Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 11 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Nr. 11. Das jüdische Matt. in Jerusalem von Besuchern belagert, die Audienzen erbaten. Tausende von Bittgesuchen wurden ihnen bei jeder ihrer Ausfahrten ins Automobil geworfen, bei denen die hohen Gäste von einer Polizeipatrouille begleitet waren. Mütter hielten ihre Kinder hoch auf den Armen und ermahnten sie, dem Baron und der Baronin ins Gesicht zu schauen, damit sie, wie sie glauben, für immer vor Blindheit bewahrt bleiben. Besuche wechselte der Baron mit dem Pascha, dem Chacham Baschi, dem Waad Kol Hakolelim und dem Mufti. Außerdem besuchte der Baron die Arbeitsschule der Alliance, das Rothschild- Hospital und die Bezalelschule. Die einzige Schule, die die Baronin besuchte, war die Evelina de Rothschildschule. Dabei erlebte besonders die Kleinkinderschule der Anstalt einen ungeheuren Jubel, denn die gütige Baronin hatte einen großen Polizeisoldat mitgebracht, der einen riesigen Marzipankuchen auf den Tisch der Kleinen stellte. Nachdem der Baron und die Baronin noch einen ganzen halben Tag der Besichtigung der Ausgrabungen bei Siloa gewidmet hatten, reisten sie nach Haifa ab. Der Baron hinterlieh 70 000 Frcs. in Jerusalem zur Verteilung an die Armen der Stadt. Baron Edmond de Rothschild fühlte sich, wie er äußerte, wie verjüngt durch die Frische der Eindrücke, die er in Palästina empfangen hatte. Am Freitag Nachmittag, 20. Februar, war die Jacht des Barons in Sicht des Hafens von Haifa. Unter den Juden Haifas entstand große Erregung und eilig wurden Vorbereitungen für einen festlichen Empfang getroffen. Aber der Baron zog es vor, den Sabbat auf dem Meere zu verbringen. Nachmittags machte das Schiff eine Spazierfahrt nach Tyrus und kehrte gegen Abend nach Haifa zurück. Wie erstaunt waren die Haifaer als sie plötzlich am Sonntag Nacht den Baron in den Straßen Haifas spazieren gehen sahen in Begleitung seiner Vertreter, Herren Frank und Roseneck. Er hatte sich allen Ehrungen entzogen. Amerika. New-Zork. Am 18. Februar fand in der „Uptown Talmud Torah" eine ansehnliche Versammlung der gesetzestreuen Jugend statt, in der eine Jugendgruppe mit dem Namen „Young Mens League of the Agudas Jistoel" rHJK gegründet wurde. Der Versammlung wohnten auch die Delegierten der Aguda aus Europa an. Die neugegründete Jugendgruppe beschloß, nach dem Beispiel der Frankfurter Jugendgruppe in allabendlichen Veranstaltungen die Mitglieder in ihren Lokalitäten zu vereinigen und eine Reihe von Lehrkursen in ~ny }rf?5y, sowie in jüdischer Geschichte und Literatur einzurichten. i! Korrespondenzen. ü - Elsa sr-Lotlirirraett. - Straßburg. Die V. I. A. (Vereinigung jüdischer Akademiker) rief ihre Aktiven, Alten Herren und Freunde mit ihren Familien am Sonntag, den 1. März, zu einem wohlgelungenen in jeder Beziehung harmonisch verlaufenen Winterfeste zusammen. Treffliche musikalische Darbietungen, darunter besonders die mit tiefem Verständnis vierhändig vorgetragene „Faust"-Ouvertüre und ein Terzett für Flügel, Violine und Flöte wechselten mit ausgezeichneten deklamatorischen Vorträgen ernsten und heiteren Inhalts in wirkungsvoller Weise ab. An den Schluß des Abends war die Aufführung eines kleinen Lustspieles „Die Hochzeitsreise", gestellt, das unter höchst anerkennenswerter Einsetzung aller Kräfte von seiten der Mitwirkenden eine äußerst beifällige Aufnahme fand. Alle, die an diesem Abend zur