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Das jüdische Blatt · 1914-01-02 · 1 (2.1.1914) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
V (1914)
Issue
1 (2.1.1914)
Date
1914-01-02
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1. Das jüdische Klatt. 9 schiedenen, teils ernsten, teils komischen Rollen sahen. Eingeführt wurde die Festvorstellung durch einen Prolog, in dem die Chanukkafeier verherrlicht wurde. Hierauf folgte ein Zwiegespräch, dessen Inhalt das Judentum als das höchste Gut darstellte, ferner eine Reihe urwüchsiger Vorträge. Zuletzt hielt Herr Lehrer Leopold einen überaus lehrreichen Vortrag, indem er in großen Zügen die Bedeutung des Tages und das echt jüdische Volksempfinden schilderte. Nicht das jüdische Nationalgefühl sei unser Panier, sondern die Gottesfurcht, der jüdische Glauben, die heilige Religion. Der zweite Teil der Feier umfaßte die Bescherung, bei der ein jedes Kind nach Herzenswunsch mit schönen Geschenken im Werte von ungefähr 2 Jl bedacht wurde. Dank den lieben Kindern für ihr herzhaftes Auftreten und ihre schönen künstlerischen Darbietungen! Dank dem tüchtigten und liebenswürdigen Veranstalter, dem Herr Leopold, der in hervorragender und würdiger Weise die Feste zu feiern versteht. Dank auch nicht minder der geschätzten Frau Leopold, die durch Rat und Tat das wohlgelungene Unternehmen nach Kräften unterstützte und auch im sonstigen Verkehr ein netter Charakter und angenehme Gesellschafterin ist. Wir, die wir alle entzückt und befriedigt nach Hause gingen, hegen die Hoffnung und den Wunsch, daß auch fernerhin solche Feste nicht zu den Seltenheiten zählen werden. Jllersweiler. Unsere kleine Gemeinde hat am Sonntag abend eine Chanukkahfeier abgehalten, die sehr schön verlaufen ist. Unser Kantor, Herr Skurnik, hat sich redlich Mühe gegeben, dieselbe wirkungsvoll zu gestalten. Einleitende Gesänge vor dem Anzünden und nachher den Moaus Zur, begleitet von Herrn V. Bloch aus Straßburg. Dann folgte eine Predigt unseres Rabbiners, Dr. Bloch, Oberehnheim. Nach dem Maarivgebet Beschenkung der Kinder, die dann im Hause des Vorstandes, Herrn Leopold Weill, noch einige launige Ged'ichte, die das Fest feierten, recht schön vortrugen. Das Ganze war recht gelungen. Mülhaufen. Vergangenen Dienstag hielt Herr Oberrabbiner Dr. Netter aus Metz im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur einen Vortrag über das Thema: „Eine Wanderung durch das jüdische Altertum." Er begann seine Wanderung mit der Erschaffung der Welt und wanderte bis zur Zeit von Rabbi Jochanan ben Sakai, diesen gewaltigen Stoff in meisterhafter Kürze zusammenfassend und das Publikum von Beginn bis zum Ende des Vortrages sowohl durch die Schönheit des gewählten Stoffes als auch durch die Schönheit seines Stiles ununterbrochen fesselnd. Niederrödern. Chanukkahfeier. Nachdem wir im vorigen Jahre an dieser Stelle über den glänzenden Verlauf der Chanukkahfeier in der israelitischen Schule berichtet haben, können wir von dem am letzten Dienstag den 23. d. M. hier aufgeführten Theaterstück „Chanukkah bei den Wichtelmännchen" einen Erfolg verzeichnen, der unserem Herrn Lehrer Levy, sowie seinen Schülern zur Ehre gereicht. Das Stück wurde mit solch einer peinlichen Anschaulichkeit vorgeführt, daß es dem Autor nicht weniger Freude gemacht hätte, sein Werk mit anzusehen, als dem dankbaren Publikum. Saarburg. Die älteste Frau von hier, Frau Wwe. Hamberger, ist im Alter von über 95 Jahren gestorben. Sie war bis in die letzte Zeit sehr rüstig und hat ihren Haushalt selbst besorgt. Sie war auch betreffs Frömmigkeit von altem Schlag und allgemein sehr beliebt. Kayern. Ansbach! In Fräulein Sara Stern, die