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Das jüdische Blatt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Das jüdische Klatt Nr. 10 c angewurzelt stehen, und der Laut, der aus der Kehle drang, blieb auf den erbleichenden Lippen. „Freust Du Dich so sehr des Bräutigams, Braut, daß Dir die Wonne die Zunge lähmt, oder ist es Entsetzen, das Dich erfaßt hat," fragte der Fürchterliche, auf sie zutretend und ihr die Hand auf die Schulter legend. Diese Berührung brachte sie zu sich. Mit einer wilden Geberde seinen Arm von sich schüttelnd, rief sie mit allen Zeichen des Entsetzens: „Weich von mir, Entsetzlicher, und kriech in die Nacht zurück, die Dich geboren hat." „Nicht ein Schatten bin ich und nicht aus des Grabes Tiefe gestiegen, Tochter Zidikjas, Jsmael lebt noch. Kraft dehnt seine Muskeln, und Lebensmark wohnt in seinen Gebeinen. Am Hofe des Königs von Amon Hab ich gelebt und den Zeitpunkt abgewartet, der meine Pläne reifen sollte; denn Kundschafter hielt ich mir und unterrichtet war ich von allen Vorgängen Mizpas. Sie sind vollführt, die Wünsche meines Herzens; droben vor seinem Hause liegt der Statthalter in seinem Blute, mein Eisen in seiner Brust, seine Knechte sind gemordet, die Bewohner Mizpas führen meine Männer als Gefangene mit sich und Du wirst mir . . ." Er sprach nicht aus, ein doppelter Schrei unterbrach ihn, aber einer davon so herzzerreißend und markerschütternd, daß selbst durch das Herz des verruchten Mannes ein leiser Schauder ging. „Dinah, unglückseliges Mädchen," rief die Fürstin, in eine Ecke stürzend, wo eine dunkle Gestalt zusammengekauert saß. „Ah!, die ist auch hier," sagte Jsmael, „und die Tochter Adners nimmt gewiß Anteil an dem toten Knaben, denn so schreit der Mensch, wenn er im Innersten getroffen wird. Wie sie das alles so schön geordnet hatten, fuhr er höhnisch fort. Ueber die Zurückgebliebenen herrscht Gedaljah, ein blöder Knabe, den die List eines Kindes überrumpeln kann, und die Tochter eines Königs, die Verlobte eines Prinzen, wird die Gattin eines gemeinen, niedrigen Kriegers." „Komm, folge mir," rief er, sie wütend in die Höhe reißend. „Ich konnte nicht erscheinen, als Du ihm angetraut wurdest, doch jetzt bin ich da, und weder Himmel noch Hölle retten Dich mehr aus meinen Händen." Sie riß sich von ihm los, und die Hände abwehrend und mit schaudernder Geberde sich gegen ihn erhebend, sagte sie: „Elender, wie darfst Du wagen, mit Deinen blutigen Händen ein reines Weib zu berühren, das Weib eines andern! Dein Atem ist Gift. Martervollen Tod zieh ich Deiner Nähe vor, und Sterben ist Seligkeit gegen den Gedanken, in Dein verruchtes Antlitz zu schauen." „Wüte, Weib, wüte. Je mehr der Haß aus Deinem Herzen steigt, desto mehr wühlt sich die Glut in mein Inneres; es ist wie Oel aufs Feuer gegossen. Hasse mich, aber mein bist Du, mir gehörst Du, meine Magd, meine Sklavin, ich bin Dein Herr." Mit einem wilden Schrei unterbrach er sich und griff in der Dunkelheit um sich. Dinah hatte, halb wahnsinnig vor Schmerz, Entsetzen und ohnmächtiger Wut, eine Zeitlang auf dem Boden gekauert, als Jsmael Zippora ergreifen wollte, und die Fürstin mit einem Schrei zurückwich, umklammerte sie kniend sein Bein und schlug so hastig ihre Zähne in das Fleisch, als ob sie ihn mit dem Bisse hätte töten wollen. „Schlange," schrie der Fürst, ergriff