Unterhaltung der Gäste und Verschönerung des Festes beitrugen, bemühten sich erfolgreich, ihr ganzes Können zu entfalten. Den schönsten Dank werden nicht nur sie, sondern auch besonders die Gastgeber entgegengenommen haben in der allseitig lobenden Anerkennung des Gebotenen von seiten der Gäste und dem völligen Gelingen des aufrichtigen Bestrebens, der Oeffentlichkeit wieder einmal zu zeigen, daß in der V. I. A. wie unter seinen Freunden und Gönnern ein guter Geist, ein echt jüdischer Gemeindesinn herrscht. Gerade dies letztere ist das Wesentlichste, und in diesem Sinne konnte man in Erinnerung an den genußreichen Abend mit Recht sagen: „Vivant sequeiites". Slraßburg. Verflossenen Sabbat war es ein Jahr, seitdem Frau Oberrabbiner Ury die Augen für immer geschlossen. Am Freitag fand auf dem israel. Friedhofe in Kronenburg die Einweihung des Grabsteins statt. Dem Wunsche des Herrn Oberrabbiner entsprechend, vollzog sich die Feier in aller Stille. Nur die nächsten Familienangehörigen und einige Freunde waren zugegen. Das Denkmal, von hellgelbem Sandstein mit schwarzer Marmorplatte, ist in ruhigem, vornehmem Tone gehalten. Die Verwaltung und Mitglieder der israelitischen Gemeinde haben es als letztes Zeichen der Verehrung und Liebe gestiftet. Slraßburg. Am Sonntag den 8. ds. Mts. fand in der Israelitischen Gewerbeschule zu Straßburg die Aufnahmeprüfung statt. Wie alljährlich war die Beteiligung wieder eine sehr rege. 23 Knaben waren es, die daran teilnahmen, und deren Eintritt in die Anstalt nach Pesach erfolgen wird. Die Prüfung soll nicht bloß dazu dienen, die Schulkenntnisse der Kandidaten festzustellen, sondern sie hat auch den Zweck, den Eltern der aufzunehmenden Knaben Gelegenheit zu geben, mit der Anstaltsleitung und dem Anstaltsarzt in Verbindung zu treten, um ein der körperlichen und geistigen Veranlagung entsprechendes Gewerbe auszuwählen. Des ferneren steht die Gewerbeschule mit Belehrung und richtiger Wegweisung bezüglich der Rentabilität, sowie der Aussichten bei der Gehilfeneinstellung und der Selbständigmachung der verschiedenen Handwerkszweige den Eltern zur Seite. 7 Zöglinge werden in nächster Zeit die Anstalt verlassen, so daß dieselbe wieder einen Zuwachs von 16 Schülern zu verzeichnen hat, ein Beweis, wie die Ist. Gewerbeschule einem allgemeinen Bedürfnis Rechnung trägt. Colmar. Zur Restaurierung unserer Synagoge haben sich zwei Vereine, die Society des jeunes gens und die Enfants de Sion vereinigt, um am 21. März ein Wohltätigkeitsfest im Katharinensaal zu geben. Die Enfants de Sion veranstalten einen Basar. Folgende Damen wurden gewählt: Frau Lucien Wormser, Frl. Jeanne Gensbourger und Blanche Dreyfus für die Champagnerbude, Frl. M., Weill, Suzanne Wolf und Yvonne Picard für die Bonbonsbude, Frl. Florence Dreyfuß, Reine Willig und Jeanne Levy für die Zigarrenbude, Frl. Sara Schwab, Marcelle Weill und Florette Wormser für die Blumenbude, Frl. Palmyre Bloch, Florence Dreyfuß und Suzanne Wolf für die Ansichtskarten. Am 21. März, nachmittags von 3—6 Uhr, wird Kaffee, Tee und Schokolade verabreicht, während eine Musikapelle spielt. Abends um Uhr ist wieder Konzert mit darauffolgendem Ball. Am Sonntagnachmittag von 3—6 Uhr findet Kinderball statt. Der Eintritt für Samstagnachmittag beträgt 2 di, abends 3 di und für den Sonntag 1 di; Kinder zahlen 50 Pf.; für alle Festlichkeiten kostet ein Billett 4 di. ®abm für die Tombola und das Büfett sind an die Präsidentin, Frl. Pau-