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Das jüdische Blatt · 1913-12-19 · 51 (19.12.1913) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
51 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Nr. 51 Da» jüdische Kiatt. rückblicken konnte, da glaubte die Loge sich doch gleichsam verpflichtet, auch der Außenwelt einmal Rechenschaft abzulegen über die Tätigkeit. Am Vormittag fand im großen Saale des Sängerhauses eine höchst eindrucksvolle akademische Feier statt, zu der außer den Logenmitgliedern und deren Gäste eine große Anzahl Vertreter der Schwesternlogen von nah und fern herbeigeeilt waren. Auch der Ordenspräsident, der Geheime Juftizrat Timmendörfer-Berlin beehrte das Fest durch sein Erscheinen. Das Konsistorium, die beiden israelitischen Gemeinden, der Jugendbund und der Verein für Ferienkolonie hatte ihre Vertreter gesandt und alle überbrachten herzliche Grüße und Wünsche für das weitere Gedeihen der Unitas-Loge. Aus der Fülle der Reden möchten wir die des Herrn Justizrats Lange hervorheben, der die Gründungsgeschichte und die weitere Entwicklung der Unitas-Loge schilderte und unter anderem betonte, daß die elsässischen und deutschen Gefühle, die beide ihre historische Berechtigung hätten, in einer höheren Einheit, dem Judentum, zur Versöhnung kommen müßten. Vor allem aber hielt der derzeitige Präsident, Herr Dr. Grombacher eine bemerkenswerte Rede, aus der hier einige Gsdankengänge folgen mögen. . . . „Mit seinem Appell „Israeliten zu vereinigen zur Förderung der höchsten Güter der Menschheit", rüttelte der Orden Bne Bris die deutschen Juden aus ihrer stumpfen Gleichgültigkeit auf und schuf in seinen geweihten Hallen Stätten der Sammlung und der Einkehr. Durch energische Betonung der jüdischen Idee, durch systematische Hebung des Selbstbewußtseins wirkte er dem offenen und heimlichen Abfall entgegen und erzog feine Anhänger zu begeisterten Streitern für unser Judentum. In den modernen Juden wurde die Vergangenheit wieder lebendig, enger scharten sie sich zu sammen. Die Logen weckten in uns Juden den Stolz auf unseren Stamm, auf unsere herrliche Geschichte, sie zeigten uns wie rein die Ethik unserer Religion ist und schufen so gewissermaßen neue feste Bande. . . . Auch hier in Straßburg hat es an Männern nicht gefehlt, die die Schäden ihrer Zeit mit hellem und klarem Blick erkannten und durch Gründung unserer Unitas- Loge die Verhältnisse zum Besseren umzugestalten suchten. Ist doch unsere Loge nach Frankfurt die älteste Gründung der V. B. in ganz Süddeutschland ... In dieser feierlichen Stunde dürfen wir vor Sie, hochgeehrte Festversammlung, hintreten mit dem aufrichtigen Bekenntnis, daß unsere Loge von Anfang an einen Grundsatz unter allen Umständen hochgehalten hat. All das, was wir in den 25 Jahren unseres Bestehens wirkten und schufen, geschah für die Allgemeinheit entsprechend unserem Prinzips: Nichts für uns selbst, alles für die Gesamtheit. Wir haben nichts für uns selbst erstrebt, unseren Nutzen nie gesucht, und fern lag es uns auch nach außen hin zu glänzen. Darum haben wir uns häufig begnügt, anregend und fördernd zu wirken, haben nie danach getrachtet, alles selbst zu machen. Man kann wohl sagen, den fast sozialen Schöpfungen, die in den letzten 25 Jahren in unserer Gemeinde entstanden sind, letzten Endes ihre Anregung der Unitas-Loge oder einzelnen ihrer Mitglieder zu verdanken haben ... So haben wir in unserer Stadt und darüber hinaus segensreich gewirkt und unzerstörbare Werte geschaffen. Verheißungsvoll öffnet sich uns das Bild der Zukunft vor unferm geistigen Auge, aber noch ein langer Weg ist zurückzulegen, und das Ziel liegt so fern. Unsere Loge soll niemals fertig, sondern immmer nur werdend bleiben, den Blick auf das Ganze gerichtet, sich festigen und kräftigen und der großen Gemeinschaft des Ordens, dem Judentum, der ganzen Menschheit ein dienendes Glied fein, sich in weiteren 25 Jahren fester fügen, als ein Hort reinster Bruderliebe, menschenfreundlicher Wohltätigkeit und