Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 8 (20.2.1914)
- Date
- 1914-02-20
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Das jüdische Klatt. Nr. 8. 8 entwendet. (Nach anderen Berichten 36 000 Franks.) Die Diebe haben mit Nachschlüsseln die Türen in der Nacht geöffnet und bei ihrem Weggang wieder geschlossen. Aus der Kasse haben sie die 32 Bündel entnommen, von denen jeder 1000 Frs. enthielt. Als der Synagogendiener den Saal am frühen Morgen betrat, beobachtete er nicht die geringste Veränderung, nur konstatierte er in der Kasse das Fehlen des Geldes. Es ist aber tatsächlich eine Unklugheit, so große Summen unter einfachem Verschlüsse in einem völlig unbewohnten Hause zu verwahren. Von den Dieben fehlt jede Spur. Für die hungrigen Kinder in Jerusalem von dem Herrn Sekretär Maurice Greilsammer in Neubreisach 5 Mark. Amerika. Das Gesetz gegen die Einwanderung. Die Stimmung gegen die unbeschränkte Einwanderung ist eine so tiefe, daß die Burnettsche Einwanderungsoorlage mit 240 gegen 125 Stimmen angenommen w u r d e. Scheinbar richtet sich dies Gesetz hauptsächlich gegen die Asiaten, in Wahrheit will es den Strom aller fremden Einwanderer eindämmen, auch der Juden. Zwar wurde den jüdischen Wünschen Rechnung getragen und in der Vorlage die Bestimmung ausgenommen,, daß es, um nicht als Analphabeten zu gelten, genügt, wenn der Einwanderer -irgend eine Sprache, auch Hebräisch und Jiddisch, lesen kann. Aber man braucht nur die Statistiken der Jüdischen Gesellschaft zum Schutze der Einwanderer in New-Pork zu überschauen, um sich zu überzeugen, daß eine verhältnismäßig große Anzahl jüdischer Männer und Frauen über 16 Jahre weder hebräisch noch jiddisch lesen können. Dies sind natürlich die Aermsten unter den Armen, da die infolge ihres trostlosen Elends in Rußland nicht einmal in der Lage waren, ein Cheder zu besuchen. Und diese werden in Zukunft unbarmherzig zurückgewiesen. Der Nachweis des Lesenkönnens ist natürlich gar kein Beweis für die Brauchbarkeit eines Einwanderers, und die Gegner dieses Gesetzentwurfs haben auch geltend gemacht, daß viele tüchtige Männer und Frauen gerade aus solchen sich entwickelt haben, die bei der Einwanderung weder lesen noch schreiben konnten. Die ganze Bill gegen die Einwanderung beruht eben auf der energischen Agitation der amerikanischen Arbeiterverbände, die sich die Konkurrenz neuer einwandernder Arbeiter vom Halse halten wollen, und diese Agitation zielt natürlich in erster Linie auch gegen die jüdischen Einwanderer. Daß der neue Arbeitsminister eine neue Maßregel erfunden hat, um die Einwanderung hintanzuhalten, haben wir bereits berichtet; er will nämlich die Einwanderer einer körperlichen Untersuchung unterziehen, wie bei der Musterung der Rekruten, und diejenigen, die nicht für die Aufnahme in die amerikanische Armee geeignet wären, sollen kurzerhand abgewiesen werden. Das wäre nicht nur für die Asiaten, sondern auch für die Juden, die bei der Einwanderung sehr häufig schwächlich und engbrüstig sind, geradezu eine Katastrophe. Da die weitaus größte Mehrzahl der Einwanderer ihr Brot durch ihrer Hände Arbeit erwerben müssen, ist kein Grund einzusehen, warum der Standard der Einwanderung nicht auf diese Höhe gebracht werden soll, schreibt Wils in einer Darstellung an den Kongreß. Dadurch würde nicht nur die asiatische Einwanderung, auch die verhaßte japanische, glatt erledigt, sondern auch die jüdische stark gefährdet. Es ist gar nicht unmöglich, daß das Gesetz binnen wenigen Jahren eine solche Forderung enthält. Wie stark die einwanderungsfeindliche