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Das jüdische Blatt · 1913-12-26 · 52 (26.12.1913) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
52 (26.12.1913)
Date
1913-12-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Das jüdische Matt. Nr. 52. und Mäzenen unterstützt, der großen Mühe unterzogen, diese noch in der ursprünglichsten Form gefaßten und benutzten Heilquellen wissenschaftlich mit einer Vollständigkeit und Sachkunde zu studieren, wie dies bisher nur bei unseren einheimischen Heilwassern in den bekanntesten Badeorten geschehen ist. Wochenlange beharrliche Beobachtungen in den entlegenen, des europäischen Komforts entbehrenden Gegenden mußte der Verfasser anstellen, um zu bestimmten Resultaten zu gelangen. Man ersieht so recht, mit wie viel Liebe und Ernst Herr Dr. Friedmann an seine Aufgabe herangegangen ist. Nach einem erschöpfenden Ueberblick über alle bisher über die Quellen veröffentlichten Angaben früherer Forscher schildert der Verfasser zunächst die Oertlichkeit, wo dieselben zutage treten. Die schon im Altertum berühmten Quellen von Tiberias, drei an der Zahl, entspringen in unmittelbarer Nähe des Westufers des Sees Genezareth im Süden der Stadt Tiberias. Dieselben treten aus vulkanischem Basaltboden zutage, zum Teil mit dem Charakter sogenannter juveniler Quellen, in landschaftlich und histo-* risch interessanter Umgebung, etwa 200 Meter unter dem Meeresspiegel. Die ebenfalls schon im Altertum bekannten und benutzten Quellen von Gadara oder El-Hammi befinden sich in ähnlich vulkanischer gebirgiger Gegend am Ufer des Jarmuk, eines Zuflusses des Jordans, in besonders wild-romantischer Lage, unweit der neuen Bahn Haifa—Damaskus, 176 Meter unter dem Meeresniveau. Die Mitteltemperatur der Quellen von Tiberias schwankt um 60", mit einem Maximum von 61,9". Sie sind so heiß, daß man eben die Hand kurz eintauchen kann, ohne sich zu verbrennen. Die vier Gadaraquellen sind weniger hoch temperiert, bis 48,8", haben demnach zum Teil noch über Bluttemperatur. Alle diese Quellen sind stark radioaktiv. Der vom Verfasser bestimmte Radiumemanations-Gehalt beträgt für die Tiberias- Quellen 4,12, für die Garada-Quellen 2,8 Mache-Einheiten. Ueber die Ergiebigkeit der Quellen fehlen leider genauere Angaben der sonst so gründlichen Arbeit. Die chemische Zusammensetzung der Wässer, welche vom Autor mit großer Sorgfalt und minutiöser Genauigkeit nach den neuesten Methoden festgestellt wurde, ist eine ganz eigenartige, welche kaum mit den einheimischen, bekannten Badequellen verglichen werden kann. Die Wässer von Tiberias enthalten an Gasen: Schwefelwasserstoff und Kohlensäure, an festen Bestandteilen hauptsächlich neben Kochsalz: Kalium-, Calcium- und Magnesiumsalze, letztere drei größtenteils in Form von Chloriden, dazu etwas Brom, Eisen und Kieselsäure. Die Gadara-Quellen sind etwas anders zusammengesetzt. Sie sind ähnlich, aber viel schwächer, mineralisiert, vielleicht eben dadurch für Trinkkuren eher geeignet. Von besonderer Wichtigkeit vom medizinisch-balneologischen Standpunkte dürfte einerseits die hohe Temperierung der Wässer sein, worin die Quellen von Tiberias den Kochbrunnen von Wiesbaden nahezu erreichen, andererseits der ansehnliche Radiumemanationsgehalt, und endlich, abgesehen von dem starken Bestand an Chlornatrium, welcher den der Wiesbadener und Kreuznacher übertrifft, last not least die erheblichen Mengen von Magnesiumchlorid und Calciumchlorid, wie sie in unseren einheimischen Wässern nicht getroffen werden.. ■ . Es blieb dem letzten Jahrzehnt Vorbehalten, gerade die Wichtigkeit der löslichen Kalk- und Magnesiumsalze im