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Das jüdische Blatt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10. Da» Mische Statt 7 wird man doch auch dafür Sorge zu tragen haben, daß dort Synagoge, Religionsunterricht, Schechita und Koscherfleisch zu finden ist, kurz, daß eine jüdische Gemeinschaft entsteht, die sich auf dem Grund der jüdischen Religion aufbaut. Die Religion ist ein wesentlicher Teil unserer Hygiene. Rumänien. Die „Vereinigung der eingeborenen Juden" gibt sich alle Mühe, die liberalen Regierungsparteien für die Lösung der Judenfrage zu gewinnen. Die Liberalen, die bei den Wahlen eine selbst in Rumänien noch nie dagewesene erdrückende Majorität von 70 Liberalen gegen 22 Konservative erlangt haben, gehen mit der Absicht um, eine Revision der Verfassung herbeizusühren. Bei dieser Gelegenheit möchte die „Vereinigung der eingeborenen Juden" auch den unseligen § 7, der die Naturalisation der Juden verhindert, einer Revision unterzogen wissen. Sie läßt der Regierung eine Denkschrift überreichen, beruft öffentliche Versammlungen in Bukarest und in der Provinz ein, bereitet eine Massenpetition vor, die dem Parlament übergeben werden soll. Leider versprechen alle diese Bemühungen wenig Erfolg. Denn bereits hat die Regierung der Presse eine offiziöse Meldung zugehen lassen, die besagt: Bei ihrem Reformwerke wird die liberale Partei an den 8 7 der Verfassung nicht rühren. Die liberale Partei wird dieses Bollwerk unserer nationalen Interessen nicht niederreißen. Der § 7 hat keinen besseren und tatkräftigeren Verteidiger als die liberale Partei. Das heißt also: Nach wie vor wird ein Jude nur durch Parlamentsbeschluß naturalisiert werden können. Von einer Zuerkennung von Bürgerrechten an Juden, auch nur an diejenigen, die sich freiwillig zum Kriege gegen Bulgarien gestellt hatten, ist nicht zu denken. Die Lage der Juden erscheint daher auch unter der liberalen Regierung aussichtslos. Kein Wunder daher, daß sich unter der jüdischen Bevölkerung von Jassy und anderen Städten der Moldau eine Massenauswanderung aus Rumänien vorbereit. Die Sanierung Palästinas. Die Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina mit dem Sitze in Berlin versendet soeben ihren ersten Jahresbericht pro 1913. Die Gesellschaft macht sich die planmäßige Bekämpfung der in Palästina endemischen Seuchen, insbesondere der Malaria und des Trachoms, zur Aufgabe. Die Notwendigkeit der Schaffung einer speziell jüdischen Aerzteorganisation und besonderer jüdischer medizinischer Institute ergibt sich aus dem erhöhten Interesse, das gerade die Juden der Besiedelung dieses Landes entgegenbringen, sowie aus der Tatsache, daß der bedeutendste Malariaherd Palästinas, die Stadt Jerusalem, zu zwei Dritteln von Juden bewohnt ist, und daß die landwirtschaftlichen Kolonien des Landes — mit wenigen Ausnahmen — jüdisch sind, so daß die Sanierung dieser Kolonien eine den jüdischen Gesellschaften vorbehaltene Aufgabe darstellt. Anfang 1913 wurde die jüdische Aerztegesellschaft gegründet und schon nach zwei Monaten konnte sie mit der praktischen Arbeit beginnen. Es wurden in Jerusalem zwei Institute ins Leben gerufen, die mit den von anderer Seite begründeten wissenschaftlichen Anstalten Zusammenarbeiten. Scho^vorher war man von anderer jüdischer Seite an die oben geschilderten Aufgaben herangetreten. Der bekannte jüdische Philanthrop Nathan Straus in New-Po'rk begründete im Frühjahr 1912 ein Gesundheitsamt zur Bekämpfung der endemischen Krankheiten, insbesondere der Malaria. Das Gesundheitsamt nahm im August seine Tätigkeit mit der Bekämpfung der