wir heute zu Grabe trugen, ist ein gutes Stück der Geschichte unserer Kultusgemeinde begraben. Sie war eine Heroin der Treue. Als Wardein des Hauses unseres unvergeßlichen Rabbiners Grünbaum Ijat sie wie ein gutes Kind Wohl und Wehe der Gemeinde und des Rabbinats Ansbach miterlebt. Die Armen und Bedrückten fanden in ihr eine stets hilfsbereite Freundin. Ihr Angedenken ist ein gesegnetes. Fürth. Es waren Gefühle tiefer Wehmut, mit denen wir Herrn Lehrer Feis Rosenstein S"j zu Grabe trugen. In ihm war die Berufsfreudigkeit des Lehrers zur vollen Blüte entfaltet; selbstlos bescheiden, tief fromm, voll glühender Liebe zu Thora und Mizwoh, vertrauensvoll ergeben in Stunden schwerer Kämpfe, so lebte und wirkte er. In Berkhofen, allwo er 38 Jahre um die Liebe der Gemeinde warb, wird sein Angedenken unauslöschlich sein, in Bechhofen wird der altehrwürdige Friedhof stets von seiner unermüdlichen Hingabe und Pietät erzählen. Gunzenhausen. In hochherziger Weise hat Herr Wilhelm Frank 3000 di für die Beheizung der hiesigen Synagoge gespendet. Möge das edle Beispiel viel Nachahmung finden. Frankreich. Aus Veranlassung des Arztes Dr. Rosenbaum ist die Gründung eines Vereins in die Wege geleitet worden, der sich zur Aufgabe stellt, die für das jüdische Leben nötigsten Institutionen zu erhalten. In dieser Angelegenheit wurde von dem genannten Arzt ein Zirkular an die aus Galizien und Rußland Eingewanderten versandt, aus welchem hervorgeht, wieviel Schwierigkeiten sich in Paris dem Juden entgegenstellen, der religiös leben will. In dem in Jargon verfaßten Zirkular heißt es: „Leider ist unsere Tauro Hakdauscho hier schon so weit verdrängt, daß ein frommer Jude, wo noch ein solcher zu finden ist, in Paris nicht mehr leben kann. Es ist ja bekannt, wie schwierig es ist, hier Koscherfleisch zu erlangen. Viele verkaufen unter dem Namen Koscherfleisch einfach Treifofleisch, welches in der ganzen Halle zusammengekauft wird. Allgemein bekannt ist, wie schlecht es hier um die Mikwe bestellt ist. Für 30—40 Frauen sind im ganzen 6 Wannen vorhanden. Tausende jüdische Kinder können nicht einmal hebräisch lesen. Auch wenn sie am Sonntag und Donnerstag in die Talmud- Thoraschule gehen oder den sogenannten „Cours" besuchen, kann das Kind eintretendenfalls das Kaddifchgebet nicht im hebräischen Original, sondern nur aus einer mit lateinischen Buchstaben zusammengesetzten Tafel hersagen. Fast alle Juden in Paris haben schon vergessen, daß ein Jude Butter, Milch und Wein koscher genießen muß und wenn er nicht sehr reich ist, kann er diese Nahrungsmittel in Paris überhaupt nicht bekommen. Wenn hier ein Jude nicht sehr reich ist, hat er nicht einmal ein Stückchen Erde, wo man ihn nach dem Ableben zur Ruhe betten wird. Man wirft ihn in ein gemeinsames Grab mit 40 oder 50 Verstorbenen anderer Konfession und nach 5 Jahren werden die Gebeine herausgeworfen, um neuen Platz zu schaffen. Um so manchem dieser schrecklichen Uebelstände abzuhelfen, hat sich unter dem Namen HjISN gebildet, der den Zweck verfolgt, |jtc Anstalten zu treffen und die Mittel zu schaffen, die es frommen Juden ermöglichen, in Paris zu leben. Die Statuten dieses Vereins müssen mit den Vorschriften des Schulchan Aruch übereinstimmen. Ein kann dem Verein nicht als aktives Mitglied angehören. Jene Juden, die es bedauern und beklagen, daß sie wegen ihrer Existenz den Sabbat entweihen müssen, können beitragzahlende Mitglieder des Vereins werden, können aber innerhalb desselben zu keinem Amt zugelassen werden. Luneville. Ein großer Tag für unsere Gemeinde, die unter den französischen Judengemeinden, in denen fast jedes jüdische

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