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Das jüdische Blatt · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Nr. 52. 4 8 Das jüdische Statt. Zahnarzt Glaser, die sich mit großem Interesse des Vereins angenommen haben, wurde Herr I. Schweizer und Herr R. Lev y, wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Oberrealschule, gewählt. Dem früheren Vorsitzenden, Herrn Apotheker L e v y, wurde schriftlich der Dank für seine Bemühungen um den Verein ausgesprochen. Es soll nunmehr eine Liste zirkulieren, um neue Mitglieder zu gewinnen und den Verein auf seine alte Höhe zu bringen. Mülhausen. In einer hier abgehaltenen Versammlung zwecks Vorbereitung der Gründung eines oberelsässischen Aerzte- Vereins wurde Dr. Nordmann -Colmar als einstweiliger Vorsitzender gewählt, um bis zur endgültigen Gründung die Geschäfte zu führen. Kayern. Dahn b. Pirmasens. Der Nestor unserer Gemeinde, L. Kul-- mann, hat im Alter von 76 Jahren das Zeitliche gesegnet. Der Tod hat ihn plötzlich ereilt; es war ein arbeitsames und pflichttreues Leben, das da seinen Abschluß fand. Der Verblichene war sehr beliebt und geachtet und demgemäß war auch die Beteiligung an seinem Leichenbegängnis eine' sehr starke. Er ruhe in Frieden! Landau (Pfalz). In der Nacht zum Sonntag wurde in die hiesige Synagoge ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Opferstock wurde erbrochen und ausgcraubt, jedoch war die Beute nur gering. Die silbernen mit hebräischen Schriftzeichen versehenen Gefäße blieben unbeachtet. Seinen Unmut über das geringe Ergebnis des Raubzuges gab der Dieb dadurch kund, daß er den schwerseidencn Vorhang, der in der Synagoge angebracht ist, zerriß und zerschnitt,'so daß er unbrauchbar ist. Die Schutzmannschaft nahm bereits eine Verhaftung vor. München. Ein Fest intimen Charakters, doch ein bedeutsames Zeichen für den innigen Zusammenhang zwischen Rabbiner und Gemeinde feierte die hiesige Kultusgemeinde in dem 60. Geburtstage unseres allverehrten Herrn Rabbiners Dr. Werner. Unübersehbar groß war die Reihe der Gratulanten und der sinnigen Aufmerksamkeiten, welche Zeugnis dafür ablegten, wie segensreich die Wirksamkeit des Gefeierten ist. Ohne Unterschied der religiösen Anschauung feierte alt und jung den Tag. Gemeinde und Vereine, darunter auch Ohel Jakob, sowie auswärtige Gemeinden und Korporationen wetteiferten in Darbietung ihrer Glückwünsche. In außerordentlich herzlicher Weise gratulierte sowohl Se. Exzellenz der Herr Kultusminister, als auch der Herr Referent für den israelitischen Kultus im Kultusministerium. Eine Reihe treuer Verehrer stellten dem Jubilar 17 000 di zur Errichtung einer wohltätigen Stiftung zur Verfügung. Wir schließen uns den Glückwünschenden an in dem Gebete, daß der Allmächtige den Gefeierten und sein Haus, sein heißes Bemühen, alle Kräfte in den Dienst des Judentums zu stellen, selbstlos allen Werken aufopfernder Menschenliebe sich zu weihen, segnen möge. Prerrtzeir. In Berlin starb der kaum 34 jährige Oberkantor der Posener Synagogen-Gemeinde, Jakob Leibowitz. Einen eigentümlichen Bildungsgang hat dieser Mann durchgemacht. Im Besitze des Abiturientenzeugnisses studierte er Philologie, konnte sich aber zur Ablegung des Examens nicht bewegen lassen und entschloß sich, Kantor zu werden. Infolge der Kraft und des Wohllauts seiner Stimme hätte er ein tüchtiger Opernsänger werden können. Aber religiöse Bedenken hielten ihn an diese Laufbahn zurück. Nachdem er eine weniger bedeutende Stelle in Hamburg als Kantor bekleidet hatte, wurde er bald zum Oberkantor in Posen gewählt, wo sich dieser hochgebildete Mann allgemeiner Beliebtheit erfreute. In Frankfurt a. M. erlag am 14. Dezember d. I. der bekannte Verlagsbuchhändler Ignatz Kauffmann im Alter von 70 Jahren einem tückischen Leiden, gegen das er schon lange kämpfte. Er verstand es, das blühende Geschäft seines Vaters Isaak Kauffmann auf die Höhe der Zeit zu bringen und die Firma zu großen Erfolgen zu führen. Fast alle in Deutschland gebrauchten jüdischen Schulbücher, die Werke S. R. Hirschs und viele andere bedeutende Bücher sind in seinem Verlag erschienen. 