Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 2 (9.1.1914)
- Date
- 1914-01-09
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9052070-9097324-9052969--0906-9052971- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 Das jüdische Statt Nr. 2. jenem geweihten Boden ruhenden Ahnen gelebt und gewirkt, gestrebt und gekämpft haben. Er wollte verhindern, daß seine Nachkommen das Pharaonenland als ihre eigentliche Heimat betrachten, bewirken, daß sie nicht in der Masse jenes Volkes untergehen, in welchem liebloser Kastengeist, roher Götzendienst und Sittenlosigkeit die Herrschaft führen. Und mit diesem seinem letzten Wunsche wendet er sich an seinen so lange schmerzlich ersehnten Lieblingssohn Joseph, der dem sterbenden Vater das feierliche Versprechen gibt: „Ich werde tun nach deinem Worte, ’Qjtf ich werde dich an die Stätte bringen, die du dir zur ewigen Ruhe erfreu." Aber auch i ch werde tun nach deinem Worte und deinem Beispiele, mein Vater, folgen, auch meine letzte Sorge wird es sein, dort in jenem geweihten Boden zur Ewigkeit einzugehen, denn a u ch m i ch zieht es mit Herz und Seele hin nach dem Lande der Verheißung, dem einstigen Quellpunkte aller Religion und aller göttlichen Erleuchtung. — Und diesen beiden biblischen frommen Vorbildern folgten im Laufe der Zeiten gar viele hervorragende Männer unseres Volkes, in Palästinas geweihter Erde zur ewigen Ruhe sich niederzulegen. Und noch ein inhaltsreicheres Versprechen vernahm der greise Vater aus dem Munde des Sohnes in den Worten: ~j”D“D ehe er hinüberschlummerte in die Gefilde der Unsterblichkeit. „Ja, mein Vater, ich werde in allem tun nach deinem Worte, das du mich gelehrt, werde in deinem Geiste leben, im Geiste der Religion und der Gottesfurcht." — Und wie glänzend hat Joseph sich hierin bewährt, sowohl in den Tagen seiner Erniedrigung als in jener Zeit, wo er, von fürstlichem Glanz umgeben, auf den Höhen des Lebens wandelte. Heil dem Vater, der Mutter, die der Erfüllung eines solchen Versprechens mit solcher Gewißheit entgegen sehen können, ehe sie einziehen in die Wohnungen der Ewigkeit. Rabb. Schüler. Der Iugendtag der Aguda Jisroel in Irankfurt. In Anwesenheit von 82 Delegierten als Vertreter der gesetzestreuen jüdischen Jugendoereine Deutschlands und der Schweiz mit 6000 Mitgliedern und eines zahlreichen Publikums eröffnete Leopold Perlmutter, Vorstandsmitglied der hiesigen „Agudas Jisroel"-Jugendgruppe, die öffentliche Versammlung, mit der die erste große Tagung der gesetzestreuen jüdischen Jugend ihren Anfang nahm. Zuerst kamen die Begrüßungsansprachen. Nach den Begrüßungsworten von Hermann Freudenthal (Vors, der Frankfurter „Agudas Jisroel"-Jugendgruppe), Direktor Dr. Lange (Vors, der Frankfurter „Agudas Jisroel"-Ortsgruppe), Jakob R o s e n h e i m (Vors, des proois. Komitees der „Agudas Jisroel"-Organisation), Dr. chem. Moses- Berlin (Bund gesetzestreuer jüd. Jugendvereine Deutschlands), Freir i ch-Berlin (Bund gesetzestreuer jüd. Jugendvereine und „Montefiore"-Verein in Berlin), stud. Schleßinger - Marburg (Bund jüd. Akademiker), Dr. Heinrich Cohn- Basel (Vertreter der gesetzestreuen jüd. Studenten der Schweiz erhielt sodann der Referent des Abends, Heinrich Eisenmann -Rom, das Wort. Redner sprach über „Agudas Jisroel und Palästina". Einleitend führte er aus: In den westeuropäischen Ländern leben heute die gesetzestreuen Juden meist so zerstreut, daß der gesetzestreue junge Mann meist schmerzlich den Kontakt mit Gleichgesinnten entbehren müsse. Das einzige Mittel, dem abzuhelfen, sei die Organisation. Redner ging nun zu seinem eigentlichen