Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 5 (30.1.1914)
- Date
- 1914-01-30
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Das Mische KiE Nr. 5. erzeugen pflegt, zu sophistischen Mitteln Zuflucht nehmen, um scheinbar liberale Gesetze gegen Euch zu deuten, das republikanische Portugal durch sein Parlament, durch seine durch den Willen des Volkes entsendete Vertreter, ein Gesetz schaffen ließ, das der Arbeitsfreude, der Intelligenz und allen den Machtmitteln Ihrer Raffe jenen Teil portugiesischer Erde eröffnet, von welchem wir überzeugt sind, daß sich daselbst unsere besten Schätze verborgen halten, ich meine jenes ausgezeichnete Land von Angola, dem sich unsere besten Hoffnungen und unsere größte Fürsorge zuwendet. Vergessen Sie überdies nicht, daß Portugal durch ein eigenes Gesetz den Juden bisher unerhörte Begünstigungen einräumt und als Gegenwert dafür nichts anderes verlangt, als daß sie Portugiesen wären. Sie sehen also — schloß Mesquita seine Aufsehen erregenden Ausführungen —,'daß man Ihnen in Portugal nicht nur ein ganz neues Land, sondern auch ein ganzes Herz.offenhält." Palästina. Die Gefundheilsverhällnifse Jerusalems. Am 14. Februar findet im Herrenhause in Berlin die Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem statt, in deren öffentlicher Sitzung die ersten Autoritäten über die sanitären Verhältnisse in Palästina Bericht erstatten werden. Die Gesellschaft, deren Vorsitz die Herren Ministerialdirektor Kirchner, Oberhofmeister Freiherr v. Mirbach, Gesandter Graf Lerchenfeld und Generaldirektor Ballin übernommen haben, hat sich die Verbesserung der Jerusalemer Gesundheitsverhältnisse zur Aufgabe gemacht. Auf Grund einer besonderen Vereinbarung ist eine Arbeitsgemeinschaft mit der Nathan-Strauß-Stiftung und der Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler zustande gekommen. Die drei Gesellschaften haben ein „Internationales Gesundheitsamt in Jerusalem" ins Leben gerufen, das gegenwärtig Abteilungen für Malariaforschung, Bakteriologie und Tollwutbehandlung besitzt und demnächst durch eine Abteilung für Tuberkulose erweitert werden soll. Für die Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft gibt sich lebhaftes Interesse kund. Zulassungskarten sind durch den Schatzmeister Dr. James Simon, Berlin W, Tiergartenstraße 15 a, und den Schriftführer Geheimrat Prof. Dr. Pan nw i tz, Berlin, Schöneberger Ufer 13, erhältlich. Amerika. Ueber die bevorstehende Beschränkung der Einwanderung schreibt das neueste Heft des „The Iewifh Immigration Bulletin" folgendes: Wenn der Kongreß die Zeichen der Zeit beachten will, besonders die jüngste Entscheidung des Wahlkomitees von Massachusetts, welches mit überwältigender Stimmenmehrheit eine Partei für die Beschränkung der Einwanderung niederschlug, so sind wir überzeugt, daß keine Bestimmung der Beschränkung der Einwanderung durch die Forderung einer Schreibprobe durchgehen wird. Wir begreifen wohl, warum diejenigen, welche durchaus eine Beschränkung verlangen, eine Schreibprobe brauchen. Jede beschränkende Bestimmung ist Wasser auf ihre Mühle. Wenn sie ihren Willen durchsetzten, dürfte kein Fremder ohne Monokel und untadeliger Bostoner Aussprache ausgenommen werden. Aber es gibt hundert Gründe, weshalb aufrichtige Freunde einer gesunden Einwanderung nicht auf der Schriftprobe bestehen sollten. Erstens ist das Analphabetentum in Europa einer ausgedehnten und sträflichen Vernachlässigung von seiten der Regierung, einer durch große Steuerabgaben verursachten Armut, der Unterdrückung und Grausamkeit der Regierung zuzuschreiben. Es kommt weder von einem Mangel