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Das jüdische Blatt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10. Das jüdische Statt 11 Statistisches aus Gksaß-Lotstringen. Im Säemann-Verlag in Berlin erscheint soeben eine interessante Studie über die Moralstatistik Süddeutschlands aus der Feder von I. Forberger. Sie enthält viele wertvolle Aufschlüsse über das kulturelle Bild Elsaß-Lothringens, soweit es mit den Augen der Statistik gesehen werden kann. Wir geben nach der „Straßb. Post" aus dem reichen Inhalt der sehr lesenswerten Schrift folgendes wieder, das auch den Anteil der Juden ersichtlich macht. In der Kriminalstatistik ist von jeher die Belastung der Konfessionen ungleich gewesen. Die Katholiken sind schwerer belastet als die Protestanten. Im Jahre 1890 wurden auf 100 000 strasmündige Zivilpersonen im Reiche verurteilt gegen: Staat usw. Personen Vermögen Evangelische 1038,8 171,9 391,5 471,2 Katholiken 1238,1 176,3 514,1 542,7 Juden 867,4 199,4 3.40,7 324,1 Für Elsaß-Lothringen berechnet Forberger: Staat Per¬ Verauf Zuusw. sonen mögen 100000 Einwohner sammen Evangelische 521 899 967 143 247 266 657 Katholiken 1774 4666 3790 127 335 272 737 Juden 109 56 56 357 184 184 725 In Elsaß-Lothringen verteilten sich die Verurteilten 1910 folgendermaßen (berechnet nach der Zivlbevölkerung): Evangelisch,.' Katholiken Juden wirkt. Zahl wirkt. Zahl wirkt. Zahl auf 100 000 auf 100000 auf 100 000 Unterelsaß 1438 614 3277 775 125 798 Oberelsaß 392 576 3330 776 55 719 Lothringen 558 909 3642 675 41 594 Elsah-Lothr. 2388 657 10249 737 221 732 Die Zahl der in Zuchthaus, Gefängnis und Arbeitshaus Eingelieferten betrug im Jahre 1910 im ganzen 4178, davon 842 Evangelische, 3292 Katholiken, 40 Juden, das ist für 100 000 je 206, 231 und 131. Don den 539 wegen Verletzung der Wehrpflicht Verurteilten waren 24 Juden — 79 auf 100 000 gegen 29 der Gesamtbevölkerung. Hedatjast. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deut sch. (Fortsetzung.) Was war mit ihm geschehen, daß er bebte und zitterte, eine Pflicht der Menschlichkeit zu erfüllen. Würde er eine Minute zögern, einem Kinde ins Feuer nachzustürzen, einem Untersinkenden in den reißenden Strom? Setzte er nicht auch sein Leben ein, was war denn hier mehr? Mit aller Macht kämpfte der junge Fürst gegen die unerklärliche Angst in seinem Innern und suchte sie zu bezwingen durch das Gefühl des Mitleids und des Erbarmens, das er aus der Tiefe des Herzens emporquellen ließ, durch die Bilder des Schmerzes, die er seinem Auge vorführte, und während er so die Bilder suchte und fand, strömte es immer heißer und heißer aus seinem großen und milden Herzen und ergoß sich durch sein ganzes Wesen, ihn belebend und erhebend über alle Angst und Gefahr des Erdenlebens, es war der Moment der Selbstaufopferung eingetrelen, der Moment, wo die Begeisterung der Menschenseele und der klare, feste Wille in eins zusammenfließen, das Höchste zu leisten und zu vollführen. Mit festem Schritt ging der junge Mann aus der Kammer. Auf der Schwelle blieb er nochmals stehen. „Sei auf Deiner Hut!" tönte eine Stimme in seinem Innern und es war ihm, als blicke das ernste Auge des Freundes aus der Dunkelheit, als warne fein emporgehobener Finger. Und noch einmal machte sich die menschliche Natur geltend, noch einmal überkam ihn das namenlose Etwas dieser Stunde