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Das jüdische Blatt · 1914-03-06 · 10 (6.3.1914) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
10 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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fafi Bretcb und Ausland: Letlungspretslllte. Kayern: Leilungsnummer S4S. Geschäftsstelle: - M. DuMont Tchauberg, Slratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler. Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Tlratzburg durch die Elsäsfische Aktiengesellschaft vorm. A. Amniel. In Basel durch I. Nordmann, Socinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123.. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühre«). »et Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Stteifband 2.50 Fr. da» Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jabr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. I« Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. I» England 2 Schilling. Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede pottanttalt entgegen. V. Zabrgang. Ltratzburg, 6. /Därz 1914, s. Adar 5674. Dr. 10 Inhalt. Leitartikel: .... und Purim nüchtern? — Zur Frage der Revision in Bayern. — Quelle est la mission de l’homme sur terre? — Brief vom Lande. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel- Ecke. — Vermischtes. — Sprechsaal. — Statistisches aus Elsaß- Lothringen. — Gedaljah. — Inserate. Zu ....und Durim nüchtern? Kennt Ähr das alte jüdische Sprichwort? Gehört hat's jeder von uns. Wie eine alte abgegriffene Münze wandert es von einem zum andern, von keinem auf seinen Gedankenwert geprüft. Ein jeder überläßt es dem anderen, bei diesem Worte etwas zu denken. Von unfern Lippen fällt uns selbst unbewußt die Weisheit vergangener Geschlechter. Bes morts qui parlent. Das ganze Jahr trunken und am Purim nüchtern? Kommet, ich will euch lehren den Weg der Freude. Wo Ihr sie nicht findet, sollt Ähr zuerst hören. Nicht im Wirtshause, nicht im vollen Glase, in dem das Bier schäumt, nicht im feingeschliffenen Kelche, in dem funkelt und blitzt der Saft der Rebe. Die teuerste Marke ist nicht kostbar genug, zu billig der feinste Champagner. Der Preis der Freude steht höher im Wert. Deine Sinne magst du kitzeln, deine Augen mögen funkeln, magst trunken werden — doch nicht von Freude. Das Einzige, was du dort finden kannst, ist Vergessen des Alltäglichen, ewig Gleichen, wovor dir grauet, ist Vorgeschmack des Todes. Und auch die zweite Gelegenheit, die dir Freuden verheißt, vermag ihr Versprechen nicht zu halten. Dich täuschet der Wille zum Leben. Gaukelt dir prächtige Bilder vor, Lock- und Zaubermittel der Ällusion. Sieh, dem Genius der Gattung ist dein Glück gleichgültig. Neues Leben ist sein Ziel. Und daß du ihm gefügig, darum verheißt er dir „die Wonne der Menschenkinder". Hat er aber sein Ziel erreicht, dann läßt er die Binde von deinen Augen fallen, und du fragst dich verwundert nnd enttäuscht, warum du Sklave der Leidenschaft wurdest. Doch auch zum Himmel allein.darf dein Blick nicht gerichtet sein, wenn du die Freude suchst. Keinen Wechsel aufs Jenseits stellt dir das Judentum aus. Daß du den Himmel auf Erden schon dir schaffest, ist Wille und Verheißung der Thora. Nicht trunken das ganze Jahr und nüchtern am Purim. So findest du im Jahr und am Purim die Freude nicht. Laß Purim mit seiner Lehre und seinem Lachen in deinen irdischen Genüssen sein, dann durchleuchtet den Ernst deines Lebens sonnige Heiterkeit. Denn Purim enthält die Gegensätze, die einander bedingen. So wie Licht nicht ohne Schatten, nicht Güte ohne Schlechtigkeit, so das Gefühl der rauschenden Lust des wiedergeschenkten Lebens, das uns Purim geben will, nicht ohne opferwillige Hingabe des Lebens an der Güter höchstes, an das Erbe unseres Volkes, wie es uns von Taanith-Esther gepredigt wird. So viele auch heute das Eine ohne das Andere suchen, so viele über die „Toren" lachen, die Emst und Lust nicht trennen mögen, ein Blick ins Leben lehrt uns leicht, auf welcher Seite das Recht ist. Hören wir nur einen Schriftsteller unserer neuzeitlichen Epoche, wenn er der Wahrheit die Ehre gibt: „Man kann darüber streiten, ob unsere Zeit eine arge ist, wie sie oft genannt wird, aber darüber, daß sie ein grämliches, greisenhaftes Gesicht hat, werden sich alle Stimmen leicht vereinigen. Nicht bloß unser Wochentag ist grau, unser Sabbattag ist es noch viel mehr, und wenn wir den Schweiß überhaupt noch abtrocknen und die Feierkleider anziehen, so geschieht es weniger, um einmal aufzujubeln, wie ehemals, als uns auszuruhen oder wohl gar nur, weil der Kalender und frühere Brauch es vorschreiben." Wann das wieder anders werden wird? Wenn das alte Sprichwort in unserem Leben wieder Verständnis findet, wenn die alte Lehre, die Last und Lust so trefflich zu einen verstand, wieder unsere Taten und Gedanken als unbeschränkte Herrin regeln wird, wenn wir nicht Purimfreude suchen, bevor wir Taanith- Esther gefastet haben. Zur Arage der Hleviston in Mayer». Da in jüngster Zeit die Oeffentlichkeit sich wieder mehr mit dieser Frage befaßt, dürfte es vielleicht angebracht sein, auch folgende Erörterungen der Diskussion anheimzugeben. Dieselben tragen der Tatsache Rechnung, daß in dem Revisionsbegehren zwei Momente sich verbunden haben, ein ideelles, welches eine sogenannte Trennungsmöglichkeit (NB. nicht den Austritt) erstrebt, ein materielles, welches sich das Schlagwort Zentralkasse geprägt hat. Ad I. Man wird vielleicht das Folgende leichter begreifen, wenn man bedenkt, daß gerade in jüngster Zeit die Erklärung

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