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Das jüdische Blatt · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 52. Das jüdische Blatt 7 -; feinen un. .... r--r ojarcn «J .. .., '5c'n fi'1 r:i« mit Ö»» -schülerinnen durch das Damenkomitee statt. Herr Oberrabbiner Ury hielt eine Ansprache, in welcher er in wehmütiger Rührung seiner verstorbenen Gattin gedachte, die ein eifriges Mitglied des Komitees gewesen war, und zu deren Andenken die Anwesenden sich von den Sitzen erhoben. Die Kinder wurden, wie alljährlich, reich beschenkt. An Stelle der nach Versailles verzogenen Frau Myrtil Blum ist jetzt Präsidentin des Komitees Frau Edmond Blum. Slraßburg. Eine hochherzige Stiftung ist dieser Tage der Israelitischen Gewerbeschule zu Straßburg zugegangen. Herr Jules Wertheimer aus Paris hat derselben testamentarisch tausend Franken als „unveräußerliche Gabe" vermacht. Der Heimgegangene stammte aus Oberehnheim. Um so sympathischer berührt dieser Akt der Heimat- und Nächstenliebe, da Herr Wertheimer schon seit Jahrzehnten im Ausland ansässig war. Möchten der Gewerbeschule, die in vorderster Reihe an der Erziehung und Ertüchtigung unserer jüdischen Jugend tätig ist, im Interesse der Allgemeinheit noch viele solcher Gönner erstehen! Wie wir erfahren, hat Herr I. Wertheimer, der am 30. November zu Paris verstorben ist, auch noch weitere bedeutende Legate für elsässische Zwecke hinterlassen, die sein Andenken in seiner Heimat verewigen werden. Slraßburg. Die hiesige Handelskammer hat über den Entwurf des Sonntagsruhegesetzes eine Eingabe an den Reichstag gerichtet, wobei dieselbe zu § 3 folgendes bemerkt: Mit der Bestimmung, wonach Gewerbetreibende, die den Betrieb ihres Handelsgewerbes am Sabbat und an den jüdisch? n Feiertagen dauernd gänzlich ruhen lassen, ihre Gehilfen und Lehrlinge jüdischen Glaubens an gewöhnlichen Sonntagen bis zu fünf Stunden beschäftigen dürfen, erklären wir uns einverstanden, und wir bitten ausdrücklich, um unveränderte Beibehaltung dieser Bestimmung. halten. Bei Gelegenheit der Barmizwahfeier ihres Sohnes Marcel am Sabbat Wajischlach haben Herr und Frau Aron Leopold für die hiesige Synagoge ein prächtiges Thoramäntelchen aus Samt gespendet, das aus der bekannten Werkstätte des Herrn Felix Bloch in Straßburg hervorgegangen ist. Metz. Herr Apotheker Leoner Levy ist vom Kaiserlichen Bezirkspräsidenten zum Mitgliede der Prüfungskommission für die erste Apothekerprüfung ernannt worden. Laut Lothringer Zeitung ist Herr Levy der erste Einheimische, der zu diesem ehrenvollen Posten bestimmt wird. Metz. In der Lothringer Loge fand diese Woche die Bescherung der jüdischen Kinder statt. Nachdem am vergangenen Mittwoch den ärmeren Kindern Kleidungsstücke ausgeteilt worden waren, fand gestern eine kleine Chanukkahfeier, verbunden mit Kaffeekränzchen und Bescherung von Spielzeug an über 100 Kinder statt. Auch der rührige Mädchenverein In Pouponnifere wird, wie jedes Jahr, seine Schutzbefohlenen mit Kleidern und Wäsche beschenken. Metz. Nach einem eindrucksvollen Appell des Herrn Oberrabbiners, der den früher blühenden, aber seit drei Jahren immer mehr zurückgehenden Verein für Jüd. Geschichte und Literatur wieder zu seiner früheren Blüte bringen will, fand letzten Sonntag im vollbesetzten Saale des Englischen Hofes der erste Vortragsabend statt. Herr Dr. Eschelbacher- Düsseldorf referierte über die Predigt im Judentum. Der Redner sprach über die Entstehung der Predigt, die zu einer Zeit, als die Juden die Thora in ihrem Urtexte nicht mehr verstanden, ein Referat über den Wochenabschnitt mit Erläuterungen war, gab ein Bild von der Predigt im Altertum, besonders unter Philos von Alexandrien, der seine Predigten mit griechischer Philosophie vermischte, und erläuterte besonders die noch heute im Osten bekannte Drascha. Der größte Teil der Ausführungen war der deutschen Predigt in den letzten 50 Jahren und der heutigen Bedeutung