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Das jüdische Blatt · 1914-03-20 · 12 (20.3.1914) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
12 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12. Das jüdische Klalt. 5 wir denselben Glauben haben, sondern weil wir wissen, daß auch unsere Eltern aus denselben Gründen, wie jetzt diese russischjüdischen Glaubensbrüder einst in den Ghetti von Deutschland gelitten haben. Die Rede Schiffs wurde von den Anwesenden, 2000 an der Zahl, mit stürmischem Applaus ausgenommen. Das neue Einwanderungsgesetz in Amerika. Die „N. I. K." berichtet aus New - Pork: Das vom Repräsentantenhaufe angenommene Einwanderungsgesetz liegt nunmehr dem Senat zur Beratung vor, und man nimmt an, daß dieser die Vorlage in ihrer gegenwärtigen Fassung bestätigen wird. Die Gegner des Entwurfs hatten bisher gehofft, daß der Senat die Bestimmung des Bildungsnachweises aufheben würde, oder daß man die ganze Angelegenheit bis zur nächsten Kongrehperiode verschieben würde. Allem Anschein nacy werden sich jedoch diese Hoffnungen nicht erfüllen. Der einzige versöhnliche Zug des Entwurfs ist die Ausnahmebestimmung zugunsten solcher Auswanderer aus fremden Ländern, die „n u r deshalb ausgewandert sind, weil sie religiösen Verfolgungen entfliehen wollten". Durch die Einfügung des Wortes „nur" bleibt die Entscheidung dem Ermessen der Einwanderungsbeamten überlassen, und es wird damit der persönlichen Willkür ein weiter Spielraum gewährt. Präsident Wilson ist dem Gesetz gegenüber ablehnend gesinnt. Man glaubt jedoch, daß auch er, falls der Entwurf in seiner jetzigen Gestalt im Senat durchgeht, ihm die Bestätigung nicht versagen wird. In den Einwanderungsfreundlichen Kreisen versucht man nunmehr, auf die Streichung des Wortes „nur" in der oben angeführten Bestimmung zu dringen. In Philadelphia ist kaum 60 Jahre alt der berühmte Bodenreform-Politiker Joseph Fels, der Nachfolger des berühmten Nationalökonomen Henri Georges gestorben. Joseph Fels, der ein Vermögen von vielen Millionen hinterläßt, ist sowohl in Amerika wie in England für seine bodenreformerischen Ideen eingetreten. Auch in der „Jto"-Bewegung war er tätig und hat mit Zangwill zusammengearbeitet. Moralisch und materiell förderte er die Auswanderung der russischen Juden nach Texas und unterstützte mit Geld und Rat das Studium der verschiedenen Landprojekte der „Jto". Ja er hat seine Bereitwilligkeit erklärt, sein halbes Vermögen für die „Jto" herzugeben, wenn es ihr gelingen sollte, einen geschlossenen Landstrich zur Kolonisation von Juden zu erlangen. Allerdings hat er daran die Bedingung geknüpft, daß diese jüdischen Kolonien nach dem Bodenreformsystem von Henri Georges organisiert werden. Ob er in seinem Testament eine Verfügung zugunsten der „Jto" getroffen hat, ist noch nicht bekannt geworden. Ü Korrespondenzen. ii Gllast-Lolllvnmerr. - Straßburg. Am Purimnachmittag wurde nach zweijähriger Pause wieder eine kleine Feier im isr. Mädchen waisenh a u s veranstaltet. Die Kinder führten mehrere kleine Theaterstücke teils in deutscher, teils in französischer Sprache auf. Auch einige schöne Lieder wurden unter Klavierbegleitung ge-' sungen. Das zahlreich erschienene Publikum spendete den Leistungen der jungen Darsteller reichlichen Beifall. Den Leiterinnen der Veranstaltung gebührt vielen Dank für die gelungene Darbietung. Straßburg. Herr Lehmann, der frühere langjährige Synagogendiener, der würdige Greis mit dem Silberhaar, erhielt vor zirka 14 Tagen die französische Kriegsdenkmünze vom hiesigen