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Das jüdische Blatt · 1914-01-16 · 3 (16.1.1914) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
3 (16.1.1914)
Date
1914-01-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3. 7 Das jüdische Slatt. Männer erlassen, Geldbeiträge zu stiften um ihn in den Stand zu setzen, die Nachforschung nach den wahren Mördern Justinski's erfolgreich anzustellen, damit die Legende des Ritualmords, die eine Schmach für Rußland fei, endlich umgebracht werde. Merkwürdigerweise hat sogar die Now-Wremje diesen Aufruf gebracht. Aus aller Wett Frankreich. Die Kampagne Greens für die rumänischen Juden. Mr. Henri Green, ein bekannter amerikanischer Führer jüdischer Interessen in Amerika befindet sich seit einigen Wochen in London, um seinen in Aussicht genommenen Kongreß zugunsten der Juden in Rumänien vorzubereiten. Er war der erste, der die Kampagne wegen der russischen Paßfrage in Amerika ausgenommen hat, eine Kampagne, die zur Kündigung des Handelsvertrags mit Rußland geführt hat. Seit vorigen Sommer hat nun Mr. Green begonnen, in Amerika und Europa eine Agitationsreise für die Gleichberechtigung der rumänischen Juden zu unternehmen. Zu diesem Zwecke wurde ein internationales Komitee gegründet, dem sich berühmte Politiker wie Clemenceau in Frankreich, Luzatti in Italien, Balfour in England angeschlossen haben, außerdem eine Anzahl bekannter Männer in Amerika, Juden und Christen. In London hatte Mr. Green bereits Besprechungen mit verschiedenen Politikern, die der Sache sympathisch gegenüberstehen. Green ist der Meinung, daß auf die rumänische Regierung in bezug auf die Lösung der Judenfrage kein Verlaß ist. Die letzten Tumulte der Antisemiten, Prügeleien von Juden und der progromfurchterweckende Terrorismus, die in Rumänien sich häufen, beweisen zur Genüge, wie gern die rumänische Regierung diese Es war ein jüdischer Hausierer aus dem Orte, der, vom späten Geschäftsgänge kommend, vorsichtig den Weg hinabtastete. Er vernahm die Hilferufe; ganz nahe. Nun nochmals. Er lauschte^ auf. „Wer er auch sei, helfe er mir um aller Barmherzigkeit willen!" Die Stimme kam dem Wanderer so bekannt vor. „Wer braucht Hilfe?" Im Bewußtsein, einen Menschen wieder vor sich zu haben, vielleicht gar einen Untertanen, fingen Gnaden an, grob zu werden. „In drei Teufels Namen, helf er mir! Gehts ihn denn etwas an, wer hier liegt! Gleich mache er, daß er herunterkommt!" Nun war der Rufer erkannt; aber der Schalk stand hinter dem Juden. „Nun, es kann ja sein, daß ein Dieb ein Räuber oder gar ein Mörder sich da versteckt hält und mir, wenn ich hinunterkomme, meinen Pack wegnimmt; vielleicht will er mich umbringen. Wer mir seinen Namen nicht sagt, dem helfe ich auch nicht." „Nun Jud, so helfe er dem Landrichter!" . „Halten zu Gnaden, Herr Landrichter sind ein großer, starker Mann, ich nur ein schwacher Jud; ich will schnell in das Dorf laufen und Leute zur Hilfe rufen." „Halt er sein Maul und bleib er da auf seinen schlechten Beinen; und schnell herunter, daß ich mich nur ein wenig auf ihn stützen kann, da ich mir die Beine verstaucht habe. Aber Leute herausholen, das will ich nicht, das läßt er bleiben; einen solchen Aufruhr darfs nicht geben!" antisemitische Hetze benützt, um zu beweisen, daß die Volksstimmung gegen die Juden ist. Ohne Zwang von außen wird die rumänische