Malaria in der stark verseuchten jüdischen Kolonie Chedera und mit der Feststellung der Ursachen und der Verbreitung der Malaria in Jerusalem auf, um 1913 mit der Bekämpfung der Malaria in Jerusalem, mit serologischen und bakteriologischen Arbeiten und mit der Bekämpfung des Trachoms zu beginnen. Zurzeit sind in dem unter Leitung des Herrn Dr. Brünn stehenden Health Bureau drei Aerzte beschäftigt. Ungefähr um dieselbe Zeit wurde in Berlin auch eine „Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem" zu dem Zwecke begründet, „die Malaria und die anderen Infektionskrankheiten, von welchen Jerusalem heimgesucht wird, zu bekämpfen und eine Assanierung Jerusalems herbeizuführen. Zur Erreichung dieses Zieles werden insbesondere die in Jerusalem begründeten hygienischen Untersuchungsstellen für Malariaforschung und -bekämpfung unterhalten und sonstige zweckmäßige Maßnahmen getroffen". Um eine Zusammenarbeit der drei gleichartigen Organisationen zu ermöglichen, wurde nach längeren Verhandlungen ein vertragsmäßiges Uebereinkommen getroffen, dessen wichtigste Punkte folgende sind: Das Deutsche Komitee zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem, das Jewish Health Office und die Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschafter usw. begründen ein internationales Gesundheitsamt in Jerusalem. Dieses wird durch ein Kuratorium, das aus je einem Delegierten (bzw. dessen Stellvertreter) der beteiligten Gesellschaften besteht, verwaltet. Jede der kontrahierenden Gesellschaften ist in organisatorischer, propagandistischer und finanzieller Beziehung selbständig. Es wurden folgende Abteilungen geschaffen: 1. Abteilung für Malaria, Leiter Prof. Mühlens. Unterhalten vom Dtsch. Kom. z. Bekämpfung der Malaria. 2. Hygienische Abt., Leiter Dr. Brünn. Unterhalten vom Jewish Health Office. 3. Serologische und Wutschutz-Abt., Leiter Dr. Beham. Unterhalten von der Gesellschaft jüdischer Aerzte usw. 4. Bakteriologische Abt., Leiter Dr. Goldberg. Unterhalten vom Jewish Health Office. Die Malariaabteilung begründete außerdem eine arabische Fürsorgestelle in der inneren Stadt, das Jewish Health Office eine Station zur Bekämpfung der Augenkrankheiten (Leiter Dr. Feigenbaum). Herr Dr. Beham konnte vom April bis Ende November vorigen Jahres 125 Tollwutimpfungen vornehmen (etwa K der Fälle Araber, etwa % Juden). Er hielt auch vor der Bevölkerung Jerusalems und Jaffas in hebräischer Sprache aufklärende Vorträge über diese Krankheit und ließ ein von ihm verfaßtes hebräisches Schriftchen zur Aufklärung über die Hundswut in Palästina verbreiten. Er hielt auch populäre hebräische Vorträge in Chedera über die Malaria und das Schwarzwasserfieber. In der jüdischen medizinischen Gesellschaft sprach er über Dysenterie, über die Vereinfachung der Wassermannschen Reaktion und über einen von ihm festgestellten Fall von Rhinosklerose. In der serologischen Abteilung konnte Herr Dr. Beham zahlreiche Untersuchungen auf Typhus, Paratyphus, Maltafieber und Syphilis anstellen. Während bisher eine Sicherung der Typhusdiagnose nicht möglich war, ja Zuweilen das Vorkommen des Typhus in Palästina überhaupt geleugnet wurde, gelang es Dr. Beham mehrfach, den Nachweis der vorhandenen Typhusinfektion zu erbringen, ja sogar kleinere Epidemien nachzuweisen. Der Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschafter usw. gehören bis jetzt 650 Mitglieder in Deutschland, Oesterreich- Ungarn, Rußland, Frankreich, England, Italien, Holland, Belgien, Schweiz, Skandinavien, Griechenland, Türkei und Amerika

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