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Das jüdische Blatt · 1914-01-09 · 2 (9.1.1914) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
2 (9.1.1914)
Date
1914-01-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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IKelcb und Ausland: Lettungspretsltlte. Geschäftsstelle: - M. DuMont Schauberg, Tlratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchbbndier. Ansbach (Bayern). Zu bezicbrn: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Tlratzburg durcd die Elsäsfische Aktiengesellschaft vorm. A. Am-nel. In Basel durch I. Norbmann. Svcinslraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. ISayern: Lettungsnummer 546. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. da» Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Ir. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - Abonnements nimmt jede Vottanttalt entgegen. V. Zabrgang. Ltralzbuxg, 9. Zanuar 1914, U. ZTewes 5674. Inhalt. Leitartikel. — Der Jugendtag der Aguda Jisroel in Frankfurt. — Qu’est-ce que la Yiehumaine ici-bas et le question de l’au-delä. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Briefkasten. — Rätsel-Ecke. — Ein kalendarisches Kuriosum — Gedaljah. — Inserate. Zu vpi pan-:. Im jüdischen Schrifttum wird das Erdenwallen des Frommen und Gerechten oft mit dem Laufe der Sonne am Himmelszelte in Vergleich gebracht. Leuchtend, wärmend und lebenweckend zieht dieser große Lichtträger vom ersten Morgenstrahl an die ewige Bahn, die ihm vom Schöpfer des Weltalls vorgezeichnet ist. So steht auch der wahre Gottesfürchtige vom Morgen seines Lebens an, sobald er zu wirken imstande ist, im Dienste seines Gottes. Durch treffliche Lehren und gutes Beispiel wirkt auch er wohltuend und veredelnd auf seine Umgebung und bringt die Keime de^Edlen und Guten im Herzen seiner Mitmenschen zur Reife. UnaWMsam schreitet er vorwärts auf seiner Bahn und läßt sich nicht, hemmen von drohenden Gewitterwolken widerwärtiger (^chicksttle, die sich oft ihm entgegentürmen gleich dem mächtigen T^esgestirn am Himmelsgewölbe, das mit siegreicher Kraft das düstere Gewölk durchbricht. Und gleich der Sonne, die allmählich am abendlichen Horizonte unseren Augen entschwindet, um in anderen Erdteilen leuchtend wieder aufzugehen, so erhebt sich der Geist desjenigen, der rein und makellos am Ziele des Lebens angelangt ist, aus der Niederung des Irdischen, um in einer höheren Welt in höherem Glanze zu strahlen. Und wie der Sonnenball bei seinem Untergang noch im sanften Lichte der Abendröte wohltuend schimmert, so wirkt der Fromme noch in der Scheidestunde, ja noch darüber hinaus segensreich in der Nachwelt fort. Haben wir hier nicht ein vollständiges Charakterbild Vater Jakobs vor uns? — Von frühester Jugend an strebt er, seiner großen, glaubensstarken Väter würdig zu werden; in der Nähe gottbegeisterter Männer sucht er seinen Geist durch göttliche Wahrheiten zu erleuchten □'ipnK zum Manne herangereift, baut er Altäre wie seine Ahnen, um die Erkenntnis Gottes und seiner allmächtigen Waltung zu verbreiten. Und in diesem lauteren Streben zur Ehre Gottes zu wirken, läßt er sich nicht beirren, mag er auch noch so viel Bitteres im Leben erfahren und die mannigfachsten Leiden und Mühsale auf ihn einstürmen. Seinen erhabensten Beruf erblickt er aber darin, seine Kinder in den Wegen Gottes zu erziehen und sie zu wahrhaften Trägern und Erben des abrahamitischen Geistes zu machen. Nicht eher kann er sein müdes Haupt zum ewigen Schlummer niederlegen, bis er an sein Sterbelager seine zwölf Söhne — von welchen sein prophetischer Blick vorausgeschaut, daß sie zwölf Stämmen gleichen werden, deren Aeste und Zweige sich über den ganzen Erdkreis verbreiten — berufen, um aus ihrem Munde die Versicherung zu vernehmen, daß sie den Glaubenswahrheiten, die er ihnen so tief eingeprägt, in aller Zukunft treu bleiben und immer die Pfade wandeln werden, die er ihnen vorgezeichnet. Und als ihm die Enkel vorgeführt werden, um seinen letzten Segen zu empfangen, gipfelt sein Segenswunsch in den Worten: cnn N"!pvl,"'^a& sich würdig erweisen möchten, seinen Namen „Js'rael-Gotteskämpfer" zu tragen, zu allen Zeiten als Vorkämpfer für Gott und die ewige Wahrheit sich zu bewähren. Aber ein ganz besonders heiliges Vermächtnis hinterläßt Vater Jakob seinen Kindern durch seinen letzten so feierlich ausgesprochenen Willen: nicht in Aegypten, sondern im heiligen Lande, an der Seite seiner Väter die letzte Ruhe zu finden. Hierin offenbart sich erst wahrhaft die gottinriige Gesinnung des Patriarchen in ihrer ganzen Größe, die ideale Höhe seiner Frömmigkeit, durch welche er, nachdem bie Sonne seines Lebens l ä n g ft untergegangen, noch in die spätesten Zeiten hineinleuchtet. Wohl weiß er, daß der Erdenpilger überall, wo er die irdische Wanderschaft beschließt, von der Muttererde in ihren Schoß aufgenonimen wird, wurde ja deshalb der Staub, aus welchem der erste Mensch gestaltet wurde, aus allen Teilen der Erde gesammelte (Sanhedrin 38.) Dennoch hat unser Urahn vor seinem Hinscheiden kein heiligeres Anliegen, als daß seine Gebeine zur ewigen Ruhe eingebettet werden in jeneni Lande, mit welchem sein Herz durch so viele teure Erinnerungen aus der Vergangen h e i t verknüpft ist, und von welchem er im Geiste vorausschcntt, daß die H e i l e s z u k u n f t der Gesamtmenschheit von dort einst ausgehen wird. Vom Hauche der Ewigkeit schon angeweht, suchte Vater Jakob noch den Blick seiner Kinder nach der vom Urahn erworbenen Erbbegräbnisstätte zu richten; er wollte damit das Bewußtsein ihrer Anschauung in ihnen für alle Zeiten befestigen, damit sie ihrer großen, göttlichen Bestimmung treu bleiben und stets die Ideale hoch halten, für welche die dort in

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