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Das jüdische Blatt · 1914-01-09 · 2 (9.1.1914) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das Mische Blatt. Nr. 2. genommenen Vortrag ausführlichen Bericht über den Halberstädter Delegiertentag. Nach einigen Worten der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herr Rabbiner Buttenwieser, sprach der Referent zuerst, über sein eigentliches Thema hinausgehend, über das Wesen des Agudismus. Das jüdische Solidaritätsgefühl, das in früherer Zeit durch den Anschluß an die Ortsgemeinde vollauf seine Befriedigung fand, mache in unserer Zeit der internationalen Bewegungen eine große Organisation zum dringenden Erfordernis, die alte Aufgabe, die nicht an den Einzelnen, sondern an die jüdische Gesamtheit herantreten, im Geiste der Thora zu lösen habe. Die A.-J. ist deshalb nicht etwa nur ein Verein, wie alle andern, sie ist vielmehr eine weltumfassende Bewegung. Ihr anzugehören ist eine Pflicht des religiösen Juden. Redner wies sodann im einzelnen die Notwendigkeit der A.-J. nach und sprach über die wichtigsten Punkte ihres Programms, namentlich die Pflege der rnipH Sodann erzählte er von Halberstadt. Redner dachte früher nur mit Zurückhaltung und Skepsis an die Zukunft des A.-J. Halberstadt habe ihm aber gezeigt, wie tief und ausgedehnt sie schon überall Wurzel geschlagen habe und wie sie sich in verhältnismäßig kurzer Zeit und trotz großer Schwierigkeit zu einem Faktor entwickelt habe, mit dem man heute rechnen müsse, der nicht mehr mit Stillschweigen übergangen werden könne. Nachdem auch die organisatorische Gestaltung der A.-J. dargelegt war, kamen die lokalen Verhältnisse der A.-J.- Ortsgruppe zur Sprache, die auch in der lebhaften Diskussion, die sich an den Vortrag anschloß, eifrig erörtert wurde. Die klaren Ausführungen des Redners hinterließen einen nachhaltigen Eindruck bei den Zuhörern und haben der jungen Bewegung manchen neuen Freund zugeführt. 8 Vergheim. Nach zweimonatlicher Vakanz ist die hiesige Kantorstelle dem Herrn E. Falk aus Gerstheim übertragen worden. Forbach. Dem Handelsmann Adolf Herz von hier wurden verschiedene Wertsachen bei einem Einbruch gestohlen. Merkwürdigerweise fand H. sein Eigentum wenige Tage später auf freiem Felde in einer Schneewehe wieder. Metz. Nach langjährigem schwerem Leiden verstarb hier im Alter von 56 Jahren die durch ihr sympathisches Wesen und durch ihr edles Herz allgemein beliebte und hochgeschätzte Frau Eugene Fribourg, deren höchstes Streben war, ihren Gatten in seinen philantropischen Werken tatkräftig zu unterstützen. Ein großer Leichenzug begleitete die edle Verschiedene bis zum Friedhofe. Dort hielt am offenen Grabe Oberrabbiner Dr. Netter eine formvollendete und ergreifende Leichenrede, nach welcher Dr. Bloch- Oberehnheim im Namen der Familie einige Worte des Abschiedes sprach. Möge der Allmächtige den tiefgebeugten Gatten und die trauernden Schwestern trösten. Metz. Die Jeunesse Jsraulite, der Wohltätigkeitsoerein der Israel. Jugend beging gestern in feierlicher Weise sein 75 jähriges Jubiläum. Am Vormittag besuchten zahlreiche Mitglieder das Grab Emanuel Lamberts, der im Alter von 13 Jahren im Jahre 1839 den Verein ins Leben rief und kaum 18 jährig im Jahre 1811 gestorben ist. Nachmittags fand die Hauptfeier in der mit Tannengrün und Blattpflanzen geschmückten Synagoge statt. Auf der Tribüne nahm der langjährige Präsident, Herr Hannaux, Präsident des Konsistoriums, die Mitglieder des Konsistoriums und 8 jugendliche Paare Platz. Nach den üblichen Gebeten und mehreren Gesangsvorträgen, unter denen besonders das Halleluja von Halevy auf die dichtgefüllte Synagoge, darunter viele Andersgläubige, großen Eindruck machte, hielt Herr Oberrabbiner Dr. Netter eine eindrucksvolle französische Ansprache über die Charitas und Barmherzigkeit, die immer im jüdischen Volke eine Heimstätte gefunden. Bezugnehmend auf