Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Blatt · 1914-01-30 · 5 (30.1.1914) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
5 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9052070-9097324-9053020--0962-9053027
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 5. Das jüdische Klatt. 7 ungeschwächter Kraft fortgesetzt. Leider reicht die Zeit der Agudas-Delegierten nicht hin, um allen Einladungen von Synagogen und Korporationen Folge zu geben. Allabendlich finden Massenmeetings statt. Gestern sprachen die Delegierten «der Agudah gemeinsam mit den Herren Rabbinern E. I n s e l b a ch und Mosche Posen auf einer Massenversammlung speziell für Frauen, welche in die große sefardische Synagoge der Moor Street in Brooklyn einberufen wurde. Heute findet die letzte Versammlung unter persönlicher Teilnahme der Herren Delegierten in der Eil^ Synagoge statt. Den Vorsitz auf dieser Versammlung wird Herr Rabbiner Dr. Ph. Klein führen. Tlewark (New-Jersey). Der Versuch der Agudas-Delegation, die Provinzgemeinden für das Agudah-Ziel zu gewinnen, ist letzten Mittowch bei uns gemacht worden. Das Resultat kann als glänzend bezeichnet werden. Lange vor Beginn der Versammlung hielt eine Menschenmenge von mehr als 1200 Personen die Adath-Israel-Synagoge der 26. Prince-Street dicht besetzt und Hunderte konnten keinen Einlaß bekommen. Inzwischen versammelten sich die Rabbiner und Vorstände der verschiedenen Gemeinden und Vereine im Hause des Herrn H o ch m a n n, um die Gäste zur Versammlung zu geleiten. In der Synagoge empfingen die Versammelten die Gäste in würdevoller Weise, während der Kantor E^El"! n'O’HD sang. Nachdem der „Chermann" der Versammlung, Herr Rabbiner O r l i a n s k y, die Delegierten vorgestellt hatte, bestieg Herr Rabbiner W a l k i n die Tribüne und setzte in einer wirkungsvollen Rede die Ziele der Agudas Jisroel auseinander. Hierauf sprach Herr Dr. 5) i l d e sh e i m e r zunächst über die Organisation der Agudah und erklärte, weshalb die Ziele der Agudah nur in einer allgemeinen Weltorganisation und nicht in vollständig voneinander unabhängigen Einzelorganisationen erreicht werden könnten und schloß mit einem flammenden Appell an die Frauen und an die religiöse Jugend, sich ebenfalls in den Dienst der Agudah zu stellen. Zum Schluß sprach noch Herr Rabbiner B r o d s k y und unterstützte die Vorredner. Mehrere hundert Mitglieder ließen sich sofort eintragen und die Präsidenten der verschiedenen Congregations versprachen, in ihren Kreisen die weitere Propaganda zu betreiben. Ein Propaganda-Komitee wurde gewählt mit der Aufgabe, das Resultat des Meeting fruchtbringend weiter auszugestalten. Korrespondenzen. - Elsaß-Lothringen. Bischweiler. Den im Januar fälligen Vortrag hielt in unserem „Literaturverein" Herr Rechtsanwalt Dr. O. Simon-Mannheim. Er sprach, unterstützt von deutlichen Lichtbildern, über „eine Frühlingswanderung durch Palästina", eine Reise, die der Referent im vorigen Jahr durchs heilige Land unternommen hat. In anschaulicher Weise schilderte er Land und Leute längs der von ihm ausgeführten Route Jaffa—Jerusalem—Tiberias—Akko. Rauschender Beifall des gutbesetzten großen Saales folgte den beinahe einstündigen gediegenen Ausführungen, welche um so ansprechender waren, als Redner nur selbst Gesehenes in Wort und Bild vorführte, wofür ihm auch an dieser Stelle herzlich gedankt sei. n n. Bollwetter. Eine originelle Ueberraschung wurde den hiesigen Damen zuteil. Ein Waggon Biskuits ist am Freitag hier