1899 nahm die Firma den bekannten Lehrbergerschen Verlag in Roedelheim mit der ehemaligen Heidenheimschen Druckerei in Kauf und rückte in die Kategorie der Weltsirmen. Saarbrücken. Der hiesige Jugendverein „Gabriel Rieser" veranstaltete vergangene Woche eine gesellige Zusammenkunft, welche zionistischen Zwecken gewidmet war. Bauingenieur L ö s ch n e r hielt einen längeren Vortrag über die zionistischen Zwecke und Ziele; ihm traten verschiedene Redner, besonders Lehrer Lißner entgegen. Das ganze zeigte, daß der hiesige Boden den zionistischen Bestrebungen nicht günstig ist. Kaden. Ein starkes Stück. Unter dieser Ueberschrist bringt der fortschr. „Bad. Landesbote" folgende Notiz aus Bühl: Die Kurhausverwaltung in U n t e r st m a t t versendet Prospekte zur Empfehlung des Winteraufenthalts in ihrem Etablissement, denen die Bemerkung beigedruckt ist: „Sollten Sie jüdischer Kon: f e s s i o n sein, so sehen Sie gefl. diesen Brief als n i ch t .e m p - fangen an." Mit Recht bemerkt hierzu der „Landesbote": „Das ist ja eine recht erbauliche Gesinnung, die sich der neue Wirt auf der Unterstmatt herausnimmt. Bisher war dergleichen im Schwarzwald nicht üblich. Nur in Preußen hat man von Sommerfrischen gehört, in denen Juden nicht ausgenommen wurden. Bei uns war deren Geld ebenso rund wie das Andersgläubiger. Wir nehmen an, daß die Touristen jüdischer Konfession der Kurhausverwaltung in U n t e r st m a t t gerne den Gefallen tun, wegzubleiben, und auch dafür sorgen werden, daß die „christliche" Gesinnung des neuen Wirts in den weitesten Kreisen bekannt wird." Wir können uns diesen Ausführungen nur anschließen. -ckarlsruhe. Am vergangenen Sonntag hielt der Verein Chinuch Neorim (Jüd. Jugendverein) seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Wie aus dem Berichte des Präsidenten des Herr Leopold Schwarz hervorging, war das abgelaufene Geschäftsjahr kein besonders günstiges. Der Besuch der einzelnen Schiurim wie auch der übrigen Veranstaltungen ließ viel zu wünschen übrig. Nur die Freitagabende haben sich allgemein gut eingebürgert und waren sehr gut besucht. Vorträge wurden gehalten von den Herren Rabbiner Dr. Schiffer über: „Llenusse dvn Israel". Klausrabbiner Dr. U n n a - Mannheim über: „Der Chasidismus, seine Entstehung und seine Geschichte"; Stiftsrabbiner Dr. Kramer-Karlsruhe über: „Aus der Zeit Kaiser Konstantins"; ferner hielt Herr Rabbiner Dr. K r a m e r einen Vortragszyklus über „Die ersten Propheten" ab. Unser Mitglied, Herr Jakob Süß, sprach über: „Der Ritualmord und seine Geschichte". Im abgelaufenen Vereinsjahr verlor der Verein durch den Tod ein treues Mitglied, Herrn David Ettlinger Auch der Vorstand erfuhr eine Veränderung in seiner Zusammensetzung durch das durch Wegzug von hier bedingte Ausscheiden des Herrn Fritz Wormser. Nachdem verschiedene interne Fragen besprochen waren, schritt man zur Neuwahl des Vorstandes. Der Vorsitzende, Herr Leopold S ch w a r tz, der stellvertretende Vorsitzende, Herr B e r t h. D i e fen b ronn e r und der Kassier Herr Albert Strauß i tz 4

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