Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 6 (6.2.1914)
- Date
- 1914-02-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6. Das jüdische Statt 7 uns zu nehmen. Einem anderen Journalisten sagte Baron Hayking, er habe der Stadtverwaltung geschrieben, die Bilder seien eine Art Rache an Rußland und an seiner politischen Polizei. Ich würde daher nicht überrascht sein, wenn durch Vorführung ' solcher gegen Rußland hetzender Bilder die Freundschaft zwischen Rußland und England abnehmen würde. Die Bilder stellen Lügen vor, die in Whitechapel (Judenviertel Londons) fabriziert würden. Die Leiden und Qualen, die in den Bildern geschildert sind, sind erfunden und kommen in Rußland nicht vor. Die Darsteller, die die Bilder vorgelebt haben, sind zwar echte Russen, aber es sind arme, ausgehungerte Menschen, die die Not gezwungen hat, sich dazu herzugeben, aber in Wahrheit wissen auch die Darsteller, daß die Bilder nichts sind wie eine Rache gegen die russische Polizei. So sprach Baron Hayking, der russische Generalkonsul. Der Vorfall wird zweifellos im Parlament ein Echo finden. Das Parlamentsmitglied Francois Nelson will an die Regierung die Frage stellen: Seit wann ist Baron Hayking bestellt als Zensor über Londoner Kinematographen? Rumänien. In Rumänien ist das konservative Ministerium Majorescu gestürzt und an dessen Stelle ist das liberale Ministerium Bra tianu getreten. Dieses hat Neuwahlen zum Parlament anberaumt. Eine neue Orientierung der inneren rumänischen Politik steht daher bevor. Es frägt sich jetzt, ob die liberalen Bestrebungen des liberalen Premiers sich auch auf die Lösung ■ der Judenfrage erstrecken. Bratianu stand schon einmal an der Spitze der Regierung, ohne sich um die Judenfrage auch nur zu kümmern. Ob Bratianu diesmal an die Judenfrage herantreten wird, kann niemand wissen. Doch scheinen gewisse Hoffnungen dafür vorhanden zu sein. Vor einigen Monaten, als bereits die Vorzeichen für den Fall des konservativen Ministeriums Majorescu sichtbar wurden, hat einer der liberalen Parteigrößen, Konstantinescu — allerdings unter ausdrücklichem Hinweis, daß er nur seine persönliche Ansicht ausspreche —, erklärt, daß es nur recht und billig wäre, wenn diejenigen Juden, die den jüngsten Krieg mitgemacht haben, der bürgerlichen Rechte teilhaftig würden. Die Liberalen sind übrigens in der Lage, eine solche Absicht, wenn sie besteht, auszuführen. Sie verfügen mehr wie die Konservativen über einen festen zusammengeschlossenen Anhang im Lande und dürfen es wagen, auch solche Gesetze zu machen, die einem Teil des Volkes nicht sympathisch sind. Es gibt heute in der liberalen Partei gewichtige Stimmen, die verlangen, daß die Juden für die Begeisterung, mit der sie zu den Fahnen zogen und sich unter ihre christlichen Kameraden stellten, belohnt werden müssen. Bratianu zwar hat seine Meinung darüber noch nicht ausgesprochen. Aber da die Judenfrage gebieterisch zu einer Lösung drängt, wird er daran nicht vorbeikommen. Er wird eine Lösung finden, das ist zu hoffen, die seinem Vaterland zur Ehre gereicht. Es wäre jetzt endlich nach drei Jahrzehnten Zeit, die Bedingungen des Berliner Vertrags zu erfüllen, der den Juden Rumäniens Gleichberechtigung zusichert. Amerika. Baltimore. Obwohl bei uns, wie in allen Provinzgemeinden der Vereinigten Staaten, für gewöhnlich bloß der Sonntag für Versammlungen und sonstige Angelegenheiten, die über den Kreis des Einzelinteresses hinausgehen, in Betracht kommt, wiesen