mit seiner ganzen Schwere und und Gewalt. Und wenn es Jsmael wirklich wäre, wenn er erschienen und während er vor seiner Türe lag, ihn lockend, raubte und mordete vielleicht seine Herde in der kleinen Niederlassung. Durfte er, der Statthalter, sich in den schützenden Mauern verbergen? Und die Greise, die Kinder, die Weiber und die schutzlosen Frauen im Palmenhause? . . . „Ewiger Gott, ende diese Qual. In Deine Hände empfehle ich meinen Geist." Ein Sprung zur Türe, ein Ruck am Balken und er stand draußen. . . . Wie ein Raubtier, das auf Beute lauert, sich aufrichtet, wenn das Opfer naht, mit einem Sprunge fein Ziel erreicht, es niederreißt und seine Krallen vernichtend in das edle Leben schlägt, so hatte sich der Mann aufgerichtet, sich auf Gedaljah gestürzt, ihn halb nicdergerissen und ihm das Messer zolltief in die edle Brust gestoßen. „Fluch Dir, Mörder . . . Zippora," rang es sich röchelnd aus Gedaljahs Brust. Ein heißer Blutstrom quoll hervor und erstickte seine Worte. Lautlos brach er zusammen. Der Mond trat in diesem Augenblicke zwischen die rabenschwarzen Wolken und beleuchtete die Schauerstätte. Ter Mörder stand vor dem Gemordeten und sah in sein bleiches, jugendliches Angesicht. „Dummer, blöder Knabe," murmelte er zwischen den Zähnen. „Ich wußte, daß Du in die Falle gehen würdest, obwohl Du mir länger zu schaffen gegeben, als ich gedacht. Mit Dir wäre ich fertig, jetzt zu den andern. Er trat vor das Haus, nahm das Horn eines Widders, das an seiner Seite hing und stieß dreimal darein. Wild und gellend wie der Schrei einer gemordeten Seele verbreiteten sich die langgezogenen Töne durch die Nacht. Unter den Bäumen des Olivenhaines wurde es lebendig, und von allen Seiten strömten dunkle Gestalten herbei. Jsmael gab seine Befehle und bald zerstreuten sie sich wieder, wie sie gekommen. Der Befehl, den der Fürst gegeben, war, die Bewohners Mizpas zu überfallen und sie alle, Männer, Weiber und Kinder auf die große Ebene vor die Stadt zu bringen, wo er sich auch bald einfinden wollte. Durch den Schall des Hornes waren auch die Knechte und Syrer erwacht, sie eilten zum Schutz herbei, wurden aber bald und leicht überwältigt, nur einen ließ er am Leben, der ihm den Weg zu der Behausung der Königstochter zeigen sollte. Er ging mit noch zwei Männern nach dem Tale, während sich die andern in die Stadt begaben. In das Palmenhaus war auch der Schall des Hornes gedrungen und hatte die Einwohner geweckt. Ein freudiges Leben hatte Zippora erfaßt, sie dachte, ihr Gatte sei mit den gesammelten Kriegern heimgekehrt und künde so seinen freudigen Einzug an, es war ja der Schall des Hornes, der kriegerische Klang ihres Volkes, den sie vernommen. Daß es ein solch furchtbarer Feind ausgestoßen, konnte sie nicht ahnen, denn aus zärtlicher Sorgfalt hatte ihr Jochanan verschwiegen, daß Jsmael noch lebe, in solcher Nähe lebe. Sie sprang vom Lager, warf ein Gewand über ihre Schultern und wollte eben hinauseilen, als Schritte ertönten und eine dunkle Gestalt ins Gemach trat. „Jochanan bist Du's?" fragte sie. „Jochanan ist es nicht, aber ein anderer, der Dich auch nahe angeht," erwiderte eine Stimme, deren bekannter Klang ihr das Blut in den Adern erstarren machte und ihr Sprache und Bewegung raubte, denn der Fuß, zum Entgegenstürzen bereit, blieb

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