Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 4 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das jüdische Statt Nr. 4. 1! Korrespondenzen. i! - GLlaß-Lotttrinaerr. - slla Stratzburg. Letzten Samstag wurde nach längerer Unterbrechung der Jugendgottesdienst mit Predigt wieder begonnen. Er findet um VA Uhr statt. Straßburg. ' Der Vorsitzende unserer Synagogenverwaltung, H. Marc Blum, hat den Roten Adler-Orden 4. Klasse erhalten. Straßburg. Am Dienstag, den 27. cr., vormittags 8% Uhr, findet anläßlich des Geburtstags Seiner Majestät des Kaisers ein Fe st gottesdien st in der Synagoge Kleberstaden, statt. Hattstatt. Vor einigen Wochen machte die wohltätige Stifterin, Frau Jsaac Dockes von hier, der hiesigen Gemeinde ein prachtvolles, in reiner weißer Seide angefertigtes Schulchantuch zum Geschenk, welches aus dem bekannten Atelier des Herrn Felix Bloch in Straßburg kam. Es sei dieser edlen Spenderin hiermit bestens gedankt. r. Königsmachern. Nachdem von der früheren Chevrah nur noch wenige Mitglieder übrig geblieben, sind wegen des Vermögens, das zum Teil der früheren Chevrah gehört, zwischen den Mitgliedern der neuen Chevrah und anderen Mitgliedern Differenzen an der Tagesordnung. Am besten wäre der von einer Seite vorgeschlagene Plan, das über 10 000 betragende Vermögen dem Jüdischen Hospiz zu übergeben, wofür den Mitgliedern Kadisch nach ihrem Ableben gesichert wäre. ,1'. Metz. Nach langer Krankheit starb der von hier gebürtige Albert Fribourg aus Freiburg-Baden und wurde Mittwoch morgen hier beigesetzt. Eine große Menge Bekannte und Freunde begleiteten vom Bahnhof an den Verstorbenen zur letzten Ruhestätte. r. 7Neh. Im Apachenviertel, schmutzige, enge Straßen, große Mietskasernen, in denen meistens Arbeiter, Italiener, Zigeuner wohnen, auf den Straßen Leben und Treiben schmutziger, verwahrloster Kinder, Arbeiter und Arbeiterinnen, die sich in den zahlreichen Wirtschaften amüsieren, italienische Speiserestaurants, von allen Seiten eine modrige Luft, an den Straßenkreuzungen Militärpatrouillen, welche die Soldaten vom Besuch der berüchtigten Häuser abhalten sollen, das ist das Bild, das uns beim Besuch der Synagoge entgegentritt und besonders letzten Sonntag auffiel, als der größte Teil der Gemeinde in Festtagskleid, die Mädchen in ihren hellen Kleidern der Synagoge zustrebten. Wirklich ein unhaltbarer Zustand. Unsere ehrwürdige Synagoge, die bei ihrem Neubau vor 70 Jahren im Judenviertel lag, ist ganz verwaist, aus dem Judenviertel ist das oben geschilderte Milieu geworden. Deshalb hat der Oberrabbiner der Gemeinde bereits in seiner Jom-Kippur-Predigt auf den unwürdigen Zustand hingewiesen und um tatkräftige Unterstützung für Beseitigung dieses Zustandes gebeten. Nunmehr soll endlich eine Kommission gebildet werden, welche den Plan einer neuen Synagoge zum Gegenstand der Tagesordnung machen soll und vor allem für die Aufbringung der notwendigen Gelder sorgen soll. Schon seit längerer Zeit hat die Stadt einen geräumigen Bauplatz im neuen Viertel der jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt. Hoffentlich wird jetzt die Sache von der zu bildenden Kommission mit Energie in die Hand genommen, denn wenn tatkräftige Leute die Sache unterstützen, werden die Mittel schon zufließen. Gemeinde, Bezirk und Staat würden sicherlich große Summen bewilligen. Freunde und Bekannte in Deutschland und Frankreich werden bereitwilligst ihre Hand öffnen. Eine Lotterie, die sicher genehmigt würde, würde auch reißenden Absatz finden; vor allem die jüdische Metzer Bevölkerung würde, wenn sie sieht, daß der Plan ausführbar ist, alle Opfer bringen, um ein neues würdiges Gotteshaus zu erhalten, denn gerade die Gemeinde Metz hat wie keine andere im Reich seit 200 Jahren die unglaublichsten Opfer gebracht und ist immer an erster Stelle gewesen, wenn an ihren Wohltätigkeitssinn appelliert wurde. (Eine kürzlich von Herrn Dr. Netter herausgegebene Schrift: Die Schuldennot der jüdischen Gemeinde Metz vom Jahre 1791—1854 zeigt uns zur Genüge, was die jüdischen Familien der damaligen französischen Zeit für Opfer zu bringen hatten.) Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei, die Ausführung des Planes zu beschleunigen. Die alte Synagoge könnte leicht Verwendung finden, ev. bei einer Vergrößerung des jüdischen Krankenhauses, von dem bereits gesprochen wurde, oder als Synagoge für die zwei Gemeinden der Ausländer, deren Zahl jeden Tag zunimmt. Mulhouse. Samedi dernier, 17 ct., le Kinderhort de la soci6te de jeunes filles r„Abri“ offrit une petite matinöe ä la prösidente Madame Edouard Dreyfus et ä la vice-presidente Mlle. Madeleine Blum, pour les reinere! er du devouement que ces deux dam es temoignent sans reläche ä leurs petits proteges. Environ 80 personnes assisterent a la fete, qni a ete des plus r6ussies, vu la bonne volonte que tous nos petits „artistes“ y mirent, sous la bienveillante direction de leur institutrice, pour amuser leur auditoire. Chants, r6citations et comedies se suivirent pendant une heure, et, pour clöturer, de charmants enfants offrirent au nom du Kinderhort, de beaux bouquets ä Mme. Dreyfus et Mlle. Blum. Un goüter, accueilli avec enthousiasme de tous nos 40 membres du Hort, termina Tapres-midi. A remercier aussi la charmante direcirice de l’ecole de travail, Mme. A. Dreyfus, qui, gracieusement, avait mis le refectoire de l’ecole ä la disposition de la societö. H. L. Miederhagenthat. Es ist auch in Ihrem gesch. Blatte schon des öfteren darauf hingewiesen worden, daß die jüdischen Landgemeinden immer mehr verschwinden; es ist dies eine traurige Tatsache, die um so mehr zu beklagen ist, als mit dem Aufhören jener alten Dorfgemeinden stets ein Stück echtjüdischsn Lebens und echtjüdischen Brauches zu Grabe getragen wird. Leider geht auch unsere hiesige Gemeinde ihrer Auflösung entgegen. Doch suchen wir, vor allem unser Parneß, ein Mann, der wegen seiner wahrhaft frommen Gesinnung und wegen seines Interesses für seine Gemeinde mancher größeren Gemeinde zur Zierde gereichen würde, das Kehilloleben und vor allem die r6ön so gut wie möglich noch zu erhalten. Allerdings machen wir auch hier die traurige Wahrnehmung, daß je kleiner die Gemeinde, um so eher Uneinigkeit entsteht, und gerade diejenigen das ausschlaggebende Wort beanspruchen und die große Rolle spielen wollen, die von jeher gar nichts oder fast nichts geleistet haben und — falls ihre Ansicht nicht durchdringt, streiken sie. So ist denn hier ein Synagogenstreik ausgesprochen, d. h. einige besuchen absichtlich die Synagoge nicht und zwingen die übrigen, falls sie mit Minjan beten wollen, Leute von auswärts zu requirieren. Wir wollen hoffen, daß sich die Streikenden bald eines besseren besinnen werden, daß die hiesige jüdische Gemeinde noch so lange wie irgend möglich erhalten bleibe. — Hier ist heute Herr Simon Meyer beerdigt worden. Derselbe war erst vor wenigen Monaten mit seiner Familie nach Basel verzogen. Ein zahlreiches Trauergefolge geleitete den Verstorbenen auf den hiesigen Friedhof, wo er auf seinen ausdrücklichen Wunsch bestattet wurde. Am Grabe schilderte Herr Rabbiner Dr. Schüler-St. Ludwig den Verlust der Familie und die Vor-