die aus Anlaß der Anwesenheit der Aguda-Delegierten veranstalteten Meetings einen überaus guten Besuch auf. Die Reden der Herren Rabbiner W a l k i n und Dr. Hildesheimer weckten tiefes.Verständnis für die Aufgaben der religiösen jüdischen Gesamtheit und trugen viel dazu bei, den Willen zu gemeinschaftlicher Tätigkeit im Interesse des Judentums zu stärken. Es wurden in den beiden Hauptsynagogen arbeitstüchtige Komitees gebildet, die die hiesige Ortsgruppe leiten und mit Gottes Hilfe Zur pK der amerikanischen Organisation gestalten werden. Am FOtf? predigten die beiden Herren Delegierten in der großen deutschen Synagoge des Herrn Rabbiner Dr. S h a f f e r und waren Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit. Wir hoffen, sie aber nicht lassen, — dem Landrichter aber war das selbstverständlich ganz fremd. Chaim stieß ihn mahnend mit dem Ellenbogen. Refuls Geist aber hatte sich noch nicht ganz orientiert und reagierte auch nur wie gewöhnlich. Nach drei Bewegungen mit den Backen; zwei kürzere und eine längere . . . und. „Reful" . . . kams von den Lippen. „Was untersteht er sich, er. . . . er. . . . hier Possen zu treiben, ich lasse ihn gleich abführen! Arptsdiener!" „Halten zu Gnaden, Herr Landrichter," begann Chaim, „der Reful bläst für gewöhnlich die Trompete, und er hat sich angewöhnt, auch sonst die Backen aufzublasen wie beim Musizieren, und Träumen ist das zweite, das er gerne treibt. Aber eine despektierliche Absicht hatte er nicht. Halten zu Gnaden, Herr Landrichter," flehte Reful nach. „Jetzt steht er vor Gericht und wenn er sich nicht zusammennimmt -Amtsdiener, Stock bereit halten für den Reful! Also ihr habt gestern öffentlich Musik gemacht; ist's richtig?" „Zu dienen, Ew. Gnaden Herr Landrichter; es war Hochzeit." „Habe ich danach gefragt — antwortet nur auf das, was ich frage! Amtsdiener, Stock bereit halten für die drei Judenmusikanten. Wer hat euch die Erlaubnis erteilt?" „Gnaden Herr Landrichter, Aron Seckel, der Bräutigam, sagte. . . ." „Aron Seckel sagte"- „Der Chusen sagte"-- — „Wollt ihr wohl aufhören, wer soll das verstehen, wenn ihr I zu dreien das Schreien anfanget. Der sogenannte Judenkapell- , meister spricht für die anderen auch mit. Ich frage weiter, ist Aron Seckel die Behörde, die Erlaubnis erteilt zum öffentlichen Musizieren? Wo hat man sich die Erlaubnis untertänigst zu erbitten?" „Bei Gnaden, dem Herrn Landrichter." „Hat man das getan?" „Nein; aber halten zu Gnaden, der Bräutigam sagte, er habe die Erlaubnis" .... „Er hatte die Erlaubnis zum Heiraten, aber nicht dazu, sich Musik machen lassen zu dürfen. Habt ihr danach gefragt?" „Nein, Ew. Gnaden." „Ihr gesteht also somit zu, öffentlich Musik gemacht zu haben, ohne eingeholte Erlaubnis. Aktuar protokollieren! Habe ich ihm, Chaim, Judenkapellmeister, die Erlaubnis erteilt?" „Nein, Ew. Gnaden." „Habe ich ihm, Jecheskel, Judenmusikant, die Erlaubnis erteilt?" „Nein, Ew. Gnaden." „Habe ich ihm, Reful, Judenmusikant, die Erlaubnis erteilt?" -ein Ellenbogenstoß Chaims, nun noch drei Backenbewegungen, zwei kürzere und eine längere. „Nein, Ew. Gnaden." „So spreche ich das Urteil: Item werden die drei vorbenannten Judenindividuen zu je drei Talern Strafe verurteilt nebst den gebührenden Sporteln. Dem Reful aber wird angedroht, daß ihm, wenn er sich nicht eines respektvollen, gebührlichen Benehmens befleißigt, die Erlaubnis zum Spielen entzogen wird. Heute wird nochmals in Gnaden davon Abstand genommen, da nach Aussage