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Das jüdische Blatt · 1914-02-27 · 9 (27.2.1914) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
9 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das Mische Klatt. Nr. 9. Juden aus der Türkei nach Spanien herbeizuführen. An sich steht der Niederlassung von Juden in Spanien nichts im Wege. In Sevilla hat sich in aller Form eine jüdische Religionsgemeinde gebildet, die aus eingewanderten Marokkanern besteht. Im spanischen Marokko hat sich eine Liga hispano-hebraico gebildet, die jetzt ihre Tätigkeit auch auf das Mutterland übertragen will. Der Privatdozent A. S. Jahuda in Berlin hat von der spanischen Regierung einen Ruf zur Abhaltung eines akademischen Lehrkursus über spanisch-jüdische Geschichte erhalten und ist von der König!. Akademie der Wissenschaften zum korrespondierenden Mitgliede gewählt worden. Daraus läßt sich die Stimmung der hochstehenden intellektuellen Kreise erkennen. Das Volk aber wird in Spanien noch ganz von der Geistlichkeit bevormundet, diese hat viele Industrien und Geschäfte in ihrer Hand und würde daher das Auftreten von Juden als Konkurrenten sehr ungern sehen. Wie leicht sich daraus Reibungen, Aufwiegelungen, ja Verfolgungen ergeben können, ist leicht zu ermessen. Es ist deshalb auch von jüdischer Seite bis jetzt noch kein Versuch zu jüdischer Einwanderung nach Spanien gemacht worden. Und kluge Politiker müssen auch für die nahe Zukunft vor einem solche Schritte warnen. Wie sehr die Meinungen noch gespalten sind, sieht man aus dem Verhalten der Presse. Die antisemitische ergeht sich in Anrempelungen niedrigster Sorte, die liberale gibt als Losungswort aus: Los vom Mittelalter. Der republikanische „Pais" schreibt denn auch: „Die spanischen Juden des Orients werden ihren Wunsch nicht erfüllt sehen, so lange dieses Land mit Torquemados Rasse verseucht bleibt, so lange es Damenkomitees gibt, die ein mächtiges Geschrei erheben, weil eine evangelische Kirche das Kreuz aufzupflanzen wagte, so lange die Kirche nicht Verbündete sondern Herrin des Staates ist." Uebrigens eignet sich ein Land, aus dem die Landeskinder infolge bitterster Not zur Auswanderung gezwungen sind, kaum zur Organisation einer größeren Einwanderung. Amerika. Boston (Maß.). Die Anwesenheit der Agudas-Jisroel-Delegation in unserer Stadt war für die Gesetzestreuen ein Ereignis, das lange in Erinnerung bleiben und dessen Wirkung m. G. H. für die Dauer nachhalten wird. Wohl kaum je zuvor ist das religiöse Moment im Vostoner jüdischen Leben so intensiv zur Geltung gekommen und hat in solchem Maße alle interessierten Kreise erfaßt, wie am verflossenen rOfly, da wir die Herren Rabbiner Walkin und Dr. M. Hildesheimer bei uns begrüßen durften. Die Vorbereitungen zu ihrem würdigen Empfang wurden sorgfältig getroffen. Eine Deputation, bestehend aus Rabbiner A. E. Kaplan, M. Magid, Wolf Bürger und H. Gudowsky, fuhr ihnen bis Whister Mass. entgegen, und bei ihrer Ankunft im Südbahnhof wurden sie von einer großen Menge, an ihrer Spitze die Rabbiner und Vorsteher der Gemeinden, lebhaft begrüßt und in das Hotel geleitet. Nicht weniger als fünfmal hatten die Delegierten während der zwei Tage Gelegenheit, zum Bostoner Publikum zu sprechen, und zwar Freitag abends im ETnjsn p^ hnjn* Samstag morgen in der Synagoge STD, mittags in der Synagoge rYD, Sonntag mittags in der Vorstadt Chelsea und abends in der pp^f- Synagoge. Ueberall wurden sie von den betreffenden Gemeinde-Rabbinern eingeführt und fanden ihre Reden