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Das jüdische Blatt · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 3. Das imfä* Statt 9 England. Im jüdischen Arbeiterverband hat die Frage der Sabbatruhe eine Spaltung hervorgerufen. Die Schneider nämlich, die den Sabbat halten, sind aus der allgemeinen Trade-Union herausgetreten und haben sich zu einer besonderen Union zusammengeschlossen. Die Ausgetretenen hatten das Verlangen an die jüdische Trade-Union gestellt, daß diese Schritte unternehme, um den Sabbat als wöchentlichen Ruhetag der sabbatfeiernden Schneider zur offiziellen Anerkennung zu bringen. Darob bei der Mehrheit des Verbands eine große Entrüstung. Die Mehrheit ist religiösen Meinungen abhold und verwarf den Antrag der Sabbattreuen. Die Abgewiesenen waren auch ihrerseits prinzipienfest, traten aus dem allgemeinen jüdischen Trade-Union aus und bildeten einen eigenen Verein. Diese Neubildung eregte den Mißmut der Führer. Mit Unwille sehen diese wie ihnen die Zügel der Bewegung aus den Händen gleiten. Sie beriefen eine Versammlung und setzten auf die Tagesordnung die Frage, welche Stellung der Verband der neuen Schomre-Schabbos-Union gegenüber einnehmen solle. Auf der Versammlung hielt man die Entrüstungsausbrüche nicht zurück. Man erklärte die neue Union als eine Zusammenrottung von zukünftigen Streikbrechern, bezeichnete sie geradezu als Streikfabrik, man rühmte dagegen die eigene Toleranz die man gegenüber allen Meinungen, religiösen und unreligiösen, geübt habe und die eigene Sachlichkeit, mit der man stets die Arbeiterinteressen allein vertreten habe, ohne die Religion in Betracht zu ziehen. Die neue Union wurde freundlichst mit den Christlich-Sozialen in Österreich auf eine Stufe gestellt und jede Berechtigung als Trade-Union wurde ihr aberkannt. Es wird sich bald zeigen, von welchem Stoffe die neue „Union" gemacht ist. An der Zeit ist es schon, den Machtgelüsten der Trade-Union einen Riegel vorzufchieben. Amerika. Das Alonlefiore-Heim in New-Zork. (Ein Zehnmillionenbau.) Eine jüdische Anstalt, deren Errichtung 10 Millionen Franken kostete, das neue Montefiore-Heim für chronische Invalide an der 208. Str. ist in festlicher Weise eingeweiht worden. Mehr als dreitausend Menschen wohnten der feierlichen Einweihung des neuen Montefiore-Heims für chronische Invalide an Jerome Ave. und 208. Str. bei, das mit einem Kostenaufwande von zwei Millionen Dollars errichtet worden ist. Jakob H. Schiff, der Präsident der Gesellschaft, hielt die Hauptrede; außer ihm sprachen Samuel Sachs, der Vorsitzer des Baukomitees, die Vizepräsidenten Henry Salomon und Leopold Stern, und der Sekretär Arthur D Wolf. Die neu errichtete Anstalt besteht aus sieben Gebäuden, die durch gedeckte Korridore verbunden sind, und ist für die Aufnahme von 250 Angestellten und 450 Patienten eingerichtet, doch kann die Zahl der letzteren durch Aufstellung von mehr Betten bedeutend gesteigert werden. „Das Hospital," sagte Herr Schiff in seiner Rede, „ist ein Denkmal des Fortschritts und der Aufklärung unserer jüdischen Bevölkerung, es wird für immer dem Gedächtnis früherer großer Unternehmungen, die mit dem Judentum New-Porks untrennbar verknüpft find, gewidmet fein." Bei der Errichtung der Anstalt sind die allermodernsten Errungenschaften der Wissenschaft und der Technik verwertet worden. Eines der Gebäude ist ein 320 Fuß langer und nur zwei Stock hoher Pavillon, der für