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Das jüdische Blatt · 1914-01-09 · 2 (9.1.1914) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2. Das jüdische Matt 9 Preutzen. Der Sprachensireil in Palästina. Vom Zionistischen Aktionskomitee wird uns mitgeteilt: Die vom Hilfsverein der Deutschen Juden verbreitete Darstellung der Vorgänge in Palästina entspricht in mehreren wesentlichen Punkten nicht den Tatsachen: Zunächst ist es nur formell richtig, wenn erklärt wird, daß in dem Programm des Hilfsvereins nicht das Geringste geändert worden sei, denn in diesem Programm ist die Unterrichtssprache überhaupt nicht festgelegt, und das Programm brauchte also auch jetzt nicht geändert zu werden. Objektiv unwahr dagegen ist es, wenn behauptet wird: „Nicht eine einzige Unterrichtsstunde, die in hebräisch erteilt wurde, ist in eine deutsche umgewandelt worden." Demgegenüber stellen wir fest: In der Lämelschule, im Lehrerseminar und auch in der Mädchenschule in Jerusalem, ebenso wie in der Knabenschule in Jaffa wurden bis vor kurzem die meisten mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer in hebräischer Sprache gelehrt, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Bezüglich des Technikums ist die Erklärung des Hilfsversins, die „hebräischen Fächer" würden in hebräischer Sprache unterrichtet werden, völlig belanglos, da sich der Streit eben um die Unterrichtssprache in den allgemeinen Fächern dreht. Ferner ist es u n r i ch t i g, wenn behauptet wird, die Entscheidung darüber, ob Geschichte, Geographie, Zeichnen usw. in deutscher oder hebräischer Sprache unterrichtet werden soll, sei vertagt worden. Richtig ist dagegen, daß ein Kompromißantrag, der für Geschichte und Geographie die hebräische Unterrichtssprache vorsah, vom Kuratorium a b g e l e h n t worden ist. Demnach ist es durchaus kein „Märchen", daß der Hilfsverein auf seinen Anstalten das Hebräische mehr und mehr zurückgedrängt hat. Wie sollten auch die ältesten und bewährtesten Lehrer des Hilfsvereins, darunter der Direktor des Lehrerseminars, die doch die Verhältnisse am besten kennen, sich durch ein „Märchen" zu Schritten verleiten lassen, die sie aus Amt und Brot bringen. Wir geben aber die Hoffnung nicht auf, daß infolge einer besseren Information über die Lage der Dinge in Palästina den berechtigten Beschwerden der palästinensischen Bevölkerung Rechnung getragen werden wird. Hottenbach. Ein Opfer des Schneesturmes ist unser alter Lehrer Aron geworden. Die zwischen Schauren und hier verkehrende Post fand den Bedauernswerten im Schnee erstarrt. Tags zuvor hatte er sich zur Besorgung von Aufträgen nach Rhaunen begeben. Auf dem Heimwege geriet er in den tiefen Schnee und das heftige Schneetreiben, so daß ihn die Kräfte verließen und er hilflos den Erstarrungstod fand. Bayern. Monat Dezember in Fürth. Der Monat Dezember ist nun einmal zum Vereinsmonat gestemplt, weil da die meisten Vereine ihre Generalversammlungen abhalten, um denselben Aufschlüsse über die Vereinstätigkeit zu geben. So hatten diese bei der Israel. R e a l s ch u l e, dem Auhawe-Thora-Verein, Verein zur U n t e r st ü tz u n g israel. Durchreisenden (jetzt Israel. Hilfsverein) usw. stattgefunden. Bei dem Ernste der Arbeit wurde jedoch das Vergnügen nicht vergessen, bietet doch die Chanukkahfeier die beste Gelegenheit hiezu. So hatte am 29. Dezember abends der Verein „Teschuoh" eine wohlgelungene Chanukkahfestlichkeit mit reichhaltigem Programm, das künstlerisch durchgeführt wurde. Sodann der 30. Dezember als Schluß der Chanukkahfeiern, kann erst recht der Tag der Feier genannt werden, in welchem das Kehillaleben wieder erwacht. Mittag 2A Uhr wurde dank einem gebildeten Damenkomitee zu diesem Zweck ein äußerst gemütliches Kinderfest