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Das jüdische Blatt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das Mische Klatt Nr. 10. tonte 1a grandeur de vos biens exterieurs et interieurs et des jouissances qu’ils vous donnent, vous ne vous voilez pas la face de honte, devant le spectacle* de telles grandeurs — et si, vous ne vons clevez pas de tontes. vos forces, avec toutes les etincelles vitales qui sont en vous, pour arriver ä la connaissance de cette grandeur, ayant conscience de votre infimite et de votre petitesse — alors, allez, 6 morteis, et pleurez sur vous, pleurez sur la d6ch6ance et la degradation que le temps a apportees en vous! car vous serez descendus bien bas de l’öchelon si eleve oü Dieu vous avait places'’ dans l’ordre de la cröationü Fernand Weyl. Wrief vom Lande. XCI. Wollen Sie Entree zahlen? - Gut, dann sollen Sie mich gebührend bewundern dürfen. Ich bin nämlich unter die Gelehrten gegangen. Nichts leichter als das, sagen Sie? Bitte schweigen Sie. Sie meinen, heutzutage, wo jeder selbst am besten weiß, was er zu tun hat; mag sein, aber jetzt bitte ich Sie allen Ernstes, mich nicht mit Ihren ewigen geistreichen Zwischenfragen zu unterbrechen. Sie stören mich, hören Sie lieber ruhig zu. Also, das kam so: Wir bekamen und bekommen in jüngster Zeit so viel Aufforderungen, Vereinen und Bestrebungen beizutreten, daß uns ganz angst und bange wurde. Das heißt, so einfältig sind wir nicht, daß wir uns einbilden, man reflektiert ganz besonders auf unsere Mitarbeit oder gar auf unsere Einsicht, i wo, man will unser Geld. Aber schließlich wäre auch das nicht von Pappe. Na also, da wir nicht aus, nicht ein konnten, sagte ich so obenhin: „Eigentlich müßten wir doch wissen, ob der oder der Verein, die oder die Bestrebung mit den Anforderungen unserer Religion im Einklang stehen; ich mache den Vorschlag, wir machen eine SchaalohH bei unserm Rabbiner"-. fyatk ich wirklich eine Bombe geworfen? Beinahe glaubte ich es; denn die Aufregung hätten Sie sehen sollen. Da war ein junger Mann mit 1A Millimeter Schnurrbart, berechtigt zum Einjährgi-Freiwilligen. Natürlich hat dieser junge Mann viel mehr Seichel?) wie wir alten, ungebildeten Leute und noch natürlicher führt er das große Wort. Also der fuhr los: „Ich begreife Sie wirklich nicht, sehr geehrter Herr Rofch Hakohol, was Sie da eigentlich sagen. Verzeihen Sie, Ihnen scheint jede Fühlung mit der Jugend verloren gegangen zu sein. Nehmen Sie es mir nicht übel, aber Sie find etwas sehr altfränkisch und können scheinbar nicht erfassen, welche Ansprüche unsere moderne Bildung an das selbständige Denken und Handeln der Jugend macht. (Hab ich auch nicht, bin ich nicht ein Rachmonus?) Sagen Sie mir um alles in der Welt willen, was geht denn das den Rabbiner an? Wir sind doch keine kleinen Kinder." Na, zuerst war ich, wie sich das von selbst versteht, total niedergeschmettert, dann aber so allmählich suchte ich mir ein bißchen Courage aus allen Ecken und Enden zusammen und Hub polternd zu reden an: „Sehen Sie, sehr geehrter Herr, Sie imponieren mir unendlich. Ich bewundere Ihr tiefes Wissen, aber nichtsdestoweniger wollen Sie mir es bitte nicht verargen, wenn ich in der Einfalt meines Alters anzunehmen wage, daß Ihnen da ein kleiner Irrtum unterlaufen ist. Sie meinen, das geht den Rabbiner nichts an? Ja,- sehen Sie mal, mein sehr geehrter Herr, hätten Sie mich nur ausreden lasten. Es wundert mich ja gar nicht, daß Sie zu denen