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Das jüdische Blatt · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7. Das jüdische Klatt. 7 zu lassen, wenn der betreffende Einwanderer in seiner Heimat religiösen Ausnahmegesetzen unterworfen war. Dieser Vorschlag wurde aber abgelehnt. Wie weit nun diese jüdische Emigrantenfürsorge für die Beschaffung der für die betreffenden russischen Einwanderer nötigen Beweismittel, daß sie Opfer von religiöser Verfolgung sind, wirksam tätig sein kann, wird noch besonderer Prüfung bedürfen. Ein anderer Beweis für die der Einwanderung feindliche Stimmung der amerikanischen Regierungskreise ist die Ernennung des Mr. John Mitschell an Stelle des berüchtigten Kommissars Williams als allmächtiger Herrscher aus der „Träneninsel" Elles- Island. Mitschell ist ein bedeutender Führer der amerikanischen Trade-News, auf deren Betreiben die Beschränkung der Einwanderung oorgenommen wird. Seine Ernennung bedeutet eine Verneigung des Präsidenten Wilson vor der organisierten Arbeiterschaft. Als Führer der Trade-Newbewegung ist Mitschell hartnäckiger Gegner der Einwanderung, und den Einwanderern stehen jetzt schlimme Zeiten bevor. Auch hier bewahrheitet sich: Es kommt selten etwas besseres nach. Korrespondenzen. - Glsatz-Kothrirrgerr. Das Israelitische Krankenhaus in Slraßburg. Unter dem Titel: Das Israelitische Krankenhaus in Straßburg und seine Bedeutung hat der Hausarzt dieser Anstalt, Dr. Henry Bloch, im Auftrag des Verwaltungsrats eine Schrift herausgegeben, die die Entstehung und die Bedeutung des Krankenhauses schildert, die Unabweisbarkeit und Bedeutung der nötig gewordenen baulichen Veränderungen darstellt, um dann schließlich in einem zweiten Teile zu einer Aufzählung und Beschreibung der jetzt vorhandenen Räume überzugehen. Das Büchlein ist mit prächtigen Photographien der wichtigsten Teile des Krankenhauses geschmückt, die dem ganzen einen vornehmen Anstrich geben. Das Krankenhaus ist durch die vorgenommene Veränderung und Erweiterung tatsächlich in den Stand gesetzt, den hohen Ansprüchen zu genügen, die die moderne Wissenschaft an die Einrichtung der Krankenhäuser zu stellen gewöhnt ist. Die feierliche Einweihung wurde im vorigen Frühjahr unter Beteiligung der Regierungs- und der städtischen Behörden und den Vertretern der Arzneikunde vorgenommen. Schon damals wurde das Verdienst gewürdigt, das sich der Verwaltungsrat erworben habe, indem er kein Opfer scheute, um die ihm anvertraute gemeinnützige Anstalt auf die Höhe ihrer Aufgabe zu bringen. Unterdessen hatte sich das Israelitische Krankenhaus einer gesteigerten Benützung zu erfreuen. Die verfügbaren Räume sind oft voll belegt, ein Beweis, daß das kranke israelitische Publikum diese Anstalt gern zu Heilzwecken aufsucht. Es ist nur zu bedauern, daß es dem Verwaltungsrat nicht möglich ist, größere Vergünstigungen für arme Kranke zu gewähren. Man vernimmt aus der Unterhaltung mit Kranken, die sich im Israelitischen Krankenhaus einer ärztlichen Pflege unterzogen haben, oft wohltuende Lobsprüche über die ihnen zuteil gewordene sorgfältige und sachverständige Behandlung. Doch werden auch Klagen laut, die wir auf ihre Berechtigung nicht prüfen können, die wir aber doch nicht unterdrücken dürfen. Es wird behauptet, daß nicht genug Rücksicht genommen wird auf die feierliche Begehung der Sabbate und Festtage, soweit es im Rahmen der Krankenpflege möglich ist. Kranke, die aus religiösen Gründen dem Israelitischen Krankenhaus den Vorzug geben, glauben berechtigt zu fein, hier am Sabbat wenigstens eine ähnliche feierliche Begehung des Tages vorzufinden, wie sie in christlichen Anstalten dem Sonntag zuteil