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Das jüdische Blatt · 1914-03-13 · 11 (13.3.1914) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
11 (13.3.1914)
Date
1914-03-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11. Aas jüdische Matt. 3 Frankreich. Das „Office Central d e P h i l a n t r o p i e i f r a 6 - l i t e", von dessen Gründung wir in voriger Nummer berichteten, hätte eigentlich nach dem Wunsche Vieler eine Verschmelzung aller in Paris bestehenden jüdischen Werke und Gesellschaften mit Humanitären Zwecken verkörpern sollen. Diese Vereinheitlichung aller dieser zum Teil großartigen Pariser Veranstaltungen jüdischer Liebestätigkeit ist nicht zustande gekommen; dies ist wohl dem zurzeit noch bestehenden Gegensätze zwischen einheimischen und eingewanderten Juden zuzuschreiben. Nun hat sich zunächst unter den Eingewanderten eine Vereinigung aller Wohltätigkeitsvereine in eine einzige Gesellschaft ermöglichen lassen unter dem Namen: Föderation des Soci 6 t 6 s juives de Paris., In der konstituierenden Versammlung vom 24. Februar wurden die Statuten angenommen und ein Komitee gewählt. Der Zweck der Föderation ist: die jüdischen Vereine von Paris zu vereinigen, um alle zur sozialen Hebung auf Grund gegenseitiger Hilfe unternommenen Bestrebungen und zur Akklimatisierung der Eingewanderten auf französischem Boden aufgebotenen Bemühungen miteinander zu verbinden. Um diesen Zweck zu erreichen, will die Föderation: 1. durch periodische Versammlungen einen unaufhörlichen Kontakt zwischen allen Schichten der jüdischen Gesellschaft in Paris herbeiführen; 2. die soziale und sittliche Lage der Juden in Paris studieren; 3. allein oder zusammen mit den bereits bestehenden jüdischen Gesellschaften neue Unternehmungen ins Leben rufen, deren Notwendigkeit sich aufdrängt; 4. den Eingewanderten durch Versammlungen und Presse die Grundsätze des französischen Staatsbürgers und der sozialen Verbrüderung einprägen. Zu der „Föderation" gehören zunächst hauptsächlich Vereine von Eingewanderten. Sie hofft jedoch mit dem Office Central de Philantropie israelite Zusammenarbeiten zu können. Paris. Der zweite Vortragsabend, den die hiesige Ortsgruppe der Agudas Jisroel diesen Winter veranstaltete, fand gestern abend im Saale des Ingenieurs Cioils statt und hatte wieder ein zahlreiches Auditorium angezogen. In Abwesenheit des Präsidenten eröffnete Herr Rabbiner Weis köpf die Sitzung mit einigen interessanten Worten, in denen er der sich immer günstiger gestaltenden Entwicklung der Agudas Jisroel in allen Ländern gedachte und darauf hinwies, daß sich auch hier, gleich den 300 Kämpfern bei Gibeon, Vertreter unserer Sache rasch gefunden haben. Herr Rabbiner Weiskopf stellte die Redner des Abends vor. Als erster ergriff Herr Rabbiner Dr. Armand Bloch aus Oberehnheim das Wort, um in großen Zügen die Entwicklung der jüdischen Geschichte zu beleuchten. Entsprechend seinem Thema „Les Sectes dans le Iudaisme" verbreitete er sich dabei des weiteren in außerordentlich interessanten Ausführungen über die Saduzäer und Karaäer und kam schließlich auf die Richtlinien-Bewegung zu sprechen, um anhand dieser Darlegungen die Notwendigkeit der Agudas Jisroel in eindringlichen Worten zu erklären. Der zweite Referent des Abends, Herr P r a g u e, der verdienstvolle Redakteur der hiesigen jüdischen Zeitung „Les Archioes Jsraelites", hatte ein sehr zeitgemäßes Thema „Etüde Psychologique des personnages du Livre d'Esther, d'apr^s le Thalmud" gewählt und verstand, seine Zuhörer durch seine Ausführungen, die teilweise von feinem Humor getragen waren, zu