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Das jüdische Blatt · 1913-12-19 · 51 (19.12.1913) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
51 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das jüdische Klatt. Nr. 51. ja mal eine Idee hat (soll Vorkommen), dann ist er zunächst ganz bedeppt, dann fragt er zehn und hundert andere. Der eine sagt dann, ja, famos, das machen wir, der andere sagt: vielleicht, der dritte sagt nein, und dann gibts Konferenzen und Sitzungen und Beratungen und Kommissionen und — Leichenreden. Zuletzt klingt das alles in ein wunderbar harmonisches Kikeriki aus. Wenn ich einmal eine Idee hätte, ich würde es anders machen. Ich würde dem lieben Gott danken, daß er mir ein bißchen Sechel gegeben hat und würde ans Werk gehen, ganz stramm und würde mich auslachen lassen. Aber wozu das viele Reden? Ich glaube wirklich, unsere Urenkel zum Guten werden das 20. Jahrhundert das Jahrhundert der Konferenzen nennen. Da war . jüngst ein Sendbote einer russischen Jeschiwoh bei mir. Ich fragte ihn, was wird dort gelernt. Sagte er, weiß ich nicht, aber gelernt wird. Fragte ich, wie wird gelernt; sagte er, weiß ich nicht, aber gelernt wird. Fragte ich, wie lange wird gelernt, sagte er, nicht nach der Uhr. Und so ging das Gespräch fort. Der Mann hat mir imponiert. Gelernt wird! Ohne großes Brimborium, aber gelernt wird. Will sehen, wann wir es auch so weit bringen. Darauf wartet Ihr Rasch Hakohol. Aus aller Wett. Derrlschland. Das Ende des Angolaprojekts der „Ito"? In der Sitzung des Reichstags vom 9. Dezember d. I. hat der Reichskanzler von B e t h m a n n Hollweg bei der Besprechung der gegenseitigen Beziehungen Deutschlands und Englands auch von einer Verständigung dieser beiden Mächte über eine Betätigung beider Mächte in den portugiesischen Kolonien gesprochen, wobei er betont hat, daß dies ohne „Beeinträchtigung der Rechte Dritter" geschehen wird. Es kann sich dabei wohl nur um Portugiesisch-Angola handeln. Deutschland hat demnach die Absicht, wenigstens wirtschaftlich in dieser Kolonie Fuß zu fassen und diese portugiesische Kolonie wirtschaftlich zu erschließen. Da der kleinen portugiesischen Republik die Kraft fehlt, diese große Kolonie auszubeuten, wird vorausgesetzt, daß mit Hilfe Englands, das eine Art Protektorat über Portugal führt, eine Verständigung Deutschlands mit Portugal ermöglicht werden wird. Die Stelle in der Rede des Reichskanzlers, auf die es ankommt, lautet: In Verfolgung des Grundgedankens, durch Verständigung über einzelne Fragen des weltwirtschaftlichen und kolonialpolitischen Wettbewerbs zwischen uns und England die Beziehungen beider Länder dauernd wieder in die ruhige Bahn zurückzulenken, die sie zeitweise zu verlassen gedroht hatte, haben wir weiterhin Unterhandlungen mit der englischen Regierung eingeleitet, um der möglichen Entstehung von Gegensätzen wirtschaftlicher Natur in afrikanischen Gebietsteilen vorzubeugen. Ohne Beeinträchtigung der Rechte Dritter, ich will das scharf unterstreichen, arbeiten wir auf einen billigen Ausgleich der Interessen beider Teile hin. Von einseitigen Verzichtleistungen Deutschlands ist dabei nicht die Rede (Bravo rechts), ebensowenig, wie die Presse behauptet hat, von Kompensationen, die in Vorderasien zur Erlangung von Vorteilen in Zentralafrika oder umgekehrt gemacht werden konnten. (Bravo!) Ich muß mich für heute auf diese Andeutungen beschränken, da die Verhandlungen noch im Gange sind. Hinzufügen möchte ich nur, daß ich Grund zu der Annahme habe, das Ergebnis der Verhandlungen werde, wenn sie in der von beiden Regierungen erfolgten Richtung abgeschlossen werden, in Deutschland und in England als eine annehmbare Lösung möglicher Gegensätze begrüßt werden. Damit scheint übereinzustimmen, daß die portugiesische Regierung beschlossen hat, die