das 75 jährige Stiftungsfest erinnerte er daran, wieviel Gutes im Verlauf der Jahre gestiftet worden sei, wieviel Unglückliche, Arme und Verschämte Unterstützung, Aufmunterung und Rettung gesunden hätten. Auch der verstorbenen Mitglieder wurde ehrend gedacht. Zum Schluß forderte er die Mitglieder auf, diesen Wohltätigkeitssinn weiter zu bewahren und auch die hohen Bürgertugenden, Nächstenliebe, Güte und Gerechtigkeit immer zu üben. Die Ansprache klang aus in den Wunsch, die Zukunft des Vereins möge seiner glorreichen Vergangenheit ähnlich sein. Danach fand eine Kollekte zum Besten des Vereins statt durch folgende vier Paare: Frl. Gougenheim und Herr See, Frl. Sambert und Herr Oungre, Frl. Marguerite Lazard und Herr Rene Cahen, Frl. Pauline Lion und Herr Armand Israel. Nächsten Sonntag findet der gesellige Teil, großer Ball mit den üblichen Feierlichkeiten, statt. rNeh-Sablon. In voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit begingen am Montag, den 29. Dezember, Herr Heinrich I s a a c und Frau Rosalie, geb. Nathan, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Eines Trauerfalls in der Familie wegen wurde es in aller Stille gefeiert. Das „Brautpaar" hatte aber die Freude, alle Kinder und Enkelkinder um sich versammelt zu sehen. Bereits am Sonntag wurde den Jubilanten vom Bürgermeister die übliche Auszeichnung überreicht. Wir wünschen dem wackern Paare, auch die diamantene Hochzeit in gleicher Rüstigkeit feiern zu können. Mülhausen. Am 28. Dezember veranstaltete der „Jüdische Wanderbund Mülhausen" eine Chanukkahfeier. Es war das erstemal, daß der genannte Verein in die weitere jüdische Oeffentlichkeit trat und es kann vorweg gesagt werden, daß sein Debüt äußerst erfolgreich war. Die Veranstaltung ist in jeder Beziehung als gelungen zu bezeichnen. Man verspürte, daß sämtliche Mitwirkende mit Begeisterung die thnen zugedachten Aufgaben erfüllten, und diese Begeisterung teilte sich auch der über 500 Personen zählenden Zuhörerschaft mit. Eine stolze Freude durchzuckte jeden, als eine Gruppe von 12 jungen Wanderern — unter fünfzehn Jahren — mit dem jüdischen Marschlied: „Wohlan, laßt das Sinnen und Sorgen" in voller Marschausrüstung aufzogen und in einem improvisierten Lagerleben dem Publikum die Reize des Wanderlebens schilderten. Wohl mancher ließ da die Vorurteile fallen, die er vielleicht gegen die Bestrebungen des Vereins noch hegte. Man fühlte geradezu, welch segensreichen Einfluß auf Leib und Herz unserer Jugend gemeinsame Wanderungen ausüben müssen. Auch die übrigen Darbietungen hielten sich auf einer anerkennenswerten Höhe und werden sicher dazu beitragen, dem Verein neue Gönner und Mitglieder zuzuführen. Der Verein, der während seiner bisherigen achtmonatlichen Existenz in ungefähr 60 Wanderungen mit seinen Mitgliedern die nähere und weitere Umgebung Mülhausens durchstreift hat. beabsichtigt die Gründung eines eigenen Heims, um hier in Vorträgen, Diskussionen und gemeinsamer Lektüre auch einen gelftigen Zusammenschluß seiner Anhänger herbeizuführen. Die Erfüllung dieses Teiles des Vereinsprogramms hängt vorerst von der Geldfrage ab, die hoffentlich in Bälde durch eine genügende Zahl von Ehrenmitgliedern gelöst wird. Bei der während der Feier gezogenen Tombola haben folgende Losnummern gewonnen: 11, 71, 73, 101, 105, 120, 131, 181, 196, 203, 218, 257, 259, 270, 271, 271, 318, 319, 366, 367, 381, 389, 393, 122, 128, 118, 152, 155, 528, 511, 576, 631, 671, 679, 681, 688, 695, 736, 757, 763, 770, 778, 783, 811, 813, 811, 858, 876, 905, 926, 918, 950, 1008, 1012, 1017, 1031, 1039, 1079, 1105, 1119, 1133, 1112, 1151, 1159, 1162, 1161, 1173, 1176, 1187, 1217, 1221, 1225, 1231, 1217, 1219, 1250. Die Gewinne können bis zum 28. Januar bei Herrn Renu Willard, Wildemannstraße 1, abgeholt werden. Nach diesem Zeitpunkt verfallen die Gegenstände dem Verein.

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