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Das jüdische Blatt · 1914-02-13 · 7 (13.2.1914) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
7 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das jüdische Klatt. Nr. 7. wird es ihr gelingen, einen sichtlich belebenden Einfluß auf das Pariser jüdische Milieu auszuüben. In dieser Ansicht wurden wir bestärkt durch die am vergangenen Sonntag stattgehabte zweite Propaganda-Versammlung der hiesigen Agudas Iisroel-Ortsgruppe. Schon lange vor Beginn des Vortrags war der Saal gefüllt, „Ost" und „West" waren in großer Zahl erschienen. Als erster Redner ergriff Herr Simon A l t m a n n, der unermüdliche Förderer der Agudas Iisroel, namens der Pariser Ortsgruppe das Wort. In klaren eindrucksvollen Worten gab er einen kurzen Ueberblick über die Bewegung der Agudas Iisroel in den letzten Monaten; vor allem habe der Frankfurter Jugendtag, dem er beigewohnt, gezeigt, daß wir eine starke fest geeinte Jugend hinter uns haben. Die Jugend ist unsere Zukunft, und so dürfen wir hoffen, daß die Idee der Agudas Iisroel alle Widerstände brechen und eine festgefügte Macht zum Wohle des Gesamtjudentums bilden wird. Rabbiner W e i h k o p f, von reichem Beifall begrüßt, gab alsdann einen Umriß über die Verhältnisse und Zustände, die letzten Endes zur Gründung der Agudas Iisroel geführt haben, zeigte anhand der Geschichte, daß es dazu kommen mußte, und ein jeder die unbedingte Pflicht habe, an dem großen Werke der Agudas Iisroel nach seinem Mahstabe und seinem Können mitzuarbeiten. .Er erteilte alsdann das Wort dem ersten offiziellen Redner des Abends, Herrn Rabbiner Dr. D e b r e - Saarunion, zu seinem Thema „Ln renaissance du Judaisme traditionii<d". Mit begeisterten Worten verstand es der Redner, seine Hörer zu fesseln, und der reiche Beifall, der ihm während seiner Rede von allen Seiten gespendet wurde, zeigte, daß seine Worte auf fruchtbaren Boden gefallen waren. Der Redner entwarf ein Bild unserer heutigen Jugend, die einerseits unwissend mit spöttischem Lächeln auf ihre Väter herabsehen, denen ihre jüdische Lebensauffassung ein heiliges Gut ist, das sie gerne auf ihre Kinder vererben möchten. Doch angesteckt von einer falschen Umgebung, wirft der junge Sohn den „Plunder" zur Seite, geht seine eigenen Wege und ist dem Judentum verloren. Auf der anderen Seite haben wir die wissende Jugend, denen aber die Ueberzeuaung fehlt. Mit dem Lächeln des Philosophen steckt sie sich am Samstag die Zigarre an, mit dem Lächeln des Philosophen setzt sie sich über n&’Hpn min hinweg, und auch sie geht uns verloren. — Da soll nun die Agudas Iisroel eingreifen. Sie soll unserer Jugend zeigen, daß sie dereinst große Pflichten für die Allgemeinheit zu erfüllen hat, sie soll unserer Jugend ein fester Stützpunkt sein im Kampfe des Alltags, sie festigen und stärken, damit sie sich behaupten können, gegen die Anfeindungen und Angriffe, die ihnen, wie es gerade die letzte Zeit gezeigt hat, von jüdischer Seite drohen. „Youloii" et „savoir" sei für sie die Parole, mit dem „Wollen" und „Wissen" wird es dem gesetzestreuen Judentum in seiner durchdringenden Kraft gelingen, das hehre Ziel der Agudas Iisroel nKTill mim pp □"]n? zu erreichen. Die Wissenschaft zu propagieren, den jüdischen Willen wieder zu beleben, das find die Aufgaben der Agudas Iisroel. Solange die Ghetti ein natürliches Band um uns schloffen, brauchten wir keine „Agudas Iisroel", die Ghetto- Mauern fielen, und eine Tohu Wabohu hat in unserem Judentum Platz gegriffen. Die Agudas Iisroel will die Basis sein, auf der alle gesetzestreuen Juden unter Hintenanstellung aller persönlichen Differenzen, gemeinsam für das Gesamtwohl arbeiten, auf Basis unserer heiligen miP.