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Das jüdische Blatt · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 5. Das jüdische Klatt. ihrem Gatten und ihren Angehörigen durch den Tod entrissen worden. Dieselbe war eine sehr fromme Frau, deren Bescheidenheit, Anspruchslosigkeit und Wohltätigkeit hier allgemein bekannt war, obwohl sie erst vor einigen Jahren aus Oberthulba nach Würzburg übergesiedelt war. Auf Wunsch der Verstorbenen fand deren Bestattung in Pfaffenhausen bei Hammelburg statt, woselbst Herr Distriktsrabbiner Dr. Bamberger aus Bad Kissingen ein getreues Bild der Entschlafenen entrollte und den die Familie betroffenen Verlust schilderte. Möge der Allvater den betagten Gatten und die übrigen Hinterbliebenen ob ihres großen Verlustes trösten. Preußen. Halberstadl, 26. Jan. Am 27. Tewes sprach in der hiesigen Jugendgruppe der Agudas Jisroel Herr Hermann Schwab über Samson Raphael Hirsch Der Vortrag hintcrließ einen tiefen Eindruck bei der anwesenden großen Zuhörerschaft. Kaden. Der Verein zur Wahrung der Interessen des gefehestreuen Judentums in Baden versendet den Bericht über die Vereinstätigkeit in den Jahren 1911, 1912 und 1913. Wir geben den allgemeinen Bericht wieder. An unsere Mitglieder! In der Periode, die seit der letzten Synodaltagung verflossen ist, hatte unser Verein wiederholt Veranlassung, für die Interessen des gesetzestreuen Judentums einzutreten. Die Veröffentlichung der Richtlinien eines Programms für das liberale Judentum in Deutschland hat allenthalben unter unseren Glaubensgenossen eine tiefgehende Erregung hervorgerusen. Die liberalen Rabbiner haben sich darin von den wesentlichsten Grundlagen der jüdischen Glaubenslehre formell losgesagt, so daß kein Jude, der auf dem Boden des überlieferten Gesetzes steht, sie nach irgendwelcher Richtung als religiöse Autorität anerkennen kann. Wir haben mit Rücksicht auf diese Sachlage an den Oberrat eine eingehend motivierte Eingabe gerichtet und gebeten, daß die Bestimmungen über die örtliche Zuständigkeit der Rabbiner geändert werden mögen, damit in Zukunft jeder Gewissenszwang bei Traungen und Ehescheidungen vermieden werde. Der Oberrat hat aber unsere Anträge mit nichtstichhaltiger Begründung abgelehnt. Es wird sich vielleicht in der Synode Gelegenheit finden, den Standpunkt des Oberrats gebührend zu beleuchten. Durch das neue Angestellten-Versicherungsgesetz sind den Gemeinden neue, schwere finanzielle Lasten erwachsen. Wir sind auch in dieser Angelegenheit mit dem Oberrat in Verhandlung getreten, um eine Erleichterung für die so schwer betroffenen Gemeinden zu erlangen und es steht zu hoffen, daß die Sache in der nächsten Synode Regelung im günstigen Sinne finden wird. Unsere besondere Aufmerksamkeit haben wir der Ausbildung von Gemeindemitgliedern für den Vorbeterdienst an den hohen Feiertagen zugewendet. Unter Leitung eines tüchtigen Vorbeters wurde in Mosbach ein Kursus veranstaltet, an dem sich eine Reihe von Herren aus verschiedenen Gemeinden beteiligt hat. Der Verein hat die Kosten des Unterrichts und teilweise auch die Reisekosten für die Teilnehmer getragen. Die Erfolge waren so günstig, daß eine Wiederholung des Kursus in Aussicht genommen ist. Durch Heranbildung eines Stammes von Gemeindemitgliedern, die den Vorbeterdienst an den hohen Feiertagen übernehmen können, wird nicht nur einem Bedürfnis abgeholfen, es wird auch für die kleinen Gemeinden eine wesentliche Ersparnis erzielt werden. In verschiedenen Fällen hat der Verein für dringende rituelle Bedürfnisse finanzielle Beihilfe gewährt. Dieses Streben, die Interessen des gesetzestreuen Judentums zu wahren, wird aber nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn wir imstande sind, unseren Forderungen auch in der Synode den nötigen