Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Date
- 1914-01-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das jüdische Klatt Nr. 1. bietungen. Dieselben hatten zwar nicht das Gepräge einer im steten Preis-Wettkamps stehenden Turnerschaft, aber die Leistungen der Turner sowohl am Barren als am Reck waren unter der bewährten Leitung des langjährigen Turnlehrers Röhner durchweg stramm und exakt ausgeführt. Ein unter der Regie des Fechtwarts Moßmann von acht Mitgliedern ausgeführter Festreigen wirkte vorzüglich. Allgemeinen Beifall ernteten die von Turnlehrer Röhner und Mitglied Lucien Louy nach bekannten Meisterwerken dargestellten Bronzestatuen. Weitere Unterhaltung boten die von Konzert- und Opernsänger L. Loeb gesungenen Lieder von Erb und Wagner, besonders aber gefiel das von dem Sänger selbst komponierte Lied: „Horch, über das blühende Heidenkraut." Eine Leistung, die auch nicht unerwähnt bleiben durfte, war die der Tombolas-Verkäuferinnen, denen es unter Anwendung ihrer süßen, verlockenden Worte gelungen ist, die nicht geringe Anzahl Tombolalose abzusetzen. Ein Ball, welcher sich bis zum frühen Morgen ausdehnte, war der Ausgangspunkt der Erwartungen der so vielen anwesenden hübschen Damen, und erst als um 4 Uhr morgens die Lichter im Saale erloschen, mußte man sich damit abfinden, daß das so glänzend verlaufene Fest seinen Abschluß gefunden hat. Colmar. Ein geachteter Bürger wurde der hiesigen Gemeinde entrissen: Herr Simon Samuel, Inhaber eines Zigarrengeschäftes. Unerwartet schnell, nach kurzer schwerer Krankheit, starb er am Samstag abend. Welch großer Beliebtheit der Verstorbene sich erfreute, zeigte das große Leichenbegängnis. Eine tiefgebeugte Witwe und zwei junge Kinder trauern um ihren Ernährer. Allgemein bemitleidet wird die betagte Mutter, die fern von der Heimat, bei einer Tochter in der Schweiz weilt, und nur darauf wartet, daß ihr Lieblingssohn sie nach Hause zurückholt, während er vergangenen Montag in die kalte Erde gebettet wurde. Großblillersdorf. Einen Beweis, wie in Elsaß-Lothringen die jüdischen Volksschulen zurückgehen, haben wir in unserer großen Gemeinde. Zählte man doch früher über 40 Schüler und heute wird die Schule noch von 25 Schülern besucht. In den nächsten Jahren ist eher ein Abnehmen der Schülerzahl anzunehmen, da die meisten jungen Leute ein Gewerbe erlernen oder Kaufleute werden und sich alle auswärts ansiedeln werden, so daß auch unsere einst blühende Gemeinde abnehmen wird. Tram — jungen Beinen ist laufen gesund — und verwendet diese gesparten Pfennige für eure armen, kleinen, hungrigen Kolleginnen in Jerusalem. Lasset uns zusammen eine Liga gründen: „Die Liga für die kleinen Hungrigen in I e r u s a l e m." Was sagt Ihr zu meinem Vorschlag? Ich denke mir, jede Stadt soll ihren eigenen Sekretär oder Sekretärin haben und das Geld von all den andern kleinen Mitgliedern sammeln. Dann soll er oder sie es jede Woche oder jeden Monat an den Verlag des „Jüdischen Blattes" senden. Auch wenn Ihr mich in dieser Sache noch etwas anzufragen habt, schreibt mir und ich werde gerne antworten. Und nun, wie gefällt Euch meine Idee? Jedenfalls sollten diejenigen, die gerne Sekretäre sein wollen, sich beeilen, sich zu melden, denn mehr als ein Persönchen in einer Stadt wäre zu viel — und wer zuerst kommt, mahlt zuerst. — Ich würde alsdann zum Dank — d. h. meinen Dank braucht Ihr nicht, den würdet Ihr schon in der Tat selbst finden —, aber ich würde, um Euch eine Freude zu machen, gar manchmal in dem „Jüdischen Blatt" zu Euch kommen, Euch von Jerusalem zu erzählen?) Sara Bondi. Z Spenden für diese armen, hungernden Kinder nimmt die Redaktion gerne entgegen. Wir übernehmen gerne die Vertretung der „Liga für die kleinen Hungrigen in