Regierung nie Zugeständnisse in dieser Frage machen. Das zu bildende Komitee wird daher, nach Greens Meinung, seine Haupttätigkeit darin zu erblicken haben, auf andere Regierungen einzuwirken, damit diese ihren Einfluß zugunsten der rumänischen Juden geltend machen. Und dies wird nur durch eine energische und andauernde Bearbeitung der öffentlichen Meinung zu erreichen sein. Mr. Green ist nach Europa gekommen, um einen internationalen Kongreß wegen der Judenfrage in Rumänien vorzubereiten. Dieser sollte am 23. Januar 1914 im Hotel „Bristol" in Berlin stattfinden. Während seines Aufenthalts in England wandte sich Green an die großen jüdischen Hilfsgesellschaften Europas, mit dem Ersuchen, ihn in seinen Beratungen um einen Kongreß zu unterstützen. Diese haben ihm indessen die in Nr. 1 wiedergegebene Absage gegeben. In Amerika hat Mr. Green mehr Verständnis gefunden. Dort waren bereits einige Delegierte für den in Aussicht genommenen Kongreß bestimmt, die Mitglieder des amerikanischen Abgordnetenhauses Chandler, Goldvogel, Harman (früher Gouverneur in Ohio), William Hurst, Oberrichter Henri Alson, Penipakes (früher Gouverneur in Pennsylvanien), Richter Sulzberger und andere. Das Mitglied des amerikanischen Kongresses, Chandler, hat im Parlament einen Antrag eingebracht, durch den die amerikanische Regierung aufgefordert wird, sich offiziell an die europäischen Regierungen mit dem Ersuchen zu richten, auf Rumänien einen Druck auszuüben, damit dieses den Juden die Gleichberechtigung gewähre. Dieser Antrag ist der Annahme durch eine erdrückende Mehrheit sicher. In Amerika scheint in jüdischen Kreisen der feste Wille zu bestehen, nicht zu ruhen, bis die Judenfrage in Rumänien ihrer Lösung entgegengebracht ist. Eher werden die Leiden, denen die Juden dort ausgesetzt sind, kein Ende nehmen. „Wenn Gnaden keinen Aufruhr machen wollen, so will ich schnell laufen und holen Ihre Gestrengen, die Frau Landrichter." „Reiten euch ver.Juden alle Teufel, daß er nun auch noch ihre Gestrengen, die Frau Landrichter, meine Frau, holen will. Ich befehle ihm jetzt, sogleich herunter zu kommen, sonst lasse ich ihn krumm schließen, daß er keinen Himmel und keine Synagoge mehr sieht." Allmählich verflogen sich die schalkhaften Gedanken und seine schwerste Sorge fiel dem Juden wieder ein. Er war verlobt und hatte schon um Aufnahme in den Schutz nachgesucht. Da starb plötzlich sein zukünftiger Schwiegervater und die Hinterlassenschaft war nicht so groß, daß seine Braut, wenn sie nicht Mutter und Geschwister schwer schädigen würde, soviel Vermögen erhielt, als Vorbedingung war zur Aufnahme. So war guter Rat teuer; er — der Bräutigam — verdoppelte nun seine Anstrengung, gönnte sich bei Tag und Nacht keine Ruhe; durch rastlosen Fleiß wollte er das ziemlich hohe Fehlende sich abkargen. Sollte ihm nun plötzlich die Notlage des Landrichters als Hilfe aus der eigenen Bedrängnis gesandt worden sein! Wenn er es einmal versuchte! Kläglich fing er nun an: „Wenn ich mich aber doch täusche und es ist nicht Gnaden Herr Landrichter, der da unten liegt. Weiß ich immer noch nicht, was er dann mit mir armen Juden vor hat! Gnaden zu helfen, würde ich mich nicht einen Augenblick besinnen. Aber ich frage mich, wie kommen Seine Gnaden denn vom Wege ab und so spät am Abend?" C - r

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