Nachdruck zu verleihen; die Wahlen zur Synode stehen unmittelbar bevor! Wir hoffen zuversichtlich, daß unsere Freunde überall mit allen Kräften dafür tätig sein werden, daß nur solche Kandidaten in die Synode kommen, die bereit sind, für volle Gewissensfreiheit einzutreten und demgemäß unsere berechtigten Forderungen zu unterstützen. Wir laden unsere Mitglieder hiermit ein, sich recht zahlreich an der diesjährigen General-Versammlung zu beteiligen, welche s. G. w. am Sonntag den 15. Februar 1914, nachmittags 3 Uhr, in Karlsruhe, Hotel Lion, Adlerstraße, mit folgender Tagesordnung stattfinden soll. 1. Allgemeiner und Kassenbericht; 2. Neuwahl des Vorstandes; 3. Synodalwahlen; 4. Anträge der Mitglieder (diese sind spätestens 8 Tage vor der Generalversammlung bei dem Unterzeichneten Vorsitzenden einzureichen); 5. Verschiedenes. Wir bitten alle unsere Mitglieder, auch ferner unserer Sache treu zu bleiben und für dieselbe zu werben. Die Arbeit unseres Vereins und insbesondere seine Lebenskräftigkeit gibt den Beweis, daß in unserem Heimatland'e das Judentum in seiner unverfälschten Bekenntnistreue seine Stätte besitzt, aus der es, wills Gott, kein „liberaler" Gegner vertreiben soll. Zu diesem Zwecke möge die Verbreitung von Zeitungen, welche unseren Standpunkt vertreten, unsere eifrige Sorge bleiben. Karlsruhe. Leider erfuhr ich gestern abend, daß der Tod in unserer Kehillo wieder neu eingekehrt ist. Fräulein Diesenb r o n n e r , Lehrerin in Frankfurt a. M., ist plötzlich g e - st o r b e n und der Seniorchef der Eisenfirma Berg &• Strauß ist am Sonntag Abend einem Herzschlag erlegen. Der Verein Dower Tauv hat heute einen abgehalten. Karlsruhe. Seit Ende September vorigen Jahres vergeht fast keine Woche, in der man nicht ein Mitglied unserer Kehillo hinausträgt zu der Stätte, die allein Frieden atmet. Kaum hatten wir vergangene Woche den leider so früh dahingeschiedenen Herrn Max David zur ewigen Ruhe gebettet, als die traurige und erschreckende Nachricht von Halberstadt eintraf, der erst im 23. Lebensjahre stehende Herr Fritz Wormser habe nach sehr kurzem Krankenlager das Zeitliche gesegnet. Die Nachricht war um so niederschmetternder, als hier von seinem Kranksein nichts bekannt war. Unter großer Teilnahme, besonders des Vereins □'Hy} “pjH dessen langjähriges Vorstandsmitglied er gei wesen ist, wurde er am in der heimatlichen Erde bestattet. Trotz seiner Jugend hatte er sich ein großes talmudisches Wissen angeeignet. Sein Vaterhaus war das Haus des unvergeßlichen Herrn Raphael Wormser, jenes feurigen Jehudi ohne gleichen. Es ist ja fast selbstverständlich, daß ein junger Mann, ähnlich dem Pfeil, der dem Bogen entflogen, noch die Richtung innehält, die der Schütze ihm gegeben, der Erziehung, die er genossen, treubleibt und von ihr auf allen seinen Wegen beeinflußt wird. Daß der treue Verstorbene eine wahrhaft jüdische Erziehung erfahren hat, braucht wohl nicht gesagt zu werden. Er berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Er begnügte sich nicht allein damit, nur nach seiner Vollkommenheit zu streben, sondern er eiferte auch andere zur Ausübung von Mizwohs an. Und ganz besonders entfaltete er diese Tätigkeit im Verein -p^pl. Hier war für ihn ein reiches Arbeitsfeld gegeben. Und manchen schönen Erfolg hatte er zu verbuchen. Mit stolzer Hoffnung blickten seine Lehrer auf ihn. Den Gefühlen des großen Verlustes gab Herr Rabbiner Dr. Schiffer am Grabe Ausdruck, der schmerzbewegt von seinem Schüler Abschied nahm. Namens des Vereins “pjH sprach dessen Präsident, Herr Leopold Schwarz, Worte des Dankes und der Anerkennung aus. Im Hause hielt der Vetter des Verstorbenen, Herr Rabbiner Dr. Bondi aus Mainz, einen ab, bei dem er dem tiefen

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