an Charakterstärke noch von einer Minderwertigkeit der Intelligenz auf seiten der Einwandernden her. Gesunde Männer und Frauen auszuschließen, weil sie keine Schulbildung haben, heißt, eine Prämie auf diejenige Regierungspolizei aussetzen, die den Zweck verfolgt, ihre Untertanen zu knechten und zu unterdrücken, und die Pforte der Rettung vor solchen leidenden, verzweifelten Menschen verschließen, die für ihre Kinder günstigere Lebensbedingungen brauchen. Zweitens ist das Analphabetentum nur ein vorübergehender Fehler. Jeder Ausländer kann in kurzer Zeit schreiben lernen. Der öffentliche Unterricht, die Abendschulen, die Zeitungen, das allgemeine Leben iw unserem Land befördern die Schreibkenntnis. Daß die des Schreibens unkundigen Einwanderer von diesen ihnen hier gebotenen Gelegenheiten Nutzen ziehen, ist durch die Statistik des Besuchs der Abendschulen erwiesen. Es gibt Tausende von Ausländern, die auf einmal Schreiben und Lesen lernen, sowie sie sich hier niederlassen. Drittens hat Schreibfähigkeit nichts zu schaffen mit der Tüchtigkeit, ein Gewerbe zu betreiben, in Fabriken oder in Bergwerken, in Läden oder auf der Farm zu arbeiten. Die Stärke Frankreichs besteht in seinen Landwirten, die zum größten Teil Analphabeten sind. Es gibt so und soviel Beispiele von Analphabeten, die durch ihre Ehrlichkeit, Fleiß und intellektuelle Fäkigkeiten sich auszeichnen. Viertens find die Kinder von Analphabeten niemals des Schreibens unkundig. Wer füllt unsere Nachtschulen, unsere öffentlichen Schulen in New-York, unsere höheren Schulen, unsere Gymnasien? Kinder von Ausländern. Sie sind der Felsen, auf dem unser Fortschritt, unsere Erfindungen, unsere allgemeine Wirksamkeit ruht. Sie sind die Führer dieses Landes, sie tragen in sich jene Liebe zur Demokratie, zu amerikanischen Institutionen, die bei den Einheimischen oberflächlich und farblos ist. Sie bringen neben ihrer Ergebenheit für amerikanische Ideale einen Enthusiasmus mit sich, welcher für den künftigen festen Bestand dieses Landes das besth Vorzeichen ist. Aber wir brauchen nicht zu befürchten, daß die schlimmen Elemente im Kongreß während der jetzigen Tagung Erfolg haben werden. Präsident Wilson tritt soviel wie möglich für die Aufnahme aller Einwanderer ein, die kräftig sind und einen ausreichenden Sinn für die Schätzung der Freiheit und die industriellen Möglichkeiten mit sich bringen, so daß sie zu der Erwartung berechtigen, daß sie gute amerikanische Bürger werden. Präsident Wilson ist ein Mann von Wort und wenn er einmal sich über eine Sache ausgesprochen hat, kann man sich darauf verlassen, daß er sich von seinen Grundsätzen niemals abdrängen läßt. Baltimore. Hier werden großh Vorbereitungen getroffen zum würdigen Empfang der avisierten Agudas-Delegation. Die Vorarbeiten liegen in der Hand des Herrn Rabbiner Dr. Schaffer und des Präsidenten der hier bereits bestehenden Ortsgruppe, Herrn Rabbiner Schwarz. In etwa zehn Synagogen find bereits Versammlungen angekündigt. New York. Nachdem die Herren Rabbiner W a l k i n und Dr. M. Hildesheimer ihre New Yorker Propaganda mit großem Erfolge einstweilen abgeschlossen haben, um die größeren Provinzstädte auszusuchen, bildete sich hier ein ständiges Organisationskomitee der Agudas Jisroel, das seine Tätigkeit bereits ausgenommen hat. Es wurde ein definitives Büro für die Agudah errichtet, um die Propaganda zu zentralisieren und zweckentsprechend sortzusetzen. Die nunmehrige Adresse der amerikanischen Zentrale der Agudas Jisroel lautet: Office of „Agudas Jisroel", 165 East Broadway, New Jork. 7tew York. Die Propaganda der Agudas Jisroel wird mit