einträchtigen Friedens!" Abends versammelten sich die Logenmitglieder und deren Familienangehörige, Gäste und Freunde von neuem im Sängerhause zu einem trefflichen Mahl. Ernste und heitere Reden wechselten ab. Es folgte ein sinniger Prolog. Aüch die mimische Kunst kam zur Geltung und ein fröhlicher Ball brachte diesem schönen Gedenktage der Unitas-Loge einen harmonischen Abschluß. Slraßburg. Aus der diese Woche erschienenen Liste der Lehrer an höheren Schulen in Elsaß-Lothringen entnehmen wir folgendes: Unter 147 Professoren waren 8 Juden, je 1 in Metz, Münster, Colmar und Mülhausen und 4 an den drei höheren Schulen in Straßburg. Unter 162 Oberlehrern sind 5 jüdische, je 1 in Saargemünd, Gebweiler und Mülhausen und 2 in Straßburg. Unter 153 wissenschaftlichen Hilfslehrern 10 Juden, je einer in Diedenhofen, Thann, Altkirch, Buchsweiler, Hagenau, 2 in Metz (Obsrrealfchule) und 2 in Straßburg, zusammen 23 jüdische höhere Lehrer. Zum erstenmal seit langen Jahren sind keine jüdischen Probekandidaten vorhanden, was darauf schließen läßt, daß wegen Ueberfüllung in diesem Fach selten junge Leute Philologie studieren. Bis zu ihrer Einberufung ausgefchieden nach bestandenem Probejahr sind 5 Juden, 3 Mathematiker und 2 Philologen. Slraßburg. Seit einiger Zeit ist für alle Speisehäuser unter Aufsicht des Hamburger Vereins eine Neueinrichtung getroffen worden, die wir nicht für ganz richtig halten. Bei Bezahlung eines Betrages von 2 Jt soll der Gast 5 Pfennig Abgaben für den Verein bezahlen, der zurzeit scheinbar ohne große Hilfsmittel ist. Wenn auch manche diese Steuer bezahlen werden, so werden manche Gäste sich weigern, so daß schließlich der Wirt dies aus seiner Tasche bezahlen muß, was bei den teuren Zeiten aber nicht anzuraten ist. Auch die Herren, die im Abonnements essen, die schon so wie so Trinkgeld geben, werden nicht immer 1 dl Steuer für den Verein entrichten. Straßburg. Der jüdisch-literarische Frauenverein veranstaltet Montag, den 29. Dezember, nachmittags 3 Uhr, in den Sälen des Zivilkasinos sein alljährliches Chanukka-Kinderfest, bestehend in musikalischen, gesanglichen und Theateraufführungen, das unfern Kleinen auch diesmal wieder einen vergnügten Nachmittag bringen wird. Slraßburg. Der Elsaß-Lothringische Rabbiner-Verband wird seine diesjährige ordentliche Generalversammlung am Dienstag, den 30. November d. I., 3 Uhr nachmittags, im Sitzungssaal des Konsistoriums zu Straßburg abhalten mit folgender Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht des Ausschusses; 2. Rechenschaftsbericht; 3. Anträge; 4. Interpellationen; 5. Wahlen. Slraßburg. S ch u l st a t i st i k. Am 1. April 1913 bestanden in Elsaß-Lothringen 2841 öffentliche Elementarschulen mit 5881 Schulklassen und 258 757 Schulkindern. Von diesen Schulen waren 2336 mit 4541 Schulklassen und 200 676 Schülern katholisch, 404 mit 923 Schulklassen und 42 514 Schülern protestantisch, 44 mit 47 Schulklassen und 1118 Schülern israelitisch, 57 mit 370 Schulklassen und 14 449 Schülern konfessionell gemischt. Die Knabenschulen hatten 1680 Schulklassen mit 78 463 Schülern, die Mädchenschulen 1578 Schulklassen mit 68 667 Schülerinnen, die gemischten (voll Knaben und Mädchen besuchten) Schulen 2623 Schulklassen mit 111627 Schulkindern. An den Schulen wirkten 3211 weltliche Lehrer und 1321 weltliche Lehrerinnen, 17 geistliche Lehrer und 1376 geistliche Lehrerinnen, im ganzen 5925 Lehrende. — Private Elementarschulen waren am 1. April 1913 69 vorhanden mit 115 Schulklassen und 3724 Schulkindern, darunter 57 katholische Schulen, mit 92 Schulklassen und 3052 Schulkindern, 6 protestantische Schulen mit 7 Schulklassen und 211 Schulkindern und 6 konfessionell gemischte Schulen mit 16 Schulklassen und 461 Schulkindern. Die Knabenschulen hatteri 32 Schulklassen mit 1313 Schülern, die Mädchenschulen 56 Schulklasseli mit 1550 Schülerinnen und die gemischten Schlllen 27 Schulklassen mit 861 Schülern. An den privaten Elementar-

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