fesseln. Die Redner ernteten lebhafteten Beifall. Galizien. Jaslo. Auf Anregung des Herrn Wolf Gotzler-Tarnow fand im hiesigen großen Bethammidrasch unter Teilnahme von etwa 300 Personen eine Versammlung statt. Unser verehrter Rabbiner, Herr Hirsch Josef Rubin, eröffnete die Versammlung mit einer warmen Ansprache, und Herr Götzler referierte in lichtvoller Weise über die grundlegenden Ideen der Agudas Jisroel. Hierauf sprach Herr Diller. Die Gründung der Ortsgruppe wurde einstimmig beschlossen und an die Spitze des Lokalkomitees Herr Rabbiner Rubin gewählt. Bulgarien. Ein eigenes jüdisches Waisenhaus beschloß der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Sofia in einer seiner jüngsten Sitzungen für die Waisenkinder der in den letzten Balkankriegen gefallenen jüdischen Soldaten zu errichten. Es handelt sich zunächst um die Unterbringung und Versorgung von fünfzig jüdischen Waisenkindern, die durch den Verlust ihres Vaters in die größte Not gerieten. Die jährlichen Erhaltungskosten dieses vorläufigen Waisenasyls wurden mit 30 000 Francs veranschlagt. Erst wenn das nötige Kapital aufgebracht werden wird, sollan die Errichtung eines größeren ständigen jüdischen Waisenhauses geschritten werden, in welchem auch diejenigen Waisenkinder Unterkunft finden sollen, die jetzt anderweitig untergebracht sind. Gratz-Griechenland. Der von den Griechen ausgeübte Terror wird in Saloniki immer schlimmer. Die Polizei fährt trotz aller Beschwichtigungsreden fort, die Juden zu schikanieren. Das Neueste ist der Versuch, den Juden das Tragen des türkischen Fez zu verbieten, den diese so gern anhaben. Sogar an den Oberrabbiner von Saloniki stellte die Polizei das Ansinnen, er solle auf seine Glaubensgenossen einen Druck ausüben, damit sie den Fez ablegen. Oberrabbiner Jakob Meir wies aber die Zumutung der Polizei als eine ungesetzliche Einmischung in private Verhältnisse mit Recht ab und beschwerte sich darüber bei der Regierung. Die Polizei wird wohl von der Regierung desavouiert werden, aber die Affäre gibt doch den griechischen Blättern Gelegenheit, gegen die Juden zu Hetzen. Palästina. Der Besuch des Barons Edmond de Rothschild mit Gemahlin in Palästina, der hauptsächlich der Besichtigung der bei der Siloaquelle gemachten Ausgrabungen gewidmet war, hat unter der jüdischen Bevölkerung ungeheures Interesse hervorgerufen. Der Baron und die Baronin v. Rothschild trafen vor Jaffa am Freitag den 13. Februar ein und blieben über Sabbat an Bord. Nach der am Sonntag erfolgten Landung besuchten sie die Kolonien Mikwe Israel, Rischon le Zion, Petach-Tikwa-Ekron und nach der Rückkehr nach Jaffa besuchte der Baron auf Wunsch der Leiter das hebräische Gymnasium in Jaffa. Ueberall wurden der Baron und die Baronin mit königlichen Ehren empfangen, Triumphbogen, dichte Spaliere von Erwachsenen und Schulkindern, Willkommenlieder singend. Aehnliche eindrucksvolle Szenen spielten sich bei der Ankunft der hohen Gäste in Jerusalem ab. Die Eisenbahnstation war in einen Blumengarten umgewandelt, ein Gesang des Willkommens ertönte nach dem andern, die Straßen waren von einer dichtgedrängten Menge umsäumt. Rufe, wie „Rothschild", „der Baron", „unser Baron", wie der große Philanthrop gern von den Juden Palästinas genannt wird und für die er so viel getan hat, ertönten von allen Seiten. Der Baron und die Baronin v. Rothschild stiegen in einem jüdischen Hotel ab, was so manche gesellschaftlich herorragende Besucher Jerusalems nicht getan haben. Das Hotel war während der anderthalb Tage ihres Aufenthalts

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