Strömung ist, geht u. a. auch aus einem letzter Tage von der amerikanischen Bergarbeiter-Vereinigung (United Mine Workers) mit großer Mehrheit gefaßten Beschlüsse hervor, der das Verbot aller Einwanderung verlangt, „bis alle Arbeiter in den Vereinigten Staaten Beschäftigung haben". §1 Korrespondenzen. ii SIS - GLlaß-Lottrrinaen. -- M Straßburg. Dienstag Abend sprach im jüd. Literarischen Frauenverein H. Landesrabbiner Dr. Mannheimer aus Oldenburg über das Thema: „Der Anteil der Juden an der Kultur der Menschheit". Der Redner, der dem zahlreich erschienenen Publikum aus dem letzten Jahr noch in bester Erinnerung war, begann seinen Vortrag mit einem seiner wunderschönen Bilder. Ein Greis führt seinen jungen Sohn in den Garten der Kultur, der sein schönes Schloß umgibt. In der Mitte dieses Gartens stehen drei herrliche Marmorstatuen, die den Staat, die Kunst und die Wissenschaft darstellen. Um jede dieser drei Figuren sind ihre Kinder, die verschiedenen Zweige der drei Kulturelemente, gruppiert. Auf der einen Seite lagern: Politik, Industrie, Handel und Gewerbe; auf der andern Seite: Medizin, Astronomie und Philosophie; um die dritte Statue, die Kunst: Plastik und Malerei und Musik und Poesie. Diese Gruppe hat der Greis errichtet. Der Schöpfer dieses Werkes, das alte Judentum, führt das junge Geschlecht in diesen Garten, den Kulturgarten der Menschheit, um ihm zu zeigen, welche Werke die Juden auf allen Gebieten menschlichen Sinnens und Schaffens hervorgebracht haben, welche ewigen Werte die Juden aller Zeit der großen Kultur der Menschheit gegeben haben, und mit welchem berechtigten Stolze die junge Generation auf die Leistungen der Väter blicken darf. In einstündigen, hochinteressanten Ausführungen schilderte der Redner die Leistungen von Juden, von denen er nur die bekanntesten nannte auf dem Gebiete der Wissenschaft die schon in ältester Zeit bei den Juden eifrige Pflege fand — was er mit treffendem Beispiel belegte. Weiter sprach der Redner über Leistungen der Juden in Politik, in gewerblichem Leben und auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet. Und schließlich sprach Herr Dr. Mannheimer von den Schöpfungen der großen Reihe jüdischer Künstler. Trotz aller judenfeindlichen Leugnungsversuche ist der hervorragendste Anteil, den die Juden an der Erschaffung und Förderung unserer modernen Kultur haben, historisch zu beweisen, und darum soll jeder Vater seinen Sohn in den Kulturgarten führen, in dem er so viele jüdische Spuren antrifft, damit er sich verteidigen kann, im Falle eines Angriffes, und fein Selbstbewußtsein dadurch gehoben wird. Reicher Beifall wurde Herrn Dr. Mannheimer zuteil. Er hatte durch seinen gehaltvollen formvollendeten Vortrag die aufmerksamen Zuhörer begeistert. Zum Schlüsse sprach noch die Präsidentin des Vereins, Frau Laura Schneider, die Hoffnung aus, Herrn Dr. Mannheimer recht bald wieder in Strahburg begrüßen zu können. ci. R. Slratzburg. Am Sonntag, den 15. Februar, feierte der Verein „Tröster der Trauernden" sein 75jähriges Jubiläum durch ein Bankett im Restaurant Blum. Zirka 80 Mitglieder nahmen an demselben teil. Vertreten waren die Israelitische Gemeindeverwaltung durch Herrn Sylvain Krämer, die Vereine Maskil el Dal durch Herrn Oberkantor Heymann, „La. Fraternelle" durch ebendenselben, „Eintracht" durch Herrn Emil Neu, „La Mntiielle" durch Herrn Moise Metzger. Nach einer längeren Begrüßungsansprache des Präsidenten, Herrn Felix Bloch, brachten die Delegationen ihre Glückwünsche dar. Eine vom Vereinsrabbiner Dr. Marx gehaltene Festrede wurde mit großem