die Aufnahmen von Lungenkranken bestimmt ist. Dr. Siefried Wachsmann ist Oberarzt und Superintendent der Anstalt. Bei der Feier waren viele hervorragende Persönlichkeiten zugegen, u. a. George B. Berheim, Mitchell L. Erlanger, Benedikt I. Greenhut, Salomon R. Guggenheim u. v. a. Korrespondenzen. - Elsatz-Kathringen. r. Slraßburg. Jüdische Studentenvereine. Die jüdischen Studentenvereine sind dieses Jahr noch nicht sehr an die Öffentlichkeit getreten. Der Verein Jüd. St., der noch vor zwei Jahren blühte, macht eine innere Krise durch, da er dieses Jahr nicht offiziell eröffnet hat. Man spricht sogar davon, daß er aus dem B. I. C. (Bund Jüd. Korporationen) ausgetreten fei. Der V. I. A. vereinigt jede Woche eine Anzahl jüngerer und älterer Studenten, neben §em geselligen Teil wird eifrig Thorastudium und abwechselnd Vorträge gehalten. Neu eröffnet ist auch bei uns feit einiger Zeit ein zionistischer Verein Rabbi Akiba, der eifrig tätig ist, besonders da jetzt die Sprachenfrage akut geworden. Mit den Beschränkungen der Ausländer, hat auch die Zahl der Russen abgenommen. Bottweiler. Theodor Grumbach wurde am Sonntag zu Grabe getragen. Nur 4 Monate ist ihm seine Frau vorangegangen. Damals, alleinstehend, ist er im Hospital in Mülhausen ausgenommen worden. Nicht lange konnte er der Ruhe genießen. Die Chewroh von Bollweiler erwies ihm als ehemaligem langjährigem Mitglied die letzte Ehre. In ihrem Namen sprach Rabb. Dr. Weil am Grabe einige Worte des Abschieds. Colmar. In der letzten Sitzung des Konsistoriums wurde Beschluß gefaßt über die Verleihung der Tugendpreise aus der Michel und Fanny-Weil-Stiftung. Dieselben wurden einstimmig zuerkannt an Frau Wwe. Joseph Schwab aus Markirch und Herrn Simon Deutsch aus Mülhausen. Colmar. Der hiesige Ober-Rabbiner wird am kommenden 7. Februar sein 50jähriges Amtsjubiläum feiern. Diedenhofen. Der hiesige Literaturverein feiert im Februar sein zehnjähriges Stiftungsfest. Die nötigen Vorbereitungen sind schon dazu getroffen worden. Hagenau. Gestern abend fand im großen Saale des Hotels „Zur Traube" eine Generalversammlung des Jugendbundes statt. Es handelte sich hauptsächlich um die Mitteilung des Jahresberichtes und die Neuwahl des Vorstandes. Obschon der bisherige Präsident, Herr Lehrer Picard, infolge seiner vielfachen Obliegenheiten meinte, die Leitung der Vereinsabende nicht mehr führen zu können, wurde er per Akklamation wiedergewählt. An Stelle des Herrn Wurtzburger, zweiten Vorsitzenden, der eine Wiederwahl ablehnte, wurde Herr Bernard Levy gewählt. Beide nahmen die Wahl dankend an. Als weitere 5 aktive und 2 passive Vorstandsmitglieder wurden gewählt die Herren Edmond Loeb, Leon Lemmel, Theophile Metzger, Lucien Weill, Fernand Weill, Samuel Weill, Würzburger. Der Verein zählt heute 145 Mitglieder, ist also um 10 gestiegen, was sehr erfreulich ist. Es sind 160 Bücher vorhanden und es werden im Laufe des kommenden Jahres neue Bücher angekauft. M. W. Haymgen. Diese Woche fand hier unter Vorsitz des Gemeindevorstandes, Herrn Braun, eine Versammlung statt, in der Herr cand. med. Löw aus Straßburg in anschaulicher und außerordentlich übersichtlicher Weise über die Lehren des Beilisprozesses sprach. Schlicht, herzbewegt und herzbewegend zeigte er dem zahlreich erschienenen Auditorium ein eindrucksvolles Bild der verzweifelten Lage der Juden im fernen Osten. Der Welt- V l c

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