— Weder die „Alliance israelite universelle" noch der „Zionismus" haben es vermocht, dem gesetzestreuen Juden eine ausreichende Gewähr für seine Mitarbeit zu geben. Ersterer leistet in humanitärer Beziehung außerordentlich Großes, aber in ihrem Wirken legt sie den Hauptwert I darauf, gute Franzosen heranzubilden, eine speziell jüdische Erziehung ist ihnen nicht die grundlegende Norm. Der Zionismus erkennt als einigende Grundlage nur die Nation an; die Religion ist für ihn Privatsache. In allen Ländern hat die Agudas Jisroel-Jdee bereits gezündet. Mit dem Feuer der Begeisterung sind Orts- und Iugendgruppen in Deutschland, Oesterreich, Galizien, Polen, Rußland und Amerika gegründet worden. Nun heißt es aber, sich nicht nur für den Gedanken der Agudas Iisroel begeistern und erwärmen, sondern TOyOT Nh'N ")py SSHPftn tfb dem Gedanken muß auch die ausführende Tat folgen. Große Erfolge sind auch in dieser Hinsicht bereits erzielt worden, und mit Freude dürfen wir es bekennen, so schloß der Redner, daß unser Judentum lebt und leben wird. — Wahre Beifallsstürme zollten dem Referenten Dank für seine meisterhaften Worte, dem Herr Prague namens des Vorstandes beredten Ausdruck verlieh. Alsdann sprach H. Rabb. Haim-Beermann auf „Jargon" über „Not re devoir envers le Judaisme". Ausgehend von der Berufung des Propheten ’^KpTrP erklärte er in sinniger Weise die Stelle der ^->11 möSJ?. Der Talmud bemerkt zur Stelle, daß in dem Momente, als Channanjah, Michael und Asarjoh sich weigerten, der persischen Majestät zu folgen und vor dem Götzen sich zu bücken, und den Kalkofen bestiegen, die Gebeine im Tale Dura zum Leben erstanden, und die Berochoch rpriD ausriefen. — So auch heute. Zerstreut, überall ein kleines Häuflein für sich bildend, ohne äußeren Zusammenhang, das ist die Situation, in der sich unser gesetzestreues Judentum befindet. Treten aber die ersten Männer auf den Plan, um für die Gottessache zu zeugen, um dafür zu arbeiten und zu wirken, dann beleben sie mit ihrem Eifer überall die zerstreuten Häuslein, verleihen ihnen Mut, geben ihnen Halt und Zusammenhang, und ein neues frisches pulsierendes Leben erblüht aus dem darniederliegenden Volkskörper. In bewegten Worten dankte Herr Prague dem Redner für seine tiefgefühlten zu Herzen gehenden Worte. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Worte, die uns von den beiden Referenden in begeistertem Schwünge vorgetragen, den Weg zu unseren Herzen finden mögen, auf daß durch die gemeinsame Arbeit der gesetzestreuen Pariser Iudenheit innerhalb der Agudas Iisroel eine Belebung des Judentums für Paris und ganz Frankreich ausgehe. Der herrlich verlaufene Abend wird hier noch lange in Erinnerung bleiben. Er führte der hiesigen Ortsgruppe eine Reihe neuer Mitglieder zu, auch wurden für mehrere hundert Francs Spenden gezeichnet und Marken verkauft. Prof. Bergson als Kandidat der Akademie Fran^aife und die Antisemiten. Eine antisemitische Agitation gegen Prof. Bergson entfalten die konservativen Mitglieder der Akademie Fran^aise. Pros. Bergson ist einer der bedeutendsten Philosophen der Neuzeit nicht nur Frankreichs, vielleicht der bedeutendste; seine Vorlesungen im College de France erfreuen sich eines steigenden Erfolges in den besten Kreisen der Pariser Gesellschaft. Augenblicklich ist er Kandidat für einen Sitz in der Akademie Fran^aise. Er hat zweifellos die begründetsten Ansprüche auf diese Ehre. Sein Ruhm als Gelehrter ist unantastbar. Aber er hat einen großen Fehler, er ist Jude, und das genügt, um ihn in den Augen vieler Mitglieder der Akademie verdächtig erscheinen zu lassen. Noch nie ist ein Jude in die Akademie Fran^-aise gewählt worden. Und ein großer Teil der Mitglieder der Akademie empfindet es als eine Herabwürdigung, wenn ein Jude einen Sitz darin erobern würde. Lieber wählen sie einen Unbekannten und Unbedeutenden als *

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