Polizeipräsidenten überreicht. Herr Lehmann war während der Belagerung Straßburgs Mitglied der garde mobile. Bei einem Ausfall hatte er einen Kameraden vor dem sicheren Tode gerettet. Möge Herr Lehmann sich noch lange der wohlverdienten Auszeichnung erfreuen. Stratzburg. Einen sehr interessanten Abend bereitet die zionistische Ortsgruppe für den kommenden Montag, 23. d. Mts., vor. Herr Dr. Schmarja Levin, Mitglied der Zentralleitung der zionistischen Weltorganisation wird im Saale des Hotel de la ville de Paris (Beginn 8 >2 Uhr, Eingang Blauwolkengasse) einen Vortrag, betitelt Die Tragödie des Judentums halten. Herr Dr. Levin, einer der führenden Persönlichkeiten der jungjüdischen Bewegung, der seinerzeit auch als Mitglied der ersten Duma eine bedeutende Rolle spielte, geht der Ruf eines ausgezeichneten und tiefsinnigen Redners voraus. Da der Besuch der Versammlung voraussichtlich ein starker sein wird, empfiehlt es sich, sich Karten für reservierte Plätze zum Preise von 1 Ji zu verschaffen; dieselben sind in der Hofbuchhandlung Singer erhältlich: im übrigen ist der Eintritt frei und Gäste herzlich willkommen. Slraßburg. Man schreibt uns: Zu dem Bericht über den Festabend des V. I. A. ist hinzuzufügen, daß nach Beendigung der theatralischen Vorstellung ein Ball stattgefunden hat. Slraßburg. Auf der nächste Woche stattfindenden Sitzung der drei Konsistorien wird wieder die Frage der Beurlaubung der höheren Lehrer aufgerollt werden. Hoffentlich werden sich die drei Konsistorien einigen, eine erneute Eingabe an die Oberschulbehörde zu richten, da die Befreiung an Rosch Haschono und Jom Kippur durch Stundentausch nicht immer durchführbar ist und jeder von der Güte und Gefälligkeit von 4 bis 5 Kollegen abhängig ist. So mußten letzten Rosch Haschono eine ganze Reihe von Herren unterrichten. Slraßburg. Das israelitische Komitee der Straßburger Armenlotterie, bestehend aus den Damen: Frau Carl Adler, Frau Achille Baumann, Frau Abraham Crailsheimer, Frau Eugen Jacobi, Frau Levy Baumann, Frau Aron Weil, und den Herren: Herr Carl Adler, Herr Alfred Haguenauer, Herr Direktor Alfred Loewe, hat den auf die Israeliten entfallenden Betrag der Armen lotterie in Höhe von Ll-, des Gesamtbetrages, mit Ji 3 800, wie folgt verteilt: Israel. Wohltätigkeitsverwaltung Ji 1200, Israel. Gewerbeschule Ji 360, Israel. Waisenhaus Ji 360, Israel. Krankenhaus Ji 300, Hospize Eliza Ji 360, Israel. Volksschule Ji 360, Bienenstift Ji 200, Frauenbund Ji 300, Israel. Verein für Ferienkolonien Ji 360; zusammen Ji 3800. Colmar. Berichtigung. Herr Oberrabbiner Weil ersucht UNS zu berichtigen, daß er die ihm in der Korrespondenz aus Colmar in voriger Nummer zugeschriebene Aeußerung nicht getan hat. Dürmenach. Am Purim feierte der hiesige Unterstützungsverein „Sion" das Fest seines 50 jährigen Bestehens. Die ganze Gemeinde nahm Anteil an dem freudigen Ereignis. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Festgottesdienst, welcher durch einige Vorträge des unter der Leitung des Kantors Mosbacher stehenden Synagogenchors verschönt wurde. In wohldurchdachter, tiefempfundener Rede feierte Herr Dr. Auscher das echt jüdische Wirken des Vereins auf dem Gebiete der Wohltätigkeit. Den beiden Mitgliedern des Vereins, die denselben mitgründen halfen, den Herren Moise Picard und Alexander Ducas, wurden von der Schülerin Clemence Levy nach einem flott vorgetragenen, sinnigen Gedicht zwei Gedenktafeln überreicht. Zur Freude der Schulkinder fand nun eine Bescherung

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