wird. Es wäre in diesem Zusammenhang überhaupt über die Frage der rituellen Verpflegung (Kaschrusst) ein Wort zu sprechen. Dies würde aber zu weit führen. Aber auch bei rein äußerlicher Betrachtung drängt sich dem beobachtenden Besucher ein gewisses Mißverhältnis zwischen der auf den Heilzweck und der auf den religiösen Zweck verwendeten Sorgfalt auf. Es wäre z. B, wünschenswert, wenn eine besondere Fleischküche und eine besondere Milchküche vorhanden wäre. Auch eine besondere Veranstaltung für Sabbatküche scheint zu fehlen. Der an das Krankenhaus angebaute Betraum ist äußerst beschränkt. In einem israelitischen Krankenhaus müßte in der äußeren Einrichtung dem Religionsgesetze größere Beachtung geschenkt werden. Auch der Pflege der Religion müßte eine feinere Sorgfalt zuteil werden können. Gerade der kranke Mensch findet in der -vor seinen Augen entfalteten religiösen Betätigung eine reiche Befriedigung, oft eine tiefe Beruhigung, die die Heilwirkung fördert. Die Entfernung, die ihn von feiner lieben Familie trennt, erscheint ihm dadurch vermindert, denn nach und nach wird in ihm die Empfindung gestärkt, daß er sich hier in dem echt jüdischen Milieu gewissermaßen in einer jüdischen Familie befindet, wo Personal und Kranke sich zu einer wohltuenden jüdischen Einheit verbinden. Wir geben nun im folgenden nach oben genannter Schrift die Beschreibung der Räumlichkeiten: 1. Im Erdgeschoß befindet sich neben dem Aufnahmebureau das Sitzungszimmer, das Bureau und die Wohnung der Oberin, 1 Zimmer für den Hausarzt, daneben ein Laboratorium, 1 Röntgenzimmer, 4 Einzelzimmer für chirurgisch Kranke, die dazu gehörigen Nebenräume und 1 Schwesternzimmer. Ganz für sich abgeschlossen in einem besonderen Anbau des Südflügels die Operationsabteilung mit dem großen aseptischen Operationssaal, ausgestattet mit einwandfreier Tagesbeleuchtung und teilweisem Oberlicht, sorgfältige und .ausreichend bemessene, künstliche Beleuchtung, ein Waschraum für Aerzte, ein septisches Operations- bzw. Verbandszimmer, ein Sterilisier-, ein Vorbereitungs- bzw. Narkoseraum und ein Dunkelzimmer für Augen und Ohrenuntersuchungen. In einem Anbau des Nordflügels find gelegen das Sezierzimmer und die Jfolierabteilung, beide mit direktem Zugang vom Garten aus, letztere bestehend aus 2 Zimmern, 1 Bad und einer Teeküche. Der neuerbaute, stimmungsvolle Betsaal ist sowohl vom Krankenhaus als auch von der Straße aus zugänglich und in einer Verlängerung des Nordflügels untergebracht. 2. Das erste Obergeschoß enthält die Station für Privatpatienten erster und zweiter Klasse, sowie die Entbindungsabteilung und stehen jetzt hierfür 14 Zimmer mit 20 Betten für Erwachsene und 1 Zimmer mit 3 Bettchen für Säuglinge zur Verfügung. Außerdem bietet die Abteilung noch Raum für 1 Badeeinrichtung, 1 Teeküche, 2 Zimmer für Schwestern und für die erforderlichen Nebenräume. Der große, luftige Flur ist als Tagesraum für die Patienten gedacht und entsprechend künstlerisch ausgestattet. Ferner ist nach Süden zu eine prächtige Terrasse gelegen, auf der die Kranken, denen es vom Arzt verordnet ist, ihre Sonnenbäder nehmen können. 3. Im zweiten Stockwerk sind nunmehr 2 völlig selbständige und getrennte Abteilungen dritter Klasse für Männer und Frauen untergebracht, die beide ganz neu gebaut und aufs schönste eingerichtet sind. Die Männerstation liegt im Mittelbau und Südflügel und enthält in einem Saal + 4 Zimmern 15 Betten, sowie 1 Tagraum, 1 Bad und 1 Teeküche. H Unter den Lieferanten des Krankenhauses wird am Ende der Broschüre auch Maggi aufgezählt. Maggi ist in der jüdischen Küche nicht zulässig.

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