der Predigt gewidmet, die gleichsam wie die Presse eine bedeutende Macht ausübt. Alle Zuhörer folgten mit großem Interesse den Ausführungen des Redners. Hierauf schloß sich eine Generalversammlung an; ein Teil des alten Vorstandes ist bedauerlicherweise ausgetreten, so daß eine Neuwahl für zwei Mitglieder erfolgen mußte. Neben Herrn Landauer und dadurch zu, daß in ihr ein Geist tiefer Frömmigkeit herrscht. Sie verfügt auch über eine Anzahl Debteras und es wird mehr als in andern Gemeinden gelernt. Aus der Unterhaltung konnte Faitlowitsch die beste Hoffnung für die Zukunft schöpfen. Die Begeisterung, die in der Gemeinde herrscht, die treue Anhänglichkeit gerade dieser wichtigen Stadt, ähr Wunsch, an der Durchführung der Pläne zur Wiedergeburt ihres Stammes mitzuarbeiten, bilden die beste Gewähr für das Gelingen der Unternehmungen zugunsten der Falaschas. Am 31. März ging es weiter nach Woibeq, wo viele Falaschas verstreut wohnen. Die Karawane aber mußte sich auf der Hauptroute halten, um nicht zu sehr vom Wege abzukommen, und die Falaschas zogen ihr wiederum entgegen, in eigenartiger Haltung, mit Klageliedern und Trauerzeremonien. Die Falaschas begrüßen nämlich den Verwandten eines kürzlich Verstorbenen, wenn sie ihm das erstemal begegnen, mit wehmütigen Gesängen. Getje aber, einer der Begleiter Dr. Faitlowitschs, der früher in Europa seine Ausbildung erhalten hatte, war kurz vorher ein Onkel gestorben, und dies bildete den Anlaß zu der seltsamen Begrüßung. Das Zusammensein selbst war durchaus nicht traurig, denn bald brach die Freude und die Begeisterung über die Rückkehr der von der Gemoinde sehnlichst erwarteten Mission durch. In Tscherbitu befindet sich die größte Gemeinde der Provinz Wogara, die wegen der tiefen Frömmigkeit ihrer Mitglieder besonderes Ansehen genießt. Ihr Oberhaupt war bis vor einigen Jahren der greife Abba Arien Deguraba, nach dessen im hohen Alter erfolgten Tode trat an seine Stelle sein jüngerer Bruder Abba-Jmtsa-Meheret. Die Frommen von Tscherbitu bilden eine Art Orden, leben wie die Mönche abgesondert in eigenen Hütten und kommen mit den Leuten, die nicht zu ihnen gehören, wenig in Berührung. Sie müssen sich alles selbst zubereiten, von der Ernte bis zur Herstellung der Speisen dürfen nur Brüder herangezogen werden. Jede Berührung mit anderen macht sie nach ihrer Anschauung unrein. Sie kehren, wenn sie mit anderen zusammengekommen sind, nicht in ihre Hütten zurück, ohne vorher gebadet und ihre Kleider gewaschen zu haben. Im Zustand der Unreinheit ist ihnen jede warme Speise verboten, trinken sie Wasser aus nicht gebrauchten Gefäßen, sie nehmen dann Honig, trockene Früchte und Getreidekörner. Mit einem Wort, sie befolgen den Falaschas gegenüber dieselben Vorschriftsmaßregeln und Reinigungsgesetze wie diese gegenüber Andersgläubigen. Am Ende seines Briefes berichtet Dr. Faitlowitsch ein Erlebnis, das so recht zeigt, mit welchen Gefahren diese Reise verbunden ist, wieviel Unerschrockenheit und Geistesgegenwart sie erfordert. Am 4. 4. wurde die Karawane in der Wüste in der Nähe des Flusses Kokotsch von der Nacht überrascht. Bald hörten sie ein schreckliches Heulen, Hyänen suchten in der Dunkelheit das Lager zu überfallen und waren den Maultieren schon hart an den Fersen. Die ganze Nacht über mußte die Karawane auf der Lauer sein, die Ohren gespitzt, die Hand om Gewehr. Es wurde auf Leben und Tod gekämpft. Fortwährend hallte es wider von dem wüsten Geheul der wilden Tiere und den Flintenschüssen der sich wehrenden Reisenden. Eine andere Karawane m der Nähe wurde schwer geschädigt, die Faitlowitschs kam mit dem bloßen Schrecken davon. Erst am Morgen wurde es wieder ruhig. Die Falaschas der Umgegend, ine von der Ankunft benachrichtigt waren, kamen auch hier in großen Massen heran, brachten frische Maultiere und holten die Karawane im Triumph nach ihren Dörfern.

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