Haushalte unseres Organismus ins rechte Licht zu rücken. Beide Arten Salze find Dämpfer und Regulatoren unserer Nerventätigkeit. Die Calciumsalze spielen bei der Blutgerinnung und Blutstillung eine unanfechtbar erwiesene wichtige Rolle. Sie sind überdies mächtige Bundesgenossen im Kampfe gegen die tuberkulöse Invasion des Organismus. In lokaler Applikation haben sie einen eminent umstimmenden Einfluß auf die Ernährung unseres Halitorgans. Die Quellen von Tiberias wären demnach als besonders hoch temperierte, radioaktive, erdig-muriatische Schwefelthermen, die von El-Hammi als radioaktive, einfache Schwefelthermen zu charaktersieren. Erstere nähern sich den Kreuznacher Solen, haben jedoch die Thermalität, den Schwefelgehalt und, was nochmals besonders hervorgehoben sein mag, den bedeutend höheren Gehalt an Chlorcalcium und Chlormagnesium voraus. Als Indikation für den Gebrauch dieser Badequellen müssen vorläufig alle chronisch-rheumatischen Leiden, die Residuen chronischer Entzündungen, Ischias, Gicht und andere Ernährungsstörungen, chronische Intoxikationen, Asthma, chronische Bronchitiden, Frauenkrankheiten, vielleicht auch gewisse chronische Nieren- und Rückenmarksleiden ins Auge gefaßt werden. Die Bäder von El-Hammi gelten übrigens bei den Landesbewohnern als Panacee gegen Sterilität. Schade, daß diese Heilquellen in unserem „gelobten" Lande noch nicht nach bewährten Methoden gefaßt und verwendet werden. Nach menschlicher Voraussicht müßten mittels derselben Heilwirkungen erzielt werden, welche sehr wohl manche unserer berühmtesten Badeorte in Schatten stellen dürften. Die jüdischen philantropischen Gesellschaften würden sich durch die Hebung dieses köstlichen Naturschatzes ein großes Verdienst erwerben. Ein findiger, im modernen Hotelwesen erfahrener Kops könnte der jüdischen Gesamtheit einen großen Dienst erweisen durch Errichtung eines mit modernem Komfort ausgestatteten und nach modernen Grundsätzen geleiteten, rituell geführten Hotels in der Nähe der Quellen von Tiberias, und dabei, wie ich glaube, ein glänzendes Geschäft machen. Jüdischen Touristen aus Europa und Amerika würden einem solchen internationalen Hotel gewiß zahlreich zuströmen. Warum sollen unsere reichen Glaubensbrüder gerade Heluan oder ähnliche, unserer glorreichen Vergangenheit fernliegende Orte zu Erholung aufsuchen? Sollte ein „Palace-Hotel" in unserem heiligen Lande an den denkwürdigen Stätten des Lebens und Wirkens unserer Väter und Gelehrten nicht tausendmal mehr Reize für sie haben?. Die Befürchtung, daß die Verwirklichung eines solchen Projektes mit allzugroßen Schwierigkeiten und Kosten verbunden sei, sollten bei der Sicherheit des Erfolges nicht von der Ausführung abhalten. Rußland in Deutschland. Das „Berliner Tageblatt" brachte am 17 Dezember folgende Zuschrift aus Königsberg i. Pr.: „Das inhumane Vorgehen unserer Behörden gegen die russischen Juden und deren Familien in unseren östlichen Städten ist zwar im Parlament schon zu verschiedenen Malen zur Sprache gekommen, ober ohne jeden Erfolg. In Königsberg sind zurzeit zirka 500 russisch-jüdische Kausleute ansässig. Wer diese Leute nicht kennt, pflegt leichthin anzunehmen, daß das alles ziemlich ungebildete, kulturell niedrig stehende Menschen seien, d:e für uns nur eine Last sind, und uns keinen Vorteil bringen. Dieses Vorurteil ist aber absolut unberechtigt. Im allgemernen — vereinzelte Ausnahmen dürfen natürlich nicht zur Ver- °llg-m-,n°,uug sithreu - find £5 fleijjige, ruhige. (oUbe Leute. Die im kaufmanmschn Leben einen guten Ruf genießen und von ihren deut-

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