger Mann, der noch täglich seinen Geschäften nach ging und oeim Gottesdienst immer einer der ersten und letzten war, ist im Alter von 62 Jahren nach kaum sechstägigem Leiden gestorben. ■ Sein Begräbnis legte beredtes Zeugnis ab von der allgemeinen Teilnahme, denn seit Menschengedenken war hier kein so großes Begräbnis. Verwandte und Bekannte von nah und fern, Juden und Nichtjuden, haben sich daran beteiligt. Mit ihm ist einer jener immer seltener werdenden □mjij ^enn-r der überlieferten Melodien dahingegangen. Er war seit vielen Jahren im Vorstand der Kultusverwaltung und Mitglied der iimn mm “mbn und Mitglied der mpu rrcn. Rosheim. Der Fasttag des Taanis-Esther stand für uns im Zeichen doppelter Trauer: Nach nur zweijährigem Aufenthalt in hiesiger Gemeinde, wohin sie nach dem Tode ihres Gatten, des unvergeßlichen Anselm Debru Vf zu einer Tochter gezogen war, ist uns Frau Amelie D e b r 0, geb. C a h n, im Alter von 64 Jahren durch den Tod entrissen worden und wurde an diesem Tage zu Grabe getragen. Aus bestem Hause entstammt, eine Tochter des durch seine Frömmigkeit bekannten R e b b Leib aus Hatten, hat sie auch im eigenen Heim eine Hütte recht jüdischer Frömmigkeit errichtet, die weithin gekannt und gerühmt war, hat sie hinwiederum ihre Kinder in gleichem Geiste erzogen und das Glück gehabt, sie ihr darin folgen zu sehen. Schlicht und einfach, ausgestattet mit seltener Lebensklugheit und reicher Erfahrung, wußte sie die Menschen in ihren Bann zu ziehen, und war sie glücklich, ihnen mit Rat und Tat helfen zu können. So wirkte sie in ihrer alten Heimat Westhofen an der Seite ihres edlen Gatten über em Menschenalter, so hatte sie sich aber auch schon hier bewährt während der kurzen Zeitspanne, die ihr noch bei uns vergönnt war. Die Herzen vieler schlugen ihr zu, die Sympathien aller waren ihr gewonnen. Dies war nur ein schwacher Ausdruck der allgemeinen Kundgebung der Trauer bei ihrer Bestattung. Unter den zahlreichen Teilnehmern sehen wir auch mehrere Rabbiner: neben ihrem Sohne (dem Rabbiner von S a a r u n i 0 n) und ihren Schwiegersöhnen lvon Winzenheim und Barr) die Rabbiner von Oberehnheim, Buchsweiler, St. Ludwig und Bollweiler. Eine Schilderung ihres frommen, beispielgebenden Lebens entwarf zunächst der Rabbiner von Oberehnheim. Dann nahm der Sohn — auch namens seiner Geschwister — bewegten Herzens Abschied von der teuren Mutter; worauf noch der Schwiegersohn von Winzenheim, anknüpfend an die vergangene Sidrah, ihr Haus als ein Heiligtum zeichnete, in welchem sie wie eine „Priesterin" imm) in Reinheit gefaltet habe. Die Bahre wurde nach Westhofen gebracht, um auf dem Friedhof dort an der Seite ihres Gatten zur Ruhe gebettet zu werden. Auch hier war die Gemeinde — Männer und grauen vollzählig erschienen, um der Verstorbenen den letzten Zoll der Liebe und Verehrung zu weihen. Am offenen Grabe gab Rabbiner Gugenheim den Gefühlen des Schmerzes und der Trauer beredten Ausdruck, wie sie ihr Hinscheiden hier am! Orte ihres langjährigen segensreichen Wirkens geweckt hatte. — No; ein letztes herzliches Abschiedswort seitens ihres Schwieger-

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