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Das jüdische Blatt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10. Das jüdische Klatt 5 Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation. (A.J.K.O.) Im Januar und Februar fanden in acht größeren deutschen Städten Versammlungen statt, die der A.J.K.O. gewidmet waren. Die Einladungen ergingen von den namhaftesten Persönlichkeiten der Gemeinden. Den Vorsitz führten: in Wiesbaden R.-A. Marxheime r, in D a r m st a d t der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Otto Wolfs, in Stuttgart Kirchenrat Dr. Krön er, in Karlsruhe Rabb. Dr. Appel, in Straß - b u r g Dir. Dr. G r o m b a ch e r, in Posen Justizrat M. Placzek, in Köln Justizrat Dr. M. C a l l m a n n. Die Versammlungen trugen, je nach den Wünschen der einladenden Komitees, in manchen Städten einen geschlossenen, in anderen einen öffentlichen Charakter. Wo sie größeren Kreisen zugänglich gemacht wurden, waren die Säle zumeist überfüllt, so in Stuttgart, Posen, Köln, in den übrigen Städten wohnten die angesehensten Gemeindemitglieder den Veranstaltungen bei. Die Referate wurden zumeist von Herrn Ernst Löwenber g-Berlin und Dr. Alfred N o s s i g - Berlin erstattet; in Posen trat auch Herr Alois A. F. Marcus- Berlin als Referent auf. Ueberall erweckte das gemeinnützige Werk der A.J.K.O. Sympathien, was sich darin äußerte, daß im Laufe von wenigen Wochen gegen 1000 neue Mitglieder mit namhafteren Jahresbeiträgen der Organisation sich anschlossen und zahlreiche Aktien ihres Agrarkredit-Institutes „The Orient Colonising Company, L t d." gezeichnet wurden. In allen genannten Städten. haben sich Ortskomitees der A.J.K.O. gebildet, denen die Spitzen der Gemeinden angehören. Die in den vorangehenden Monaten gegründeten Ortskomitees entfalten eine außerordentlich rührige Werbetätigkeit, ganz besonder in Cassel, Mannheim, Gießen, München, Würzburg, Bamberg. Im Laufe der letzten Wochen hat die A. I. K. O. auch eine Frauen-Abteilung ins Leben gerufen, die zur Entwicklung der Organisation wesentlich beiträgt. Gelegentlich der k o n st i - t u i e r enden Versammlung der Berliner Ortsgruppe der F.A., welche am 24. Januar 1914 unter dem Vorsitz von Frau Komm.-Rat Margarethe Simon stattfand, traten der Abteilung Frau Geh.-Rat Becker, Frau Rudolf Masse, Frau Gch.-Rat Rathenau, Frau Dr. Isidor Ginsberg, Frau Georg Lachmann, Frau Geh.-Rat Friedländer, Frau Oskar Tietz, Frau Dir. Minden, Frau Komm.-Rat Wagner und zahlreiche andere Damen bei, welche beträchtlichere Mitgliedsbeiträge und Spenden für die Fonds der A.J.K.O. zeichneten. Größere Damen-Komitees, die eine intensive Tätigkeit entwickeln, haben sich überdies in Posen und Köln gebildet, in anderen Städten sind sie im Entstehen begriffen. Vereinigung der jüdischen Hoteliers und Restaurateure. Zu einer Zeit, in der alle Erwerbsgruppen das Bestreben zeigen, sich zur Hebung ihres Standes und zu kräftigerer Vertretung ihrer Interessen zusammenzuschliehen, hat eine Vereinigung der Gastwirte, des Gewerbes, das gerade für das gesetzestreue Judentum von besonderer, vitaler Bedeutung ist, bisher gefehlt. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat sich am 18. Februar d. I. in Hoffmanns Hotel in Hannover eine „Vereinigung der jüdischen Hoteliers und Restaurateure" gebildet. Nachdem zahlreiche Zustimmungsschreiben aus allen Teilen Deutschlands verlesen worden waren, wurde ein von Herrn Hotelier Joseph Goldschmitt-Travemünde ausgearbeiteter Satzungsentwurf einstimmig angenommen. Die Vorstandschaft besteht aus den Herren Goldschmitt-Travemünde, 1. Vorsitzender; Wittgenstein-Hannover, 2. Vorsitzender; Jeidel-Kissmgen, Schriftführer; Wolf-Dortmund, Kassenführer; Strauß-Bad Brückenau, Beisitzer; zu Rechnungsprüfern wurden' die Herren Isenburg-Marburg und Levy-Bremen gewählt. Nunmehr wurde in Besprechung über das Steuerprojekt des Vereins zur Förderung ritueller Speisehäuser eingetreten. Die Anwesenden waren einig in der Verurteilung dieser Maßnahme, die für die Wirte viel Aerger und Zeitversäumnisse bedeute und nach allgemeiner Ansicht zahlreiche Gäste, die heute essen, vertreiben würde. Es wurde beschlossen, an den Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser die Forderung zu stellen, daß zwei Wirte im Vereinsvorstand Sitz und Stimme erhalten, daß die 5-Pf.-Steuer gänzlich beseitigt wird, daß energisch dagegen protestiert werde, daß die Wirte als dem Verein unterstehend bezeichnet werden, während sie nur den Rabbinern unterstehen, welche sich mit ihren Namen für die rituelle Führung ihrer Betriebe verbürgen. Es wird die Veröffentlichung der Namen aller derjenigen Restaurateure im Vereinsregister verlangt, welche unter Aufsicht von anerkannt orthodoxen Rabbinern stehen, gleichviel ob dieselben Vereinsbeitrag zahlen oder nicht. Schließlich wird verlangt, daß jedem, der ein Verzeichnis der rituellen Speisehäuser wünscht, ein solches vom Verein gratis ausgehündigt wird. Für den Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser wurden gewählt: die Herren Goldschmitt-Travemünde und Braunschweig-Homburg, und falls dieser, der nicht in der Versammlung anwesend war, ablehnen sollte, Herr Hotelier Levy-Bremen. Die Versammlung beschloß, daß wenn der Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser die an ihn zu stellenden Forderungen ablehnt, die vereinigten Wirte die Streichung ihrer Namen aus dem Vereinsverzeichnis beantragen werden und die Vereinigung die Herausgabe eines eigenen Registers unternehmen wird. Für die rituelle Führung der Betriebe würde der beigedruckte Namen, 'der für die Zuverlässigkeit des betreffenden Hauses sich verbürgenden Herren Rabbiners, Gewähr leisten. Die Ausgaben für Vorbereitung der Gründungsversammlung werden nachträglich genehmigt, ebenso die Ausgaben für das erste Geschäftsjahr, da deren Feststellung vorerst nicht möglich ist. Weiter wurde beschlossen, daß auch unsererseits ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet wird, mehr als bisher für einen fachmännisch ausgebildeten Nachwuchs zuverlässiger Wirte zu sorgen, die auf der Höhe ihres Berufes stehen. Als Tagungsort für die nächste Versammlung wurde Frankfurt a. M. bestimmt. Endlich wurde beschlossen, in eine rege Propaganda zur Erwerbung von Mitgiledern im In- und Auslande einzutreten. Nachdem dem Einberufer der Versammlung der Dank aller Kollegen für seine Mühewaltung zur Hebung der Standesinteressen ausgesprochen war, wurde die Versammlung um. 8 Uhr abends geschlossen. Zur Aufnahme haben sich bisher ca. 55 Mitglieder, Besitzer größerer Etablissements, gemeldet. Protest deutscher Studenten gegen den „Hammerbund". Wer unfreiwilligen Humor genießen will, der muß die Schriften des Hammerbundes lesen, wo oben am Kopf ein Mann mit teutschem Vollbart nervig den Hammer schwingt, oder jenes schöne Pamphlet, den „Semi-Gotha", wo höchst schauderbar bewiesen wird, daß außer dem lieben Gott und dem Obersten z. D. Hellwig alles in Deutschland verjudet ist. Diese Auszüge eines minderen Geistes sind ja weiter nicht ernst zu nehmen, und man lacht; jedoch wird die Kampfesweise dieser Helden mit dem Hammer ein wenig aktuell, wofern sie ihre Geschwülste an die deutsche Studentenschaft verschicken. Da werden große Formate dem

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