Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2. Das indische Klatt 5 Deutschland. Der 6. Lehrerverbandslag. In Breslau in der Lessingloge wurde am Sonntag, 28. Dezember, nachmittags 4 Uhr, der 6. Lehrerverbandstag eröffnet. Ein wichtiger Gegenstand der Tagesordnung war die Frage des Verhältnisses des Lehrerverbandes zum Gemeindebund. Die Ablehnung des Gemeindebundes, für die Errichtung der jüdischen Volksschulen allgemein einzutreten, hatte zu einem Streite zwischen Lehrerverband und Gemeindebund geführt. Eine kurze Zeit war der Ausschuß des Lehrerverbandes in Kampfstellung zum Gemeindebund. Auf dem Lehrertag hat sich der vorausgefagte Kampf in Wohlgefallen aufgelöst. Der Lehrerverband verzichtet zwar auf die 1800 Ji betragende Subvention des Gemeindebunds und auf dessen Vertretung im Verbandsvorftand, aber er hat trotzdem eine Resolution angenommen, in der der Wille ausgesprochen wird, in Arbeitsgemeinschaft mit dem Gemeindebund zu bleiben. Ein anderer wichtiger Gegenstand der Verhandlung war die Frage von der rechtlichen Stellung des jüdischen Religionslehrers und des jüdischen Religionsunterrichts. Bei dieser Gelegenheit haben Referenten aus Preußen die Herbeiführung eines Organisationsgesetzes für sämtliche jüdische Gemeinden Preußens gefordert. Die Forderung wurde aber fallen gelassen, da sie in den Bereich der Tätigkeit der Gemeinden gehöre. Viel besucht wurde die Lehrmittel- und Jugendschriftenausstellung. Außer den bekannten hebräischen Buchhandlungen — von den auswärtigen I. Kauffmann, Frankfurt a. M. — haben die jüdischen Lehranstalten und die an der Ausbildung der jüdischen Jugend interessierten Gesellschaften Gegenstände ausgestellt, so die Alliance Israelite Universelle Karten und graphische Darstellungen zur Veranschaulichung der Ausdehnung ihres Schulwerks, ebenso der H i l f s - verein der deutschen Juden Schulbücher und Schülerhefte, Stundenpläne in hebräischer Sprache, Erzeugnisse des Handfertigkeitsunterrichts, Photographien aus dem Schulleben u. dgl. Die Kultusgemeinde Wien stellte die Bücher aus, die beim Religionsunterricht in Wien in Anwendung kommen, das Blindeninstitut Steglitz bei Berlin drei große Bände, das Lehrgut Steinhorst, die Erziehungsanstalt Ahlem und das Landhaus Schwelm ihre Lehr- und Bildungsmittel, Papparbeiten und Metallwerke. Die Ausstellung fand allseitige Anerkennung. Der Lehrertag war trotz der großen Entfernung Breslaus ziemlich gut besucht. Auch die Breslauer städtische Schulverwaltung entsandte zwei ihrer Schulinspektoren zur Teilnahme an den Verhandlungen. Die jüdische Gemeinde Breslau war durch zwei ihrer Repräsentanten vertreten, Sanitätsrat Dr. R e i ch und Prof. Tr. W o h l a u e r, und hat auch sonst in jeder Weise sich bemüht, den Teilnehmern am Lehrertage eine würdige und angenehme Aufnahme zuteil werden zu lassen. Die Vorversammlung am Sonntag abend wurde von Lehrer B a ch r a ch, Altona, eröffnet, der die Ausstellung von Jugendschriften und Lehrmitteln besprach, worauf diese besucht wurde. Direktor Dr. Alexander (Peine), der Leiter des Simonschen Seminars, hielt einen Vortrag über Arbeitsunterricht und Lehrerbildung, Lehrer Schweitzer- Glogau über das Thema: Wie sollen wir die Bibel lesen?, Hauptlehrer Rothschild- Eßlingen über die Frage: Nach welchen Gesichtspunkten sollen Jugendschristen jüdischen Inhalts beurteilt werden? Während die Vorträge in der Leffingloge gehalten wurden, tagten die Kommissionen in