Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 51 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51. Das jüdische Statt. 7 schulen wirkten 119 Lehrkräfte und zwar 23 weltliche Lehrer und! 19 weltliche Lehrerinnen, 7 geistliche Lehrer und 70 geistliche Lehrerinnen. Kleinkinderschulen waren am 1. April 1913 511 mit 32 007 Schulkindern vorhanden. Davon waren 329 katholisch, 45 protestantisch, 1 israelitisch und 136 konfessionell gemischt. An den Kleinkinderschulen wirkten 254 weltliche und 332 geistliche Lehrerinnen. Mittelschulen bestanden am 1. April 1913 53 mit 8223 Schülern, darunter 34 Knabenmittelschulen, 16 Mädchrnmittelschulen und 3 gemischte Mittelschulen. Von den Mittelschulen waren 13 katholisch und 40 konfessionell gemischt. An denselben wirkten 173 weltliche und 15 geistliche Lehrer, 56 weltliche und 27 geistliche Lehrerinnen. Fortbildungsschulen bestanden am 1. April 1913 454 mit 14 404 Schülern, darunter 397 Knabenschulen, 54 Mädchenschulen und 3 gemischte Schulen. Von diesen Schulen waren 158 katholisch, 4 protestantisch und 292 konfessionell gemischt. An denselben wirkten 651 weltliche Lehrer und 68 weltliche Lehrerinnen, 7 geistliche Lehrer und 32 geistliche Lehrerinnen. Die höheren Schulen wiesen einen Bestand von 11981 Schülern, 245 weniger als im Vorjahre. Davon sind 6304 (— 209) Katholiken, 4688 (— 40) Protestanten, 987 (4- 2) I s r a e l i t e n. In diesen Zahlen sind inbegriffen 349 (— 1) Mädchen; davon sind 98 (4-10) Katholiken, 218 (— 10) Protestanten und 33 (— 1) Israeliten. In Prozenten waren Katholiken 52,61 (gegen 53,27 im Vorjahre), Protestanten 39,14 (38,67), Israeliten 8,4 (8,06). Barr. Die Bestattung des Herrn Fabrikanten Charles M o i s e legte Zeugnis ab von dessen allgemeiner Beliebtheit und Wertschätzung in weitesten Kreisen. Nach vielen Hunderten zählte die Menge, die am Donnerstag früh zu seiner letzten Ehrung von hier und auswärts erschienen war. Im Trauerhause zeichnete der Ortsrabbiner in Worten der Verehrung für den Toten und des Trostes für die Hinterbliebenen ein Bild des Verklärten; was und wie er gewesen als Gatte und Vater, als Bürger und Jude. Dann stattete Herr Rabbiner Dr. Bloch-Oberehnheim namens der Verwaltung des Friedhofs von Rossnweiler dem Verstorbenen den Dank ab für seine 22 jährige hingebende Tätigkeit in dieser Körperschaft. Der Bahre voraus schritten in langem Zuge die Arbeiter und Arbeiterinnen der Fabrik, die in Herrn Moise nicht nur den Begründer ihrer Arbeitsstätte sondern auch einen gutgesinnten und wohlwollenden Chef beweinen. Hinter dem Sarg folgte nach den Leidtragenden die Verwalt ungsko ni Mission der i s r a e l. Gemeinde in corpore, Vertreter der Rosenweiler Friedhofsverwaltung und die große Schar von Freunden und Verehrern des Toten. Auf dem Friedhof zu Rosenweiler, wohin neben den Familienangehörigen die Kollegen in der Gemeindeverwaltung und einige intime Freunde der Familie den Sarg begleitet hatten, ist er zur ewigen Ruhe gebettet worden: Ein Guter und Edler ist mit ihm dahingegangen; möge aus diesem Bewußtsein den trauernden Hinterbliebenen Trost erstehen! Biesheim. Eine fromme, edle Frau hat in der Nacht vom Freitag auf den Sabbat das Zeitliche gesegnet. Fran Witwe B a r u ch Zivi — die Mutter des Rabbiners von Winzenheim — ist im hohen Alter von 77 Jahren dahingegangen. Ausgezeichnet mit herrlichen Frauentugenden war sie eine Zierde der Familie und der Gemeinde: Ihrem Gatten, der ihr um vier Jahre im Tode vorausgegangen ist, eine treue Gefährtin, ihren Kindern und Enkelkindern eine aufopfernde, hingebungsvolle Mutter, den Freunden eine liebreiche Freundin, den Armen und Notleidenden eine hilfsbereite Annehmerin. So schilderte sie in beredten Worten Herr Rabbiner Schüler sen., selbst ein Freund und Verwandter der Familie Zivi, bei seiner allen aus dem Herzen gesprochenen