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Das jüdische Blatt · 1914-02-20 · 8 (20.2.1914) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
8 (20.2.1914)
Date
1914-02-20
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8. Das jüdische Klatt 7 Kasorin und deren Fortsetzung bis Teheran und gründete in Persien eine Versicherungs- und Transportgesellschaft. Seine hervorragenden Verdienste auf dem Gebiete des Handels und der Industrie wurden von der russischen Regierung anerkannt durch Verleihung des Geheimratstitels und des Stanlslausordens 1. Klasse. Vor wenigen Jahren wurde er Konsul Persiens und kurz vor seinem Tode Generalkonsul des türkischen Reiches. Trotz dieser seiner emsigen Tätigkeit auf allen Gebieten des Handels fand er dennoch Zeit, sich auch philanthropischen Werken hinzugeben, besonders zugunsten von Juden. Es gibt wohl keine jüdische Institution in Moskau, die nicht reichlich von ihm bedacht worden wäre. Besonderes Interesse hat er der jüdischen Gemeinde Dubrowna bewiesen, wo er geboren war, und derjenigen von Orscha, wo er den größten Teil seiner Jugend verbracht hat. Seiner Initiative und Mitarbeit ist die Gründung einer Textilfabrik in Dubrowna zuzuschreiben, in Orscha gründete er eine Reihe von Wohltätigkeits- und Erziehungsanstalten. Seine Wohltätigkeit beschränkte sich aber nicht auf seine Stammesgenossen, jeder Hilfsbedürftige fand bei ihm Gehör, besonders viele arme Künstler verdanken ihm ihre Existenz. Er galt als ein Vertreter der jüdischen Interessen und hat diese auch oft in den Regierungskreisen verteidigt. Wo es galt, Gefahren abzuwehren, die die Juden in Rußland bedrohten, und an derartigen Gelegenheiten fehlt es leider nicht, war er bereit, seinen Einfluß zugunsten seiner Glaubensbrüder zu verwenden. Rmnänien. Ansiedlung rumänischer Juden in Texas. Herr Hermann L o e b, ein reicher Jude in Philadelphia, hat eine Aktion eingeleitet, um rumänische Juden als Ackerbauer in Texas anzusiedeln. Wie Herr Loeb in der Bukarester Tageszeitung „Dimin'eatza" mitteilt, habe er Tausende Anfragen von auswanderungslustigen rumänischen Juden erhalten, die in die neue Siedlung ausgenommen zu werden wünschen. Die christliche Bevölkerung in Texas bringe dem Plane große Sympathien entgegen. So haben verschiedene Handelskammern Herrn Loeb Erleichterungen aller Art für die neuen Ansiedler angeboten. Die Eisenbahn- und Baugesellschaften, die Maschinenfabriken usw. wollen den Einwanderern ebenfalls allerlei Vergünstigungen gewähren. Herr Loeb ist bemüht, in Texas eine Kolonisationsgesellschaft mit ansehnlichem Kapital zu gründen, die die Durchführung des Planes in die Hand nehmen soll. Er hat bereits zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten Amerikas für die Aktion gewonnen und ist überzeugt, daß sie schon in nächster Zeit, sobald die genannte Kolonisationsgesellschaft konstituiert ist, verwirklicht werden kann. Nerr-Griechenland. Die Lage der Juden in Saloniki. Die griechischen Staatsbeamten und Behörden befleißigen sich, bei jeder Gelegenheit der jüdischen Bevölkerung Komplimente zu machen. Alle diese Schmeicheleien können aber die Kenner der Verhältnisse nicht darüber hinwegtäuschen, daß die griechische Bevölkerung den Juden durchaus feindlich gesinnt ist. Zeitungsangriffe gegen die Juden find fast alltäglich geworden und die griechische Konkurrenz im Handel macht sich immer mehr fühlbar. Daran kann auch die neueste Erklärung des griechischen Handelsministers und Gouverneurs von Mazedonien, Refoirlis, nichts ändern. Dieser sagte: Saloniki ist eine Stadtvoll Bewegung und regen Lebens. Unter der klugen und weitsichtigen Leitung der jetzigen Regierung wird Saloniki ein blühendes und bedeutendes, vielleicht das