gehören, welche den Rabbiner in die Synagoge, auf den Friedhof, auf den Trausaal und auf die Küche beschränken wollen. Sie sind ja so modern. Nicht wahr, ins Comptoir würden Sie i) Anfrage über die religiöse Zulässigkeit. H Verstand. ihn schon nicht hineinlassen? Denn was geht das ihn an? Nun gibt es allerdings meines Wissens auch für das Geschäft religiöse Vorschriften, für Skonto und Diskonto, also sehen Sie, so ungereimt wäre die Geschichte gar nicht. Und ich einfältiges Mannsbild meine schon, man müßte sich auch bei den sogenannten öffentlichen Dingen fragen, ob da nicht religiöse Erwägungen mit hineinspielen. Und wenn ich so etwas selber nicht weiß, dann frage ich einen, von dem ich annehme, daß er es weiß. Verstehen Sie wohl? Das paßt Euch jungen Herrn nicht in den Kram? Kann mirs denken. Ihr haltet ja die ganze Religion für einen Gegenstand Eurer Politik oder für Wissenschaft. Und da macht Ihr Euch eine jüdische Politik ohne Religion, und eine jüdische Wissenschaft ohne Religion, aber die Hauptsache ist, daß Ihr einmal bei dem Grabe eine schöne Rede hört. Und ich sage, ich bin ein Geizkragen; keinen Pfennig für eine Sache, von der ich nicht weiß, ob sie nicht der Religion schadet, und ich wiederhole meinen Antrag, daß wir unsere Rabbiner fragen sollen." Aber da erhob sich einer unserer reisenden Mitglieder und sagte, daß draußen, selbst in der orthodoxen Welt, auch die Gescheiten ihre Sache selber machen. Da wurde ich aber fuchswild und sagte: Ist gar nicht möglich, übrigens können wir auch darüber unseren Rabbiner fragen. — Darob abermals allgemeines Schweigen, sogar seitens Ihres wohlgeneigten Rosch Hakohol. Aus alter Wett. Deutschland. Schächlgegner an der Arbeit. Von zwei verschiedenen Punkten Preußens werden Unternehmungen gemeldet, die Angriffe gegen das Schächten zum Ziele haben. In Lennep in der Rheinprovinz hat ein Schlachthofdirektor zwecks Filmaufnahme Schlichtungen durch einen christlichen Metzgergesellen vornehmen lassen. Zweifellos sollen die Filmaufnahmen einer ins Werk zu setzenden Agitation gegen das Schächten dienen, und doch ist ein derartiges Schächten durch einen des Schlichtens unkundigen Metzgergesellen mit einem nicht vorschriftsmäßigen Messer nur eine Verzerrung des religiösen Charakters. In Oppeln hat der Regierungspräsident eine Verfügung erlassen betreffs Einschränkung. Für das Schächten sollen bestimmte Zeiten und Räume innerhalb der gewöhnlichen Schlachtungszeit festgesetzt und höhere Gebühren von den Schlachthofdirektionen gefordert werden. Und der Regierungspräsident hat bereits einen Erfolg seiner Verfügung zu verzeichnen. In Beuchen haben sich mehrere Bürgermeister oberschlesischer Städte zu einer Besprechung über die Ausführung der Verordnung zusammengefunden und sich den Auffassungen des Regierungspräsidenten über das Schächten günstig gegenübergestellt. Die Bürgermeister der größten Städte, wo die meisten Juden wohnen, sind allerdings der Besprechung fern geblieben, und ohne die großen können die kleinen Städte nicht viel anfangen. Aber bedauerlich ist immerhin der ungehörige Angriff eines Regierungspräsidenten gegen die Gewissensfreiheit freier Religionsausübung jüdischer Bürger. Der Regierungspräsident muß doch wissen, daß für den orthodoxen Juden das Schächten einer unumgänglichen Vorschrift seiner Religion entspricht. Oder will der Regierungspräsident die Juden zwingen, ihre Speisegesetze zu übertreten?

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