den gewünschten Erfolg. Die hiesige Ortsgruppe gewann dadurch viele begeisterte Mitglieder und ist in die Lage versetzt worden, die weitere Propaganda auf breiterer Grundlage zu entfalten. Zunächst werden drei neue Vereinigungen auf Grund des Aguda-Programms geschaffen werden, eine Jugendgruppe, eine Mädchengruppe und eine Frauengruppe, denen in ihrem Wirkungskreise große Aufgaben zur Regenerierung des wahren Judentums erwachsen. ii Korrespondenzen. ii elia - Glfaß-Äotltrrnarrr. -- Slraßburg. Wie bereits in den größeren Tagesblättern bekannt gegeben wurde, veanstaltet die z i o n i st i s ch e Vereinigung für Deutschland auch hier eine Versammlung, in welcher das Programm des Zionismus zur öffentlichen Diskussion gestellt wird. Als Redner sind vorgesehen Herr Myrtill Bloch: Das Programm des Zionismus; und Herr Dr. Elias-Mülhausen: Der Zionismus und seine Gegner. Die Versammlung findet am Dienstag den 3. März statt; das Lokal wird noch durch die Tagespresse bekannt gegeben. Straßburg. Die Zöglinge des Jsr. Mädchenwaisenhauses zu Straßburg, Julianstraße 23, veranstalten am Donnerstag, den 12. März, nachmittags 3 Uhr, eine Purimfeier mit einem abwechslungsreichen Programm, wozu alle Freunde und Gönner der Anstalt sreundlichst eingeladen sind. Straßburg. Letzten Sonntag tagte hier eine Delegiertenversammlung aus verschiedenen Gemeinden zwecks Beratung über Wanderarmen-Fürsorge und eventuellen Anschluß an Berlin. Es hatten Delegierte geschickt die Gemeinden Hagenau, Schlettstadt, Colmar, Belfort und Nancy. Straßburg. Herr Dr. Heinrich Cohn aus Basel hat das Oberlehrer-Examen mit gutem Erfolg bestanden. Colmar. Herr Oberrabbiner Weil feierte gestern sein 50jähriges Amtsjubiläum. In der Synagoge hatten sich neben den Gemeindeangehörigen Kreisdirektor Cronau, Regierungsrat Heitz, die Mitglieder des Konsistoriums und des Vorstandes der israelitischen Gemeinde, sowie die Rabbiner von Mülhausen, Thann und Gebweiler versammelt. Namens der Regierung richtete Regierungsrat Heitz herzliche Worte des Lobes an den Jubilar. Im Auftrag des Konsistoriums sprach dessen Präsident Manheimer, der in langen Ausführungen die fruchtbare Tätigkeit des Herrn Weil feierte, dabei aber vergaß — es muß dies erwähnt werden —, ihm die Glückwünsche des Konsistoriums zu überbringen, dann im Namen des Vorstandes der Gemeinde dessen Vorsitzender Wurmser und für die Rabbiner Blum-Mülhausen. Tiefgerührt sprach Herr Oberrabbiner Weil seinen herzlichen Dank für die dargebrachten Glückwünsche aus. Abends fand zu Ehren des Jubilars, der über 40 Jahre allein in Colmartätig ist, ein Bankett im Restaurant Bloch statt. Colmar. Wie wir hören, sollen unter der jetzigen Majorität des Konsistoriums bei Gelegenheit der Jubiläumsfeier Unstimmigkeiten entstanden sein, die sich auch in der Folge geltend machen können. Herr Manheimer, Präsident des Konsistoriums, soll während der Jubiläumsfeier das anwesende Konsistorium vollständig ignoriert haben und vergessen haben, dessen Glückwünsche zu überbringen. Allgemeine Beachtung fand auch, daß die Mülhauser Mitglieder, Herr Armand Bernheim und Herr Jacques Meyer den Festlichkeiten ferngeblieben sind. Diemeringen. Herr Jules Bloch, professeur de musique und Dirigent des Synagogenchors in Nancy, von hier gebürtig, wurde durch Verleihung der Palmes academiques ausgezeichnet. Hagenau. Unser Jungendbund darf stolz sein aus sein Gedeihen; er zählt jetzt 153 Mitglieder. Es wird aber auch mit Eifer ge- T

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