Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 9 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 9. Das Mische Matt 9 arbeitet, und mit Ungeduld warten die jugendlichen Mitglieder auf die Freitag Abende und Samstag Nachmittage. Am letzten Freitag referierte der Realschüler Georges L e v y über die Juden im Mittelalter. Das Thema war gut ausgearbeitet und zeugte von großer Belesenheit und sicherem Verständnis. Es ist eine Freude, mit anzusehen, wie aufmerksam die Zuhörer sind, wenn ein derartiges Thema von einem jugendlichen Mitglied behandelt wird. So ist es auch an den Sabbatnachmittagen. Wie schon erwähnt, versammelt sich alle diese Tage Hagenauer und auswärtige Gymnasiasten, höhere Töchter und Elementarschüler und halten Vorträge, Deklamationen und Diskussionen, welche mit Gewandheit und Chic dargeboten werden. Schreiber dieses wollte sich am letzten Sonntag persönlich davon überzeugen und gewann den Eindruck, daß in diesen Versammlungen das Selbstbelehren eine wichtige Rolle spielt. Beinahe 80 junge Schüler und Schülerinnen waren es, welche mit gespannter Aufmerksammkeit einem Vortrag über Berthold Auerbach zuhörten, an den sich einige jüdische Gedichte und besonders die Vorlesung des Wochenabschnittes anschloß. Es herrschte dabei eine Ruhe und eine Disziplin, welche der jugendlichen Schar zur Ehre gereicht. M. \v. Ingweiler. Auch Herr Aron Braun, Sohn von Max Braun, hier, hat für seine Dienste in der Garde Mobile im letzten Kriege die Erinnerungsmedaille erhalten, mit der die jährliche Auszahlung von 150 Jl aus Reichsmitteln verbunden ist. Jllersweiler. In voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit feiert Herr Joseph Frank hier am nächsten Sabbat seinen neunzigsten Geburtstag. Mülhausen. Es haben sich am hiesigen Platze eine Anzahl junger Leute vereinigt zwecks Organisierung eines „Hebräischen Sprachkursus". Herr Rabbiner Camille Bloch- Dörnach hatte die Güte, die Leitung dieses Schiurs zu übernehmen, und hoffen wir, daß es ihm gelingen wird, unserer wissensdurstigen Jugend eine richtige Kenntnis unserer heiligen Sprache beizubringen. Der am Dienstag, den 24. d. M. beginnende Unterricht wird allwöchentlich um 8X> Uhr in der „E c o I e d e T r a - v a i 1" stattfinden. Junge Leute (nicht unter 14 Jahren), die an diesem Kursus teilzunehmen wünschen, möchten sich an Herrn Andre Meyer, Altkircherstraße 41, wenden, der ihnen bereitwilligst jede Auskunft erteilen wird. Mülhausen. Dienstag abend sprach im Hotel Central Herr Dr. Elias von hier über den Sprachenkampf in Palästina zwischen dem Hilfsverein der deutschen Juden und den Zionisten, und Herr Referendar Dr. Weil aus Molsheim über Zionismus im allgemeinen. Herr Dr. Elias entwarf ein klares Bild des jetzigen Zustandes und der ganzen Entwickelung der letzten Jahre, die schließlich zum jetzigen Konflikt geführt hat. Mülhausen. Ein gewaltiger Trauerzug folgte der irdischen Hülle von Herrn Alfred Schwöb letzten Donnerstag. Herr Schwöb kam abends vom Minjan des Trauerhauses seines Schwagers heim, denn seine Frau war gerade in den Trauertagen von ihrem Bruder, da brach er in seinem Geschäfte zusammen und hauchte im selben Moment seine Seele aus. Das Mitgefühl mit der schwergeprüften Gattin und Familie war ein allgemeines, zumal Herr Schwöb ein allgemein geehrtes Mitglied unserer Gemeinde war. Mülhausen. Eine edle Seele, eine edle, junge Gattin und Mutter verlor Mülhausen in der erst 32 Jahre zählenden Frau Moise Samuel, die urplötzlich aus dem Leben abgerufen wurde. Mit der Liebe zu ihrem Gatten und zu ihren vier Kindern verband sie eine Lebenslust und eine tiefe Frömmigkeit, die sie aus ihrem Vaterhause, dem Hause des Herrn Jonas Rein von hier, mitgebracht