Jerusalem". Großblillersdorf. Irrtümlich war in der Nummer 51 vom Tode des Herrn Lazard Meyer berichtet worden unter Großblittersdorf. Der Verstorbene war aus Saargemünd. Hagenau. Die diesjährige Chanukkahfeier des Jugendbundes war jüdischer Dichtung und jüdischem Gesang gewidmet. Jeder Mitwirkende bot sein Allerbestes und erntete den verdienten Beifall. Herr Strauß, Lehrer am Gymnasium in Buchsweiler, hielt die Festrede und verstand es, die bestbekannten jüdischen Dichter und Autoren nach ihrem vollen Wert zu schildern. Herr Raas, Kantor, sang die Chanukkah berocho und den Moaus Zur. Seine liebliche und angenehme Stimme wurde bewundert von den zahlreichen Fremden, welche der Feier beiwohnten. Alles war schön und verlief glänzend. Ein kleiner Ball, welcher bis zum späten Morgen dauerte, schloß sich dieser Feier an. M. W. Hattstatt. Unsere israelitische Gemeinde feierte letzten Schabbos Chanukkah ein seltenes Fest, nämlich die Einweihung einer Thorarolle. Der Spender war der verstorbene Herr Leopold Roth von hier. Leider verstarb dieser vor einigen Wochen, so daß er dieses schöne Fest nicht mehr erlebte. Allein seine traurige, erblindete Frau ließ sich nicht nehmen, diese Feierrecht angenehm zu gestalten. Schon am Freitag abend fand sich die ganze Gemeinde im Hause dieser hochherzigen Spenderin ein, woselbst Herr Rabbiner Weill, Bollweiler, die Bedeutung dieses schönen Abends schilderte. Am Samstag morgen fand der Festgottesdienst statt, welcher von 8—12 Uhr dauerte. Das neue Sefer war in einem elektrisch beleuchteten, kunstvoll geschmückten Binjom in der Vorhalle der Synagoge aufgestellt. Das Innere des Gottesdienstes erstrahlte hell und freundlich im Glanze der vielen elektrischen Lampen. Die erhebende Feier begann, als die Aeltesten der Gemeinde, an ihrer Spitze Herr Rabbiner Weill sowie unser neugewählter Vorstand Adolf Levy, mit den vorhandenen Seforim dem neuen Sefer entgegen gingen. Bei Einzug desselben wurden von unserem neu einstudierten Synagogenchor, dessen Leitung in den bewährten Händen des Herrn Kantor Weill lag, ein wunderschöner Boruch habo vorgetragen. Herr Weill erntete für seine namhaften Leistungen wohlverdienten Beifall. .Es folgten jetzt dreimalige Umzüge wie am Simchas Thora. Es war wirklich ein Simchas Thora. Nach diesen Umzügen bestieg der Herr Rabbiner die Kanzel, um eine eindrucksvolle formvollendete Festpredigt zu halten. Er dankte der hochherzigen Spenderin im Namen der Gemeinde und allen, welche zu dieser schönen Feier ihr Scherflein beigetragen. Besonders unsere liebenswürdigen verehrten Damen haben sich durch das kunstvolle Dekorieren der Synagoge verdient gemacht. Jeder ging nach Hause mit der Genugtuung, ein schönes, erhebendes Fest gefeiert zu haben. Das Sefer kommt aus dem Lager von Herrn Bloch, Grußenheim und war mit schöner Ausführung eigenhändig von ihm geschrieben. Herr Charles Klotz aus Straßburg, ein Schwager des Kommissionsmitglieds Herrn Luc. Grumbach von hier, spendete der israelitischen Gemeinde eine prächtige Thorakette in Silber, wofür dem edlen Spender bestens an dieser Stelle gedankt wird. H. B. Hochselden. Chanukka feier in der israel. Schule in Hochfeld en. Es war eine köstliche Feier, zu der uns unser verehrter Lehrer, Herr L e o p o l d, am verflossenen Samstag Nachmittag in den Räumen der israelitischen Schule einlud. Sämtliche jüdischen Familien erschienen, sodaß der Saal die Menge kaum umfassen konnte. Galt es doch, die Leistungen der Schuljugend zu bewundern und nicht minder auch die des Veranstalters, des Herrn Leopold, der trotz seiner so kurzen Tätigkeit als Lehrer in Hochfelden doch so viel Schönes geboten hat. Große Ueberraschung, die unsere Erwartung bei weitem ubertraf, wurde uns zuteil, als wir die Kinder in ihren ver-