der Reljgionsschule I. Um 9 Uhr abends fand dann im großen Saale der Lessingloge ein Begrüßungsabend statt. Die öffentliche Hauptversammlung begann am Montag 29. Dezember, 10 Uhr vormittags. Rach dem Chorgesang: „Singet dem Herrn ein neues Lied" und nach Bildung des Bureaus und Ausbringung des Kaiserhochs eröffnete Rektor Feiner- Hamburg die Verhandlungen mit einer Schilderung der bisherigen Erfolge des Lehrerverbands, der auf eine 18 jährige Wirksamkeit zurückblicke. Der Verband sei durch die letzte Frankfurter Tagung kräftiger und zuversichtlicher geworden. Jetzt habe der Verein jüdischer Elementarlehrer Elsaß- Lothringens seinen Anschluß spätestens zum nächsten Verbandstage zugesagt. Der Lehrer sei der berufene Mitarbeiter an der Volksbildung und Kulturentfaltung. Besonders der jüdische Lehrerstand habe aber unter wirtschaftlicher und persönlicher Unfreiheit zu leiden. Es sei daher unabweislich, dem jüdischen Lehrerstande wenigstens die Rechte zuzubilligen, die die allgemeine Gerechtigkeit verlangt. Dann kamen die Vertreter fremder Körperschaften zum Wort, Stadtschulinspektor K i o n k a, der Vorsitzende der Synagogengemeinde Breslau Eduard Sachs, der Vertreter der Repräsentanten dieser Synagogengemeinde Prof. Dr. W o h l a u e r, im Namen des jüdisch-theologischen Seminars Dr. B r a n n, int Namen der Gemeindeverbände Breslau-Liegnitz und Oberschlesien Dr. R e i ch, für die Lessingloge Waisenhausdirektor Fabian, für den österreichisch-israelit. Religionslehrerverband und die israelitische Kultusgemeinde Wien Breuer- Wien, Redakteur, für die Alliance Israelite Universelle Dr. Markus Berlin, für den jüdischen Frauenbund Frau Direktor Fabian. Lehrer Steinhardt- Magdeburg teilte mit, daß die Lehrerunterstützungskasse „Ahawa" zu ihrem 50 jährigen Jubiläum einen Fonds zn einem Lehrerheim zu errichten gedenke, Rabbiner Dr. L e v i sprach für die Breslauer Religionsunterrichtsanstalten. Dann wurde das Verbandsthema: Die rechtliche Stellung des jüdischen Religionsunterrichts und des jüdischen Religionslehrers in Angriff genommen. Sieben Referenten waren für dieses Thema bestellt aus allen Gegenden Deutschlands, aus Elsaß-Lothringen H. Frank- Großblittersdorf. Der erste Redner war Lehrer Bloch- Halberstadt. Er verlangte, daß der jüdische Religionsunterricht überall obligatorisch gemacht werde. Der Staat betrachte in vielen Fällen die jüdische Gemeinschaft als „öffentlich geduldet", nicht als „ausdrücklich ausgenommen", und bedenke daher die jüdischen Gemeinden mit Unterstützungen für den Religionsunterricht nicht in gleicher Weise wie die christlichen. Eine empfindliche Zurücksetzung für den jüdischen Lehrer liege darin, daß er in öffentlichen Volksschulen vom Unterricht in „Deutsch und Geschichte", dem sogenanntert „Gesinnungsunterricht", ausgeschlossen sei. Nach dem Frühstück sprach noch über dieses Thema M a n n - heim- Graudenz. Er verlangt, der jüdische Religionsunterricht solle nur von geprüften Elementarlehrern erteilt werdett, wenigstens solle eine staatliche Kommission über die Befähigung des Religiotislehrers entscheiden. Das Kündigungsrecht der Gemeinden müsse insofern eingeschränkt werden, daß es der Bestätigung des Regierungspräsidenten unterliege. Ein Organisationsgesetz sei erforderlich, durch welches die Lehrer zu mittelbaren Staatsbeamten würden. Die geschlossene M i t g l i e d e r v e r s a m m l n n g folgte dann gegen 4 Uhr und dauerte bis 8 Uhr. Hier war nach