wichtigste Handelszentrum des Orients werden. Da nun die Juden hier das in wirtschaftlicher Beziehung am besten organisierte Element bilden, werden sie auch mehr als alle anderen Schichten der Bevölkerung an dem neuen Aufschwung beteiligt sein und zu demselben beitragen. Ihre Zusammenarbeit mit den übrigen Nationalitäten wird allmählich einheitliche Interessen und feste Bande schaffen» durch welche die jüdische Bevölkerung dank ihrer geistigen und moralischen Begabung eine bevorzugte und maßgebende Stellung im öffentlichen Leben schaffen wird. Unter der griechischen Konstitution, die allen Bürgern Gleichberechtigung gewährt, werden sich die Juden bald ihrer Stärke bewußt werden. Die griechische Regierung weiß auch sehr gut, daß es in ihrem Interesse liegt, das jüdische Element zur Mitarbeit heranzuziehen. Hier in Saloniki handelt es sich nicht allein darum, die liberalen Grundsätze der griechischen Regierung anzuwenden, sondern es ist das ureigenste Interesse des Staates, der jüdischen Bevölkerung neue Entwicklungsfreiheit zu gewähren. Nichtsdestoweniger weisen die Juden Salonikis darauf hin, daß sie im allgemeinen eine so übelwollende Behandlung erfahren, wie sie ihnen in der türkischen Zeit niemals zuteil wurde. Jüngst schützten sich die Frauen in der Synagoge gegen das grelle Sonnenlicht durch Verhängen der Fenster mit altem türkischem Fahnentuch. Daraus machte die griechische Gendarnlerie sofort eine politische Affäre, nahm Verhaftungen in der Synagoge vor und die griechischen Zeitungen schreiben von „jüdischem Verrat". Auf offizieller jüdischer Seite läßt man es an Kundgebungen der Treue gegen Griechenland nicht fehlen. Der Oberrabbiner von Saloniki, Jakob Meir, überbrachte neulich an der Spitze einer Deputation dem König Konstantin in Athen die Huldigung der Juden Neugriechenlands. In der Synagoge hielt er beim Sabbatgottesdienst eine Rede, in der er die Hoffnung aussprach, alle Juden möchten gemeinsam für das Wohl des Vaterlandes und des Judentums arbeiten. Am griechischen Neujahrstag erschienen Jakob Meir und die Deputation in der Kathedrale, wo das offizielle Tedeum zelebriert wurde. Nach dem Tedeum zog der König den Oberrabbiner, Jakob Meir, in ein längeres Gespräch, an dessen Schluß er dem Oberrabbiner huldvoll die Hand reichte. Palästina. Beilis in Palästina. Beilis ist in voriger Woche durch Alexandrien gekommen und dort von dem Oberrabbiner empfangen und bis zu seiner Abreise begleitet worden. Bei seiner Ankunft in Jaffa wird er auf Befehl der Alliance von dem Direktor der dortigen Allianceschule empfangen werden. Esist bereits festgestellt worden, daß entgegen allen anderen Nachrichten der Baron Edmond von Rothschild Beilis keinerlei Anerbieten gemacht hat. Beilis hat alle ihm gemachten Offerten, durch Vorstellungen in Kinos Geld zu verdienen, ausgeschlagen. Dieses edle Benehmen des einfachen Mannes gereicht ihm und dem jüdischen Volke zur Ehre. Die „Allianz" in Wien, die für ihn eine Sammlung eröffnet hat, hat bis jetzt 4000 Kr. für ihn gesammelt. Obgleich der Baron Edmond v. Rothschild Beilis keinerlei Geldunterstützung hat zuteil werden lassen, hat er ihn doch wissen lassen, daß, wenn er sich^ entschließen würde, nach Palästina überzusiedeln, er ihm eine Stelle in einer seiner Kolonien anweisen würde. Der Baron Edmond von Rothschild wird selber in diesen Tagen in Palästina erwartet und sein Vertreter, Herr Frank, ist bereits in Palästina eingetroffen. Jedenfalls dürfte unter diesen Verhältnissen Beilis in Zukunft vor bitterer Not bewahrt bleiben. Ein großer Diebstahl. In dem Versammlungslokal der österreichisch-galizischen Gemeinschaft wurden von Dieben 32 000 Franken aus der Kasse

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