hatte, so daß zu einem glücklichen Leben ihr nichts zu fehlen schien. Sie durfte ihre glücklichen Jahre nicht ausleben und ihre heute noch jungen und kleinen Kinder nicht großziehen. Doch ein guter Trost ist dem jungen Gatten in seiner Trauer geblieben, nämlich daß die Kinder einer solchen Mutter gewiß tüchtige Menschen und gute Juden werden. In dem großen Trauerzug folgten auch eine Anzahl Rabbiner, die das edle und fromme Leben dieser jungen Frau zu schätzen wußten. Außer dem offiziellen Rabbiner, Herrn Blum, folgten der Bahre Herr Rabbiner Dr. Cohn-Basel, die beiden Herrn Rabbiner Schüler- St. Ludwig, Rabbiner Bloch-Dornach. Eine Leichenrede wurde nicht gehalten. Es war der ausdrückliche Wunsch des Gatten. Neuweiler. Letzten Montag wurde hier Frau Kahn, die nach kurzer Krankheit gestorben ist, bestattet. Dieselbe hatte durch ihre religiöse Gesinnung sowie durch ihre hohe Mildtätigkeit sich die allgemeine Achtung erworben. Schlellsladt. Herr und Frau Emil R u e f f haben unserer Gemeinde eine jchöne Schulchandecke geschenkt, die nächsten Sabbat ihrer Bestimmung übergeben werden soll. Bayern. Nürnberg. Für letzten war von der Vorstandschaft der Adaß Israel eine Mitglieder-Versammlung einberufen worden. Etwa 50 Herren fanden sich ein und nahmen mit Befriedigung den Bericht der Vorstände entgegen. Ohne auf Zahlen näher einzugehen, sei konstatiert, daß das abgelaufene Jahr einen kleinen Ueberschuß brachte, daß die Religionsschule sich eines sehr starken Besuches erfreute und daß die dem Verein zur Verfügung stehenden Räume (Synagoge, Lernsaal, Schulzimmerfast nicht mehr ausreichen. Die Verhandlungen mit der Hauptgemeinde lassen weiteren Erfolg erwarten. Auch die Besprechungen der Administration mit den Ausländer-Minjonim sind für die Adaß kein Anlaß zu Befürchtungen. Ein Antrag auf Abmietung einiger heute benützter Wohnräume an den Chevras Bachurim brachte eine längere zum Teil erregte Debatte und endigte mit Genehmigung des Antrags. Das neue Vereinsjahr wird neben den dadurch notwendig werdenden baulichen Veränderungen auch einen Garderobe-Anbau zur Synagoge bringen. Um einem Defizit vorzubeugen, wurden die Mitglieder- Beiträge um 15 % erhöht. Die Versammlung genehmigte die Erhöhung - - einstimmig! Nürnberg. Am 8. März hält der Verein für Förderung der Interessen des gesetzestreuen Judentums feine Mitgliederversammlung dahier ab. Das sind Interna, die uns nicht interessieren. Wir bedauern nur, daß wiederum den Gegnern des Revisionsbegehrens Gelegenheit zur Aussprache nicht gegeben wird. Dies wäre um so mehr am Platze, als jetzt in der Generalversammlung der Adas-Israel von einem Mitgliede klar zum Ausdruck gebracht wurde, daß die führenden Kreise der Adas ohne Fühlung mit ihren Mitgliedern sich für eine Anzahl Programmpunkte festgelegt hätten und keineswegs den Intentionen der Mitglieder Rechnung trügen. Nun wir hoffen, daß diejenigen orthodoxen Kreise, welche logisch die Verbindung der Trias-Austritt-Proportionalwahl-Zentralkasse nicht so recht zu erfassen vermögen, Gelegenheit zur cheremlosen Aussprache haben werden. Nürnberg. Hier gibt's in der Tat ein jüdisches Leben! Man möchte sagen, es schillert in allen Farben. Auf die liberalen Ergüsse der Frau E. Dormitzer folgen die glänzenden Darlegungen Prof. Steins gegen den Monismus und auf diese die Protestoersammlung der Zionisten. Und alle haben Zuhörer, locken ein interessiertes Publikum auf den Plan. Nur schade, daß nicht überall reine Wahrheiten in die Massen geworfen werden —; und wer wagt noch eine Diskussion, die doch nie den überzeugen würde, der nicht überzeugt sein will. Wenigstens halten alle diese Veranstaltungen das Interesse wach an den jüdischen Tages-