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Das jüdische Blatt · 1913-12-12 · 50 (12.12.1913) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das jüdische Statt. Nr. 50. wankte sie nicht, denn ihr tiefes Gattvertrauen half ihr über alles hinweg. Hier in Colmar, wie auch später in Paris, übte sie die Werke der Barmherzigkeit in so diskreter Art aus, daß die Zedoko eher als Geschenk, denn als Gabe betrachtet wurde. Ihre Bescheidenheit war einfach rührend. Obwohl Tochter einer sehr reichen Familie, hielt sie es nicht unter ihrer Würde, mit armen Frauen zu verkehren und sie auf der Straße bis nach Hause zu begleiten. Fühlte sich die eine oder die andere geniert, so pflegte sie zu sagen: Vor Gott sind wir alle gleich. — Ein Sohn, der eine geachtete Stellung als Arzt in Paris einnimmt, und drei Töchter trauern um den schweren Verlust. Zum ehrenden Andenken an die liebe Verstorbene haben dieselben namhafte Beiträge an die Armenkassen van Colmar und Paris gegeben. Besonders hervorzuheben ist, daß sie an Hausarme eine sofortige besondere Unterstützung zukommen ließen. Der schwer geprüften Familie drücken wir hiermit unser innigstes Beileid aus. Dambach. Im Alter von 66 Jahren ist hier der in Viehhändlerkreisen beliebte Herr Clement (gen. K o s ch e l) Bader verstorben und ist von einer ansehnlichen Trauergemeinde zu Grabe geleitet worden. Möge der Allmächtige die alleinstehende Witwe trösten. üolbsheim. Nächste Woche verläßt uns unser Lehrer, Herr U l l m a n n, um seine neue Stelle in Niederbronn anzutreten. Der Weggang dieses Herrn, der während der zwei Jahre seines hiesigen Wirkens sich allgemeine Beliebtheit erworben hat, wird sehr bedauert, um so mehr, als kein Ersatz vorhanden ist. Die Schule — sie zählt noch acht Schüler --- wird vorläufig mit der katholischen Schule verbunden. Sulz. Anläßlich der Veteranenfeier und der Renovierung des Denkmals für die Krimkrieger hier ani Sonntag wurden die Herren Bloch C<Zard und Bloch Charles mit der französischen „Kriegsmedaille" dekoriert. — Die Liste der auf dem Denkmal verzeichnten gefallenen Krieger weist den Namen Abraham Bloch auf. Bayern. Ansbach. Der Kantorenfortbildungskurs hat nun wiederum begonnen und wird abwechselnd in Ansbach und Nürnberg abgehalten werden. Die erste Zusammenkunft fand am Sonntag 7. Dezember d. I., nachmittags 2 Uhr, in Ansbach statt, und hatte die dortige Kultusgemeinde bereitwilligst das Sitzungslokal zur Verfügung gestellt. Die Leitung des Kurses liegt in der Hand des Herrn Kantors Krämer, der für diesmal Stimmbildung und Sabbatgottesdienst auf die Tagesordnung setzte. Ein recht guter Besuch wär daher im Interesse der schönen und wichtigen Sache höchst wünschenswert, und ist jedem, der den Kantorenberuf auszuüben hat, gleichviel, ob alt oder jung, Gelegenheit geboten, sein Wissen und Können zu bereichern. Den Teilnehmern werden teilweise Reisesubventionen gewährt. Und nun Glückauf zu lehrreichem Beginnen! Neuanmeldungen sind an den Kursleiter zu richten. Fürth. In der Magistratssitzung vom 4. Dezember wurde aus Eingabe der Jsr. Kultusgemeinde um Entschädigung des Religionsunterrichtes in Höhe von Jl 1800.— pro Jahr beraten. Hierbei wurde betont, daß obwohl in diversen übrigen Gemeinden Bayerns Entschädigungen gegeben werden, eine Verpflichtung hierzu seitens der politischen Gemeinden nicht existiert (?), dennoch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ein widerruflicher, freiwilliger Beitrag von M 500.