Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 10 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Das jüdische Klatt. Nr. 10 der Antizionisten ziemlich leichten Herzens sich dazu entschlossen hat, eine absolute Scheidung zwischen Juden und Juden zu vollziehen. Dies geschah von einer Seite, die gerade dem religiösen Ernste gegenüber einen bittereren Vorwurf nicht erheben zu können glaubt als den einer Zerstörung der „Einheit des Judentums?" Wir aber erheben den Anspruch, alles und alles (auch die materiellen Fragen) lediglich und ausschließlich vom Standpunkte der Religion aus zu beurteilen, und da ergibt sich folgendes Sachbild: Wir nehmen zur Ehre der Freunde der Revision einmal an, daß sie die Tatsache der Zerreißung der Judenheit in zwei nach religiösen Gesichtspunkten getrennte Lager anerkennen. Sie verzichten auf eine Erwägung über die Gleichberechtigung der „Richtungen". Dieses rein „theoretische" Gebiet ist ihnen einerlei, wenn ihnen nur eine „Trennungsmöglichkeit" gewährt wird, so daß ihnen in der Betätigung des religiösen Lebens Schwierigkeiten nicht erstehen. Sie kennen infolgedessen das heiß umstrittene Gebiet der Gewissensbedenken nur für sich und glauben ein Genüge getan zu haben, wenn sie nur erreichen, daß dieses Gebiet der Gewissensbedenken nicht auch den anderen eröffnet wird. Damit haben sie dann ihr Gewissen beruhigt. Uns erscheint es allerdings unerfindlich, wie dieses Recht auf Gewissensbedenken auf den Bereich der Orthodoxie beschränkt bleiben soll? Hier gibt es doch nur ein Entweder — Oder. Entweder man sagt, die neologe Judenheit hat eine religiöse Anschauung, welche im Rahmen des Judentums möglich ist, dann hat man kein Recht, ihr Einrichtungen aufzuzwängen, welche ihren Anschauungen nach nicht zum Judentum gehören, kein Recht, ihnen die Möglichkeit der Gewissensbedenken abzuschwächen, oder aber man hält die Anschauung der neologen Judenheit für eine außerhalb des Judentums stehende, dann aber muß man etwas ganz anderes anstreben, als die Trennungsmöglichkeit. Und für diese letztere Anschauung gäbe es einen Weg (wir bemerken hierbei böswilligen Behauptungen gegenüber, daß wir uns nie als Anwalt der neologen Judenheit aufgespielt haben, wenn es uns auch unbegreiflich erscheint, daß diese es immer noch nicht erfaßt hat, um was es sich eigentlich handelt und welche Hoffnungen sich an die Revision knüpfen). Und dieser Weg wäre sehr einfach. Eine Oberbehörde als solche ist nur dann religiös unstatthaft, wenn sie religiös falsche Prinzipien vertritt; sonst wäre ja der bisherige Kompetenzbereich des Rabbiners religiös unmöglich. Man bekämpft doch die Einrichtung einer Zentralinstanz nicht um ihrer selbst willen, sondern nur wegen des unsittlichen Elementes, das dann gegeben wäre, wenn eine Zentralinstanz konfessionell gemischte Teile eines Volkes in ihrem religiösen Leben beeinflussen wollte. Steht man aber auf dem Standpunkte, daß der Staat zwischen Bekennern des Judentums strikter und freierer Observanz unterscheiden, diese Unterscheidung auch zum Ausdruck bringen solle, gut, dann wähle man doch ein Ideal, das man einst in unserem Nachbarlande Hessen und zwar von orthodoxer Seite aus anstrebte. Es bleibe jedem Juden, jeder Gemeinde überlassen, ob sie sich zur „strikten", ob zur „freien" Observanz bekennen wolle. Die also Geschiedenen aber verbinde man dann zu je einer Einheit, gebe jeder dieser beiden Einheiten eine Organisation und überlasse es diesen Organisationen, ob sie unter sich Beziehungen suchen oder meiden wollen. Dieser Weg wäre so einfach und so wahr, daß es sich erübrigt, weitere Begründung hier anzuführen, auszumalen, wie einzelne Schwierigkeiten behoben