Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Date
- 1914-01-30
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 Das jüdische Matt. Nr. 5. die „Weiße Woche" eine seltene Kaufgelegenheit, sondern es sei vor allem auch auf die unglaublich billigen Preise in Glas-, Porzellan-, Email-, Holz- und Bürstenwaren, Linoleum, Teppiche, Gardinen usw. hingewiesen, eine Gelegenheit, die sich gerade zur Beschaffung von Aussteuern und zur Wiederauffrischung des Hausrates vorzüglich eignet. Somit ein kurzer Ueberblick der jüngsten Veranstaltung des von Jahr zu Jahr unaushallsam vorwärtsstrebenden Kaufhauses Louvre, das, wie bereits bekannt, auch in Mülhausen i. E. die Tore eines großen Warenhauses öffnen soll. Mücheröesprechung. Dr. med. A. N o r d m a n n, Die Juden im Kanton Basel- Land, Separat-Abdruck aus dem Basler Jahrbuch 1914. N. hat seiner Abhandlung über die Geschichte der Juden in Basel (1397—1875) sogleich eine weitere über Die Juden im Kanton Basel-Land folgen lassen. Auch diese Arbeit zeichnet sich wie die vorhergehenden Schriften des Verfassers durch eine peinliche Genauigkeit und gewissenhafte Behandlung aller Quellen aus; sie ist interessant für den Laien und bietet dem Forscher reiches Material. Verfasser beschreibt einen Zeitraum von ungefähr 40 Jahren und beweist, daß der Kanton Basel-Land einer der rückständigsten Kantone war, der den Juden alle möglichen Beschränkungen auferlegte. „Dasselbe Basel-Land, das schon in seiner ersten Verfassung die Menschenrechte verkündet und um seine Freiheit schwere Kämpfe bestanden hatte, versagte beider Genuß den Juden, die doch seit mehr als zwei Jahrhunderten unter seiner Bauernschaft verkehrt hatten" (S. 248). Nach und nach erst gelingt es, den Juden mit Hilfe der französischen Regierung die Gleichberechtigung den Behörden abzuzwingen. Am interessantesten in der Abhandlung ist die genaue Beschreibung des sogenannten „Wahl schen Handels", der Angelegenheit der Gebrüder Alexander und Baruch Wahl von Mülhausen, die zu ernsten Differenzen zwischen der französischen Regierung und dem Kanton Basel-Land geführt hatte und erst ihr Ende fand, nachdem der Kanton den Gebrüdern Wahl eine Entschädigungssumme von 25 000 Fr. gezahlt hatte. Die jüdische Bevölkerung war übrigens in diesem Kanton nie sehr stark; es existiert eine einzige kleine Gemeinde in Liestal, der Hauptstadt des Kantons. Wir werden noch Gelegenheit haben, in einem besonderen Artikel auf den lehrreichen Inhalt der vorliegenden, interessanten Schrift zurückzukommen. Dr. Eh. Lauer. Das antisemitische Hauptdogma, beleuchtet von Geheimrat Professor Dr. Ed. Koenig in Bonn (A. Marcus' und E. Webers Verlag, Bonn). Preis 1,50 Ai. Der Antisemitismus sucht gegenwärtig seine Hauptwaffen in der Rassentheorie. Eine der neuesten Entdeckungen desselben ist die, daß die Propheten nicht zur jüdischen Rasse gehören, ebensowenig wie Christus. Um dem antisemitischen Vorwurf zu begegnen, daß die theologischen Kreise und die Orientalisten derartige wichtige Entdeckungen einfach ignorieren, untersucht der Verfasser in wissenschaftlicher Weise diese Frage und weist die antisemitische Beweisführung sowie ihre ganze Kampfesweise energisch ab. Briefkasten. I. €. in G. Wenden Sie sich gefl. mit Ihrer Offerte an das Anzeigenbureau bei DuMont Schauberg, Buchdruckerei, in Straßburg. Uns ist die Adresse unbekannt. Hedakjast. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) „Meine Tochter," versetzte der Prophet milde in Ton und Ausdruck, daß es sich leise und lindernd wie ein warmer Hauch um ihre Seele legte. „In Erfüllung reiner Pflichten, in Beglückung anderer, geht das Herz eines wahren Menschen warm auf, und wenn es das Unglück zu Eis erstarrt hätte. Sieh, meine Tochter, wenn er lebte, der Mann, den Deine Seele sich erkoren, ich würde nicht in Dich dringen; denn es wäre die Möglichkeit vorhanden, daß er zurückkehrte, aber so ... Wer im Totenreiche weilt, dem hilft kein Jammern und Entsagen, und dem Lebenden gehört die Kraft des Menschensohnes; doch will auch ich nicht, daß Du Dich in dieser Seelenverwirrnis einem Manne anverlobst. Versuche Dich zu fassen und zu sammeln. Suche Gott den Ewigen, Allbarmherzigen und Du wirst ihn finden. Gedaljah ist ein edler Mann, ein Freund und Waffenbruder dessen, den Du beweinst, ein Mann, würdig beglückt zu werden, er will Dir auch nicht in Deinem Schmerze nahe treten, obwohl er verantwortlich dafür ist dem Könige von Babel; denn als Gefährtin seines Lebens wurdest Du ihm übergeben." Einige Tage später sah und sprach Zippora den Fürsten. Sie hatte, von ihren Frauen begleitet, einen Spaziergang nach dem nahen Olivenwald gemocht, eine tiefe Schlucht die nur von einem Baumstamm überbrückt war, trennte ihn auf einer Seite von dem Tale, in dem das Palmenhaus stand. Eben als die Prinzessin den Fuß auf die schwanke Brücke setzen wollte, erschien auf der entgegengesetzten Seite der junge Statthalter und betrat sie. Einen Augenblick zauderte er zwar und machte eine Bewegung nach rückwärts, als er die Frauen sah; aber dann mit einem raschen Blick die Tiefe unter sich messend und den schwanken Halt, auf dem er stand, ging er mit festem, sicherem Schritt hinüber, ^und vor Zippora stehen bleibend, sagte er, sich neigend, mit stockender Stimme: „Verzeih, o Fürstin, daß ich es gewagt, aber gefährlich ist der Weg auf dieser Seite." Zum ersten Male hatte die Königstochter Gelegenheit, das Gesicht und die Gestalt des Fürsten zu betrachten: Er war schlank und zart gebaut und nahm sich gegen ihre hohe, königliche Gestalt wie ein Knabe aus. Das Gesicht war bleich, fast mädchenhaft schön, nur auf der hohen, glatten Stirn und in den dunkeln Augen war Mut und fester Wille ausgedrückt. Er stand dicht neben Dinah, und unwillkürlich drängte sich ihr der Gedanke auf, daß dieser Jüngling zu dem kindlichen Gesicht und der kleinen, zierlichen Gestalt ihrer Gespielin passe. Was sollte ihr dieser Knabe? Und sie dachte eines andern, eines andern, der groß und stattlich einherwandelte unter den Menschensöhnen, und dessen edles, männliches Angesicht mit der Sonne an Helle und Klarheit wetteiferte, und den sie nimmer, nimmer sehen sollte; nein, sie durfte nicht daran denken, wenn die Klarheit ihres Geistes sich nicht verwirren, und ihr starkes Herz sich nicht verbluten sollte. War es nicht gleich, wen sie nahm, da sie einen Mann wählen mußte? Wählen? Nicht einmal das, sie hatte keinen Willen. Der Jüngling, der vor ihr stand und auf den sie nieders a h: der war ihr Herr und Eigentümer. „Wenn du einen andern Weg kennst, Statthalter von Mizpa, so nenne ihn," sagte die Prinzessin. Ihre Stimme klang nicht melodisch wie sonst; ein harter, bitterer Ton lag darin. „Ich weiß einen, einen bessern und näheren, und wenn