angekommen und an die Mitglieder der Frauen-Chewroh verteilt worden. Unsere langjährige Präsidentin, Frau Julie Weil, ist von ihrem Amte zurückgetreten und hat aus Freude, die Geschichte los zu sein oder um sich einen guten Abgang zu schaffen, darüber kann der Chroniqueur kein Urteil abgeben — einen Biskuit zu rO&* verehrt. Da sagt man immer, es gäbe keine originellen Ideen mehr. Buchswetter. Die Orthodoxie Frankreichs hat einen ihrer tapfersten Vorkämpfer durch den Tod verloren. Mocheh W e i l l, Grand-Rabbin von Alger, Bruder unseres langjähriges Parnes, ist nach kurzer Krankheit im Alter von 61 Jahren g e st o r b e n. Schon lange losgelöst vom irdischen Dasein, nur noch durch den Körper ans Diesseits gefesselt, hat er in den letzten 10 Jahren ausschließlich seinem Gotte und der Thauroh gelebt, hat Jünger umsich gesammelt. miP HM Grand-Rabbin Weill ist ein Schüler der ecol« rabbinique in Paris. Zuerst tätig in Tlemcen, dann als Grand-Rabbin in Oran und schließlich in Alger hat er mit Mannesmut die Traditionen unserer Väter verteidigt. Wie er sah, daß er in allzu großen Konflikt mit der realen Welt kam, hat er freiwillig sein Amt niedergelegt und wirkte in aller Stille. Aus ihn kann man anwenden den Satz unserer Weisen miP pK HE r"PEEEf \EE Süß ist daher sein Schlaf. Hellimer. Eine schöne Schenkung hat Herr A l p h o n s e Worms, in Brasilien ansässig, seiner Heimatgemeinde gemacht. Er hat 1000 Fr. geschickt zur Anschaffung von Oefen für die Synagoge, außerdem will er für die Unkosten der Heizung aufkommen; das ist ein Beweis, daß die Entfernung von der Heimat nicht zur Entfremdung führen muß und man auch in der Ferne ein für die Heimat warm schlagendes Herz sich erhalten kann. .7. B. Ingweiler. Am Mittwoch (Rosch Hodesch Schwat) haben wir unser teures Gemeindemitglied N. Eichel zu Grabe getragen. Ein großer Zug folgte bis auf den Friedhof, darunter auch der Bürgermeister von Osfweiler und einige andere Bewohner dieses benachbarten jetzt ganz von Juden verlassenen Dorfes. Der Verstorbene ist vor einigen Jahren von Offweiler nach Ingweiler verzogen. In dieser kurzen Zeit hat er sich die allgemeine Sympathie zu erwerben gewußt. Er gehörte noch zu denen, die zu unseren religiösen Ueberlieferungen treu halten und es auch mit dem Besuch des Gottesdienstes ernst meinen. Noch bis in die letzten Tage war er rüstig, sich seines Alters und seiner Kinder freuend, auch der Kinder in der weiten Ferne, die ebenso wie die hiesigen, ihren Vater mit unaufhörlichen Beweisen von Liebe umgaben. Kolbsheim. Nach längerer Vakanz wurde die hiesige Kantorenstelle wieder besetzt. Herrn Halpern wurde die Stelle übertragen. Kolbsheim. Eine biedere Frau, Wwe. L. Kahn, die ein Alter von 74 Jahren erreicht hatte, wurde vorige Woche am Mittwoch zu Grabe getragen, tief betrauert von den Söhnen und Töchtern, wie von der ganzen Gemeinde. Dr. Bloch, Oberehnheim, gab der allgemeinen Trauer um die Verschiedene in herzlichen Worten Ausdruck. Lingolsheim. In tiefe Trauer wurde die hiesige Familie Moise Wolfs durch den tragischen Sohn ihres 20 jährigen Sohnes versetzt, der in Nancy als Konditorgeselle in Stellung war und mit seinem Arbeitsgenossen durch Ersticken seinen Tod fand. Wie der mit der Untersuchung beauftragte Polizeibeamte feststellte, waren durch einen feinen Riß im Kamin, welches durch das Schlafzimmer geht, giftige Kohlengase entwichen, welche den Tod der beiden jungen Leute verursacht hatten. Lucien Wolfs

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.