Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- V (1914)
- Issue
- 1 (2.1.1914)
- Date
- 1914-01-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1. Das Mische Klatt. 7 halte eine ansehnliche Dotation aus Staatsmitteln erhalten wird. Als Kandidat für diesen Posten ist der bekannte Belgrader Rabbiner Dr. Alcalay ausersehen. Auch wird der Staat wie bisher die Rabbiner staatlich besolden und Unterstützungen für die Erhaltung der israelitischen Schulen gewähren. Dieses Entgegenkommen seitens des serbischen Staates haben die serbischen Juden als treue und anhängliche Staatsbürger vollauf verdient. II Korrespondenzen. ü Ms - Gllaß-Lotlrrirraen. - Straßburg. Wie uns das Bureau des Konsistoriums zu Straßburg mitteilt, hat sich bei der Uebermittelung eines Beschlusses des Konsistoriums und bei der Veröffentlichung in der Nummer der vorigen Woche ein Irrtum eingeschlichen. Die entsprechende Mitteilung des Konsistoriums lautet nunmehr wie folgt: Da in einer Gemeinde, in welcher kein Leiwi wohnt, Streitigkeiten wegen Aufrufen entstanden sind, hat das Konsistorium auf Grund unserer religiösen Vorschriften beschlossen: „Es wird zuerst ein Cohen aufgerufen; diesem Cohen wird dann an Stelle eines Leiwi (Bim-Kaum-Leiwi) die zweite Porsche vorgelesen, und erst dann wird ein Israel aufgerufen." Stratzburg. Das vor wenigen Tagen erschienene Personalverzeichnis der Kaiser-Wilhelms-Universität zu Straßburg für das Winter-Semester 1913/14 enthält trotz seiner trockenen Auszählung von Namen für den aufmerksamen jüdischen Leser manches interessante Detail. Man stößt bei der Lektüre auf so auffallend jüdisch klingende Namen — das Bekenntnis ist nicht angegeben —, daß man deren Träger als unserer Religionsgemeinschaft zugehörig sollte ansprechen dürfen. Doch wäre es verfehlt, all diese ordentlichen, außerordentlichen, Honorar- und Titularprofessoren, Privatdozenten und Assistenten zu Juden zu stempeln. Wie an allen deutschen Universitäten so herrscht auch hier unter den Akademikern jüdischer Abstammung bezüglich ihrer Religionszugehörigkeit ein großer Wirrwarr. Die einen nämlich sind zwar Juden geblieben, lassen aber ihre Kinder taufen; die andern sind schon von ihren Eltern getauft worden, einen dritte Kategorie hat sich selbst der Taufe unterzogen, und nur eine winzige Minorität bleibt dem jüdischen Namen so treu, daß sie auch das nächste Geschlecht im jüdischen Glauben erzieht. Es macht der jüdischen Intelligenz gewiß alle Ehre, wenn an der Straßburger Universität 44 jüdische cives academici — so viele habe ich zusammengezählt — die Wissenschaft lehren und fördern; dieser Stolz wird aber sehr gedämpft, wenn man sieht, daß gerade diejenigen Kreise, welche am ehesten dazu berufen wären, für die Hebung und Stärkung des Judentums zu wirken, persönlicher Vorteile wegen der jüdischen Fahne untreu werden. Noch mehr aber muß die Tatsache deprimieren, daß nur zwei unter jenen 44 Herren ihrer angestammten Religion treu geblieben sind. Wenn man bedenkt, daß so manche Universitätslehrer ihre Begabung für Geisteswissenschaften hauptsächlich dem Umstande verdanken, daß in ihrem väterlichen und großväterlichen Hause das Studium des Talmud so eifrig gepflegt worden ist, so wird man füglich bezweifeln dürfen, ob auch die fiinfttgen jüdischen Generationen sich auf geistigem Gebiet in so hervorragendem Maße betätigen werden, wie es in der Gegenwart der Fall ist. Straßburg. Stiftungsfest des Jüdischen Turnvereins. Der Jüdische Turnverein Straßburg feierte am Samstag den 20. d. M. sein 7. Stiftungsfest im Sängerhaus. Der