sie bei den langen Haaren und hob sie in die Höhe, ein Messer funkelte in der Dunkelheit, „-das war Dein letztes Gift." „Erbarmen, töte sie nicht," rief Zippora, ihm in den Arm fallend und die Hand mit verzweifeltem Drucke festhaltend. „Kannst Du auch bitten, stolzes Weib?" Ich glaubte Tod und Jsmael sei ein Begriff für Dich. Ruse doch Jochanan, Deinen Herzgeliebten, Deinen Gatten zu Hilfe, Dich von dem Scheusal zu befreien. Fern ist er, ich weiß es, und meine Hand kann Euch zerschmettern." „Kennt denn Dein Herz keine menschliche Regung?" „Gegen meine Widersacher nicht, und Haß vergelt' ich mll tausendfachem Haß; .darum bitte, stolzes Weib, knie nieder vor dem Gehaßten, Verabscheuten, leg Dein Haupt auf seine Kniee und erkenne ihn als Deinen Herrn und Geliebten, oder bei Gott, dem Lebendigen, sie hat längst gelebt." Und sie sank vor ihm nieder und wie bewußtlos neigte sich ihr Haupt; ihre Kraft, ihr Wille war gebrochen, mit voller Macht überkam sie das Bewußtsein, daß sie in seiner Gewalt und kein Retter in der Nähe. Jsmael ließ Dinah los und neigte sich über das knieende Weib, er faßte sie in seine Arme und trug sie so leicht wie ein Kind aus dem Hause, den Weg nach dem Versammlungsorte einschlagend. Im ersten Augenblicke wollte Dinah nachstürzen und sich an dem Kleid der unglücklichen Gebieterin anklammern, aber sie blieb auf halbem Wege wie festgewurzelt stehen. Es war besser für ihre Herrin, wenn sie nicht bei ihr war, sie war nur ein Drohmittel in der Hand des Fürchterlichen. Und dann . . . vielleicht kam der Bruder . . heute, morgen, so konnte sie ihm wenigstens die Wege weisen, die der Räuber eingeschlagen und endlich, der letzte, der schmerzlichste Gedanke: Auf blutigem Plane lag der Mann ermordet, dem sie sich freiwillig, freudigen Herzens anverlobte. Sollte der allein in dem verödeten Orte Zurückbleiben, eine Speise für Raubvögel? Nein, sie hatte mit liebender Seele auf ihn die Treue und Hingebung ihres Herzens übertragen, und die wollte sie ihm treulich bewahren, sie wollte bei ihm wachen und seinen toten Leib hüten, bis der Bruder zurückkam und feine Gebeine in geweihte Erde senken würde. (Fortsetzung folgt.) -. Colmarer IMIö~bel-:E3:siias _■ Max Wal lenstem, Colmar _ Kopfliausstrasse 29.___ ^7 Komplette Wohnungs-Einrichtungen TL? und einzelne Möbel. TL? Eigene Schreiner- und Tapeziererwerkstiitte. TL? DE" den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich, insbesondere nicht hinstchtlich des rituellen Charakters der empfohlenen Maren. Megilleth in allen Preislagen. Auswahl zu Diensten. KaiillBiaiiiiiU'«.,Bdiliaii(l!üii«' Frankfurt a. M., Schillerstr. 19 Gesucht ein aufgeweckter Junge, Sohn achtbarer Eltern, als Lehrling in mein an Schabbos und Iamtof streng geschlossenes Kurzwaren- Engrosgeschäft. Achilles I.evy [ Straßblirg i. L.» Tiergartenstr. 17. i ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦mm Junger, streng religiöser Lehrer wünscht tMslchmstkllk Offerten unter R M 437 an die Expedition des Blattes. MWWAW^VWvWvWVVV\\\\\VVVVVVVVV Alumin - Reinigungsfrage! -ws Berühmtes Leonhardts „Innenputz (Kesselsteinverhüter) u. Leonhardts Radikal und „Blankputz“ beim Alumingeschirreinkauf verlangen. Anderes (scharfe Pulver, Seifen, Draht bürsten)zurückweisen. Ausschneiden! / VWvWVWWWVW

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