Finanzverwaltung der Kolonie Angola von den Finanzen Portugals zu trennen, obgleich der portugiesische Minister in der Kammer formell dementiert hat, daß Verhandlungen mit Deutschland über die portugiesischen Kolonien bestehen. Es ist wohl auch kein Zufall, daß Dr. R o h r b a ch in der Deutschen Kolonialgesellschaft letzthin einen Vortrag über Angola gehalten hat, in dem er ausführte, daß das Land zwar nicht entwickelt, aber sehr fruchtbar sei. Wenn es sich aber verwirklicht, daß Deutschland in Angola bedeutende wirtschaftliche Privilegien von der portugiesischen Regierung erhält, so würde dadurch das ganze Projekt der „Jto", von Portugal Angola zur Besiedelung mit Juden zu erlangen, ins Wasser fallen. Frar»kreich. Die Schechila und die französischen Metzger. Die in Reims erscheinende .Revue pratique des abattoirs hatte in ihrer Juninummer Unter dem Titel: Entwurf eines Gesetzes betr. die Untersagung des Schlachtens nach jüdischem System folgendes geschrieben: In Anbetracht, daß das Koscherfleisch sich in nichts von anderem Fleische unterscheidet, als durch die Tötungsweise, daß das Tier auf den Rücken gelegt, fest gebunden, ihm dann der Hals durchschnitten wird —, daß die bis zum Ausfluß des letzten Blutstropfens andauernden Konvulsionen auf die schrecklichen Schmerzen des Tieres Hinweisen; daß das Schauspiel erschreckend und unangenehm ist; daß alle, die es mit anfehen, insbesondere Metzger und Metzgerburschen, sich schon seit langem fragen, ob nicht endlich ein Gesetz dem ein Ende machen wird; daß es viele Juden gibt, die Fleisch genießen, das nicht koscher ist; daß ein solches Verbot in der Schweiz existiert, und dieses Beispiel Nachahmung verdient: sprechen wir den Wunsch aus, daß ein ausdrückliches Gesetz baldmöglichst diese Schlachtmethode verbietet und nur Tötung vermittelst Schußmaske zuläßt. In der Nummer vom 31. Oktober wird in derselben Revue folgende Antwort veröffentlicht: Unter dem Titel: Entwurf eines Gesetzes ufw. haben Sie in Ihrer Juninummer einen Antrag gegen die durch die israelitische Religion vorgeschriebene Art des Schlichtens veröffentlicht. Der ungenannte Autor dieses Antrags — der jedenfalls dem Kongreß in Dijon vorgelegt werden soll —, führt als Grund an „die schrecklichen Schmerzen des Tieres". Hervorragende Psychologen, Tierärzte und Aerzte — ich erwähne nur den berühmten Virchow und Dr. Dembo, deren Arbeiten wohl bekannt sind — haben unwiderleglich nachgewiesen, daß das Durchschneiden der Halsadern sofort die Gefühlslosigkeit des Tieres verursacht, und daß die Konvulsionen nur Reflexbewegungen sind. Die „schrecklichen Schmerzen", von denen die MetMx sprechen, existieren also nur in Ihrer Einbildung. Keine Betäubungsart läßt das Tier weniger oder kürzere Zeit leiden. Ich füge hinzu, daß das geschlichtet« Fleisch gesunder ist und länger frisch bleibt. Wahr ist, daß infolge eines Kampfzuges, bei dem Unwissenheit der Böswilligkeit bester Gehilfe war, das Schächten in der Schweiz verbaten worden ist. Aber nur die Schwierigkeit, ein Referendum zu organisieren, ist daran schuld, daß es noch nicht gelungen ist, dies Verbot wieder aufzuheben. Aber alle andern Länder, die ein solches Verbot erlassen haben, haben es wieder aufgehoben, so zuletzt noch Finnland. Genehmigen.Sie usw. M. Liber, Dozent am Rabbinerseininar in Paris. In einer Nachschrift bemerkt dazu die Redaktion: Wir nehmen den Protest des Herrn Liber gerne auf und erkennen an, daß er im Rechte ist, wenn er sich gegen jeden Versuch, das Schächten zu verbieten, aullehnt. Das Tier l e i d s t n i ch t mehr, wenn die Halsadern durchschnitten sind. Es ist sicher, daß ein Tier, das nach jüdischem Ritus geschlachtet wird, viel weniger leidet, da diese Methode den Vorzug hat, sofort Gefühlslosigkeit zu verursachen.

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