Trauerrede. Die Bestattung, die am Sonntag stattsand, war eine! herrliche Kundgebung der Trauer um die Tote und der Anteilnahme für die Hinterbliebenen, Bischweiler. Vorige Woche veranstaltete die hiesige zionistische Schekelzahlergruppe einen Vortragsabend. Das Referat über „Kolonisation in Palästina" hatte Herr cand. med. Löw- Straßburg übernommen. Der Redner schilderte in anschaulicher, gewandter Weise die kolonisatorische Tätigkeit der verschiedenen Körperschaften im heiligen Lande, wobei ßr natürlich die Erfolge der Zionisten besonders hervortreten ließ. — Letzten Samstag abend sprach im „I ü d. L i t e r a t u r v e r e i n" vor überaus zahlreicher Versammlung Herr Dr. med. Julius- Mannheim über „Gesunderhaltung der jüdischen Rasse". Der Redner stellte dem Früher, da Israel auch in gesundheitlicher Beziehung mit vollem Rechte als ein „auserwähltes" Volk gelten konnte, das Heute entgegen, wo unzweifelhaft ein Niedergang in die Erscheinung tritt, und untersuchte vom medizinischen Standpunkte an der Hand der Statistik, ohne in Einzelheiten sich zu verlieren, diese Tatsache, deren Gründe und Ursachen. Er schloß mit der Aufforderung — und das sind wir uns und der Menschheit schuldig — besonders der Jugend, auch in körperlicher Beziehung, unser Augenmerk zuzuwenden, um die eingerissenen Uebel und Mißstände zu beseitigen. Die von inniger Wärme zum Judentum getragenen Ausführungen machten auf die Versammelten tiefen Eindruck. Reicher Beifall folgte dem Referat. An der regen Diskussion beteiligten sich die Herren Selig, Hirsch und Dr. Lehmann, der auch als Vorsitzender dem Redner den wohlverdienten Dank des Vereins aussprach. — Für den nächsten Monat steht uns ein Lichtbildervortrag über Palästina in Aussicht. Der rührige Verein macht erfreuliche Fortschritte. Die Vortragsabende werden gern und fleißig besucht. Lebhafte Diskussionen zeugen von dem regen Interesse der Zuhörer. Möge das zweite Geschäftsjahr, das der Verein mit 50 Mitgliedern beginnt, in immer höherem Maße segenbringend sein! Großblillersdorf. Nach kurzem, schwerem Leiden ist der Viehhändler Lazard Maier letzten Sabbat gestorben. Der Verblichene mar ein stiller fleißiger Mann, ein aufopfernder Gatte und Vater. Sehr zahlreich waren Freunde und Bekannte herbeigeeilt, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Rabbiner Dr. Dreyfus schilderte in bewegter Rede den Lebensgang des Dahingegangenen, dessen Lauterkeit ein Trost für die trauernde Witwe und Kinder bildet. Hagenau. Der verflossene Samstag-Abend war einer der genußreichsten Vereinsabende des I u g e n d b u n d e s. Herr stud. med. Oskar R o o s referierte über „Einzelheiten über jüdische Erziehung". Er betonte, daß wir uns s e l b st nicht kennen und zu oft vergessen, daß wir eine Minorität sind. Der Kastengeist zeigt sich schon bei manchem, wenn er noch sehr jung ist und wächst mit ihm auf; die Reichen bilden sich ein, sie seien den Minderbemittelten überlegen, was als Taktlosigkeit zu bezeichnen ist und unserm Ansehen schadet. Achtung müssen .wir uns verschaffen durch unser Benehm?n und durch unser Auftreten. Wir müssen vor allen Dingen den andern beweisen, daß wir stolz sind auf unfern Glauben und demselben treu bleiben wollen. Wir sind unentbehrlich, aber bescheiden nnissen wir bleiben; unsere Energie darf nicht versagen. Es wird eine Zeit kommen, wo alle Staaten ihr Unrecht anerkennen und den Juden volle Gleichstellung gewähren werden. Wir selbst können und müssen dazu beitragen. Andauernder Beifall lohnte die interessante Rede, an die sich eine rege Diskussion anschloß. An dieser beteiligten sich der Vorsitzende, Herr Picard, die Herren Sturmann, Jules Bloch, Half, L. Kahn, M. Meyer und Fräulein Gabriele Meyer von hier, sowie Herr Levy aus Bischweiler. Wenn auch mancher etwas vom Thema abschweifte, interessant und lehrreich war auch