Thema über. Er wolle die Notwendigkeit der Agudas Jisroel an der Besprechung palästinensischer Verhältnisse demonstrieren. Mit Jammern über die Verdorbenheit anderer sei nichts getan; die beste Kritik sei die aufbauende. Die Judenheit Palästinas bestehe zu 80 Prozent aus Ehalukaempfängern, und der Rest setze sich aus Eingewanderten und der Gruppe der Jüdisch-Nationalen zusammen: Die Chalukajuden wollen im Geist des Thoragesetzes leben, dessen Studium ihr ganzes Tun gelte. Ihre wirtschaftliche Existenz bedürfe jedoch einer allmählichen durchgreifenden Reform. Nur das wenigste des bisher in Palästina Geschaffenen sei der gesetzestreuen Judenheit zu verdanken. Diese müsse die ganze materielle Kraft endlich einmal aufwenden, damit dort besonders ein imponierendes, in ihrem Geiste geleitetes Schulwerk geschaffen werde. Durch den jüdischen Idealismus eines einzigen Mannes, des seligen Kommerzienrats Feist, hat die Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums in 11 Schulen 1000 Schüler und Schülerinnen mit 37 Lehrkräften; doch nicht weniger als 22 Kolonien haben sich an den Leiter dieses Schulwerks, Dr. Auerbach in Pethach-Tikwah, gewandt, daß man auch ihnen Talmud-Thoras errichte. Ihnen Schulen zu geben, sei schon deshalb erforderlich, da die Schulen des Hilfsvereins nicht den Forderungen des orthod. Judentums entsprechen und die von den Kulturzionisten errichteten Schulen noch viel, viel weniger. Bei den Zionisten zeigen sich auf kulturellem Gebiete die ungünstigsten Veränderungen, die diss Ablösung der Aera Herzl-Wolffsohn durch eine Aera Lewin-Sokolow zur Folge haben mußte. Redner empfahl auf wirtschaftlichem Gebiete die Nachahmung der von Amerika ausgehenden Achusa-Bewegung und zeichnete zum Schluß, was auf dem Spiele stehe, wenn die Orthodoxie nicht sehr schnell ihre ganze Kraft aufwende, wie ihr dann weitere zehntausende Seelen verloren gingen. Nach dem Referate wurden weitere Begrüßungsansprachen gehalten. Es sprachen Wolf Jaeobsohn -Hamburg, Jossel o w s k y - Memel, Dr. Karl Cohn- Altona (Moriah), Heymann- Basel, stud. Grün- Bern und zum Schluß Martin Feist, der Initiator und unermüdliche Arbeiter der „Agudas Jisroel"-ÄugeNhbewegung. Er sprach die Ueberzeugung aus, daß keine Wortkünstelei die Jugend aufhalten werde, dem Rufe zu folgen, den die Gedaulei hatauroh an sie ergehen ließen. Für unsere Jugend gelte die Parole: Wenn ich nicht für mich, wer denn für mich; jetzt oder nie! Der Sabbat wurde in gehobener Stimmung verbracht. Geselligkeit und füllten ihn aus, das ganze von Freude zur Mizwa getragene Kehilloleben Frankfurts kam durch die Festfeier des Jugendbunds zu erhöhter Geltung und umstrahlte den Sabbat mit feierlichem Glanz. * * * Gegen 8 Uhr abends fand man sich wieder in der Loge Adler zur Zweiten D e l e g i e r te n - K o n f e r e n z zusammen. Herr Direktor Lange referierte über den Lehrbetrieb in den Jugend gruppen. Der Vortrag behandelte folgende Leitsätze: I. Die Lehrkurse der Iugendgruppen haben alles in ihren Bereich zu ziehen, was geeignet ist, die Mitglieder zu bewußt gesetzestreuen Juden zu erziehen, ihnen eine dem überlieferten Judentum entsprechende Weltanschauung zu übermitteln und sie für den Existenzkampf des wirtschaftlichn Lebens gut vorzubereiten. II. Daraus folgt in erster Linie die Anforderung, positive Kenntnisse über die Pflichten des Juden zu verschaffen und die Besucher der Lehrkurse möglichst in der Fertigkeit zu fördern, sich selbst in dem Pflichtgebiet des gesetzestreuen Judentums zu orientieren. Das wird erreicht: 1. durch Kurse in jnDJ und in poiQ - für Fortgeschrittene;