gefeiert. Und wirklich, es lachte einem das Herz, die freudigen und fröhlichen > Kindergesichter zu beobachten. Begonnen wurde es mit allen möglichen Kindervorträgen, Aufführungen, von welchen besonders das vorzüglich einstudierte Reigenspiel von ca. 20 Kindern hervorzuheben ist, und war alles zum Spaße der Kinder und Erwachsenen bestens gelungen. Sodann bekamen ca. 250 Kinder, Knaben und Mädchen von 4—15 Jahren, Kaffee und Kuchen in Hülle und Fülle, ob deren Servierung sich ca. 30—40 verheiratete Damen und junge Dämchen sehr verdient gemacht. Es war zum Staunen, wie rasch die große Kinderschar bedient wurde. Darauf bekamen sämtliche Kinder durch Verlosungsmodus Geschenke von Spiel- oder praktischen Sachen, stets dem Alter der Kinder angepaßt. Den Schluß dieser von den jungen Gästen mit Begeisterung aufgenommenen Feier bildete das Entzünden der acht Chanukkahlichter mit darauffolgendem Gesang von Moaus zur Jeschuofi; dann gingen alle Kinder mit vergnügten Gesichtern nach Hause. Anreihend hieran fand für die Erwachsenen abends 8A Uhr eine hübsche Chanukkahfeier, veranstaltet von dem Vereine ehemaliger Schüler der israel. Realschule statt, der für die Regie der Aufführungen den berühmten Sänger, Herrn I. Nemeskei, engagiert hatte. Auch diese Feier fand den Beifall aller Teilnehmer. Die Würze dieser Aufführungen bildete die Aufführung von „Chanukkahfreude", verfaßt von Frau Dir. Dr. Feilchenfeld, darstellend Chanukkah und die bekannten „Trenderle" in lebenden Bildern. Abgesehen von den selbstverständlich vorzüglichen Gesangsleistungen des Herrn Nemeskei, verdient besonders anerkannte Erwähnung der meisterhafte Vortrag „Heimat in der Fremde" durch Fräul. E. Feilchenfeld. Auch soll der „Wahre Jakob aus Amerika" nicht vergessen werden, welcher d^rch seine humorvolle Marktschreierei der Vereinskasse zur Bestreitung des Festabends ein nettes Sümmchen zuführte. Bis zur Mitternachtsstunde blieben die in reichlichem Maße wohlverdienten Beifall spendenden Gäste bei dem Feste, das ihnen allen eine freudige Erinnerung lassen wird. vol(Mis beanspruchte sodann auch die Jugend die Erfüllung ihrer Forderung und beschloß das Fest mit fröhlichem Tanze; allerdings eine Forderung, welche der fromme Jude früher nicht gekannt, und der trotz ollen guten Vorhabens, dem wahren jüdischen Leben zu huldigen, nicht das Recht zugesprochen werden kann. Immerhin haben die Veranstaltungen jüdischer Festlichkeiten das eine Gute, daß man auch in Fürth wieder beginnt, das berühmte jüdische Zusammensein mehr zu pflegeu, welches von jeher den Kernpunkt Israels bildete. I.. Fürth. Leider ist wieder eine Säule gefallen. Herr Isaak F a r n t r o g ist am 29. Dezember verschieden. Mit ihm hat ein Mann aus der alten;p'p Fürth ein Leben geendet, der aus der Zeit erzählen konnte, in welcher sich in Fürth noch berühmte Gelehrte aufhielten. Zu diesen zählte besonders auch dessen Vater, Rabbi David Farntrog p'^p, der mit seinem Namen ein Manusakturwarengeschüft hatte, in Wirklichkeit sich aber Tag und Nacht dem Studium unserer heiligen Thora widmete. Gleich dem Vater hatte sich der verlebte Sohn Isaak, wenn auch der veränderten Geschäftsverhältnisse wegen, nicht mit dem Studium selbst ebenso befassen zu können, doch stets zur Aufgabe gemacht, alles was Thorastudium heißt, zu unterstützen. Nicht minder sorgte er auch für die Armen und das alles in der Weise, daß eine Hand nicht wußte, was die andere an Wohltätigkeit getan hat. Er war ein strenger Jehudi im wahren Sinne des Wortes, und zeigt sich das auch am Leben seiner erwachsenen Kinder, welche ohne Ausnahme fromme Jehudim find. Möge der Verblichene den Lohn in jener Welt erhalten, für das Gute, was er in dieser Welt geschaffen. L.

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