zahlreiche Besuch lieferte den Beweis, daß die Feste der vorhergehenden Jahre noch in bester Erinnerung standen. Das schön ausgestattete Programm bürgte auch in seiner Zusammenstellung für einen genußreichen Abend. Nach der Begrüßungsrede des Vorsitzenden, Herrn Sylvain L e v y, begannen, eingeleitet von der unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters Schütt von der 126 er Kapelle gespielten Festouvertüre, die turnerischen Dar- Drrr! Fünftes Bild. „Ahah!" Ich höre einen allgemeinen Laut der Bewunderung. Ja, das ist das Hauptbild, der Glanzpunkt des Tages. Betrachtet doch einmal all die glücklichen Gesichtchen! Hier die Schlanke mit den großen schwarzen Augen, wie sie leuchtend ihre neuen Schuhe beguckt, dort jene kleine Spanierin, die gerade das erhaltene Unterröckchen einwickelt, dahinten die Kleine, ganz in Fetzen gekleidet, es ist eine Gourgi, d. h. ihre Vorfahren kamen von Gourgistan, wie glücklich sie sich die wollene Schale um den Kopf wickelt! Und die ganze Gruppe hier, die die neuen Kleidchen anprobieren, wie bleich und hungrig die meisten doch ausschauen! Und wie niedlich das Baby da vorne, mit dem großen Bilderbuch in den Händchen, das ganze Gesichtchen noch mit Schokolade beschmiert. Wißt Ihr, daß wir uns manchmal tagelang vorher besinnen, was eine Kleine noch nöttger braucht — ein Kleidchen, oder Hemdchen, oder Stiefel. Und dann solltet Ihr die strahlenden Blicke sehen, das kann ja der Kino gar nicht wiedergeben, wenn Rachel, die immer so zittert mit ihrem dünnen Katunfähnchen, nun ein schönes, warmes, rotwollenes Unterröckchen hat, oder Rebekka, die immer, auch beim größten Regen in Galetches H daher kam, nun richtig lederne Schuhbekleidung hat. Manche, die Kleidungsstücke nicht so sehr nötig haben, erhalten auch, wie Ihr i) Galetches sind erhöhte Holzbrettchen, die die Leute hier häufig mit einem Lederriemen an die Schuhe schnallen. Besonders zum Putzen werden sie benutzt, da dies hier geschieht, indem der ganze Raum unter Wasser gesetzt wird. sehet, Bücher und Spielzeug, und dann ist es wohl meistens das erstemal, daß ein kleines Mädchen eine Puppe im Arm hält. Brrr! Sechstes Bild. Hier seht Ihr wieder alle Kinder in der Schulhalle versammelt. Sie singen. Aus 600 frischen Kehlen erschallt das „Moaus Zur", worauf sie alle wohlgemut heimziehen. Und auch für Euch, liebe kleine Zuschauer, wird es Zeit sein, jetzt nach Haus zu gehen. Aber erst habe ich noch eine Frage an Euch zu stellen: Wie würde es Euch gefallen, wie Euer Papa und Eure Mamma auch schon einem Verein anzugehören? Denn obwohl Ihr noch klein, könnt auch Ihr schon manch Gutes in der Welt tun. Seht mal die Kinder, von deren Chanukkahfeier ich eben sprach, und die so häufig nichts anzuziehen haben, haben auch häufig nichts zu essen. Wir geben ihnen ein Stück Brot und eine Orange mittags und auch hie und da einen Teller warme Suppe. Aber nicht allen, die hungrig sind, sondern nur den Waisenkindern, d. h. denen, die keinen Vater und keine Mutter mehr haben, denn das kostet eine Menge Geld, und viele andere sehen mit hungrigen Magen zu. Wißt Ihr, was es heißt, Hunger haben und nichts zu essen? Stellt Euch vor, Ihr kommt von der Schule heim. „Ach, Mamma, ich Hab' so Hunger" und Ihr würdet die Antwort bekommen, „Ja, heute gibt es nichts", und morgen dasselbe und übermorgen dasselbe. Nun habe ich mir gedacht, wenn ein jeder und eine jede von Euch kleinen Zuschauern und Zuschauerinnen dieser Kinovorstellung nur einige Pfennige wöchentlich sparen wollte — kauft einmal weniger Süßigkeiten, oder fahrt einmal weniger