werden könnten. Wir sind an und für sich der Ueberzeugung, daß, wenn man ernstlich an jene oben geschilderte innere Scheidung glaubt, die äußere mit Naturnotwendigkeit folgt, auch wenn man jetzt noch glaubt, das eine zu tun und das andere lassen zu können. Man darf als ernster Jude nur die rüge 6u noindre nicht haben. Gewiß, wir fühlen und wissen cs, es ist eine schwere, verantwortungsvolle, bittere Frage, aber gerade die Verdunkelung dieser Situation war es ja, die wir stets in dem Revisionsbegehren bekämpften. Diese Frage muß aber aktuell werden, sobald man aus dem Bereich volksgewinnender Worte in die des stillen, intensiven Nachdenkens tritt. So mögen denn orthodoxe und neologe Kreise, losgelöst von parteiischer Gunst und von parteiischem Haß, losgelöst auch von der Rücksicht auf die Zahl der Anhänger und von der Furcht vor terroristischen Angriffen und Verdächtigungen diesen Vorschlag überlegen. Möge vor allelr Dingen die Generalversammlung des orthodoxen Vereins vom 8. März in der Diskussion dieser Erwägung gerecht werden. Ad II. Freilich müßte man dann auch mit aller nur wünschenswerten Klarheit darauf verzichten, das Geld der „anderen" Bekenner für sich in Anspruch zu nehmen. Wir möchten nicht nochmals ausführlich von dem Widerspruch sprechen, der darin liegt, wenn man aus der einen Seite den Austritt propagiert, auf der anderen Seite das Geld doch für ein genügend festes Bindemittel hält. Auch davon wollen wir nicht sprechen, daß es steuertechnisch eine Unmöglichkeit ist, den Geldgebern jeden Einfluß auf die Verteilung des Geldes zu verwehren, auch davon nicht, daß es für die mittleren Gemeinden geradezu eine finanzielle Unmöglichkeit ist, auch noch eine Zentralkasse zu dotieren; man sehe sich doch einmal einen Etat einer solchen Mittelgemeinde an. (Auch hier möchten wir es bloß als Unbegreiflichkeit bezeichnen, daß sich die Mittelgemeinden bisher noch zu keiner Stellungnahme aufraffen konnten.) Wir wissen ja auch, daß ernste revisionsfreundliche orthodoxe Kreise die Landessynagogensteuer absolut verwerfen und den Gedanken von isolierten Distriktskassen erwägen. Würde aber der in I ventilierte Gedanke einer doppelten Zentralinstanz mit reinlicher Scheidung durchgeführt, dann könnten die zwei Organisationen an eine gemeinsame Finanzgebahrung mit autonomer Verwaltung denken. Dann wäre wirklich eine Verbindung zwischen ideellem und materiellem Interesse gegeben. Zum Schlüsse noch eine kurze Bemerkung: Wir sind fest davon überzeugt, daß demagogisch entfesselte Verständnislosigkeit auch diese Ausführungen nicht würdigen wird. Sei's drum. Wir hegen aber immer noch das Vertrauen, daß wirkliche Orthodoxie sich auf sich selbst besinnen wird. Und das ist des Schweißes der Edlen wert. Quelle est la mission de l’homme sur terre? Fernand Weyl, Paris (suite). II. Servir Dieu librement et sei eminent., en suivant ses voies, c’est-ä-dire en pratiquant — Zeilera elohira — l’amour et la justice envers tont et envers tous, c’est lä ce qui fait ta superiorite sur tout le reste de la creation. Toutes les forces se tiennent autour du tröne de Dieu, pretes ä le servir, ne connaissant ni leur etat, ni la raison de leur mission et noanmoins eiles se sentent, pour ainsi dire, ailees pour remplir leur mission et donner cours ä leur activite. Toi, liomme, connaissant ä moitie ton 6tat, te sachant cröature de Dieu, pouvant te consacrer comme son serviteur, pouvant pressentir le but de ta mission, tu te verrais entoure de tous ces serviteurs de Dieu, tu aurais conscience de ta force pour Paction et tu ne te jetterais pas au milieu de ce tourbillon de serviteurs, au cri de: „Naas6-venishma! Jje j veux agir — je veux obeir et