— pro Jahr gewährt werden soll. Nürnberg. Die Ortsgruppe Fürth-Nürnberg der Agudas Israel wählte zu ihrem ersten Vorsitzenden Herrn Kgl. Reallehrer Dr. Brader, zum zweiten Vorsitzenden den Herrn Direktor Dr. Feilchenfeld-Fürth. Zwei Herren (Rabb. Dr. Klein und A. Grünbaum) werden die Ortsgruppe auf dem Delegiertentag in Halberstadt vertreten. Zur Tagung der Jugendgruppen in Frankfurt entsendet Nürnberg gleichfalls zwei Delegierte. Preußen. Bingen a. Rh. Herr Dr. Grunfeld-Augsburg ersucht uns zu berichtigen, daß die Nachricht von seiner Berufung nach München eine glatte Erfindung ist. Breslau. Der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche hält in den Tagen vom 28. bis 30. Dezember in Breslau seinen Verbandstag ab. Die Verhandlungen finden in den Räumen der Lessingloge, Agnesstraße, statt. Das Hauptthema beschäftigt sich mit der „rechtlichen Stellung des jüdischen Religionsunterrichts und des jüdischen Lehrers". Da die gesetzliche Lage in den Bundesstaaten verschieden ist, so sind Referenten aus allen Teilen des Reiches gewonnen worden. Mit der Tagung ist eine Ausstellung von Jugendschriften und Lehr- und Lernmitteln verbunden. Die Hauptversammlungen sind öffentlich: Gäste haben also freien Zutritt. Alles nähere wird später bekannt ’gegeben werden. Gleiwih. Die seit 1890 bestehende Israel. Kinderheilst ä t t e im Solbad Königsdorfs-Jastrzemb (Verwaltung zu Gleiwitz) hat in der vergangenen Saison (1913) 164 Pfleglingen, und zwar 75 Knaben und 89 Mädchen, Aufnahme gewährt. Bei allen Kindern war ein günstiger Kurerfolg zu verzeichnen. Als geheilt wurden entlassen 70, als sehr gut gebessert 36, als gut gebessert 40, als gebessert 18. Die durchschnittliche Gewichtszunahme betrug 4'A Pfund. — Insgesamt hat die Anstalt seit ihrem Bestände 2354 Pfleglinge beherbergt. Infolge dieser ausgedehnten Humanitären und sozialen Wirksamkeit ist die Kinderheilstätte in weiten Kreisen als eine wahre Wohltat empfunden worden. — Die Erhaltung des segensreichen Werkes geschieht durch Stiftungen und milde Beiträge. Vorsitzender der Kinderheilstätte ist Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz. Baden. Bruchsal. Herr Stadtrat L o u i s M a r x ist nicht mehr. Allenthalben erregt diese Nachricht große Trauer, war er doch weit über die Grenzen Badens bekannt. In der hiesigen israelitischen Gemeinde war er Gemeindeältester und als solcher Vorsitzender des Synagogenrats. Der badischen Landessynode gehörte er als Mitglied an und war in der letzten Periode deren stellvertretender Präsident. Mitbegründer des badischen israelitischen Waisenhauses war er seit Weggang des Herrn Rabbiner Dr. Joseph Eschelbacher dessen erster Vorsitzender und hat als solcher eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Was er auf diesem Gebiet geleistet hat, wird ihm unvergessen bleiben. Auch in der Gemeindepolitik stand er in erster Reihe. So war er lange hindurch Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums und feit 1901 Stadtratsmitglied. Er war einer der angesehensten und stadtbekanntesten Persönlichkeiten. Besonders die Armen verlieren in ihm einen großen Wohltäter. — c — Schweix. Basel. Der bekannte jüdische Denker und Publizist Dr. Nathan Birnbaum (Matthias Acher) aus Berlin hielt im hiesigen „Verein jüdischer Studierender" einen Vortrag über „die Juden in Amerika und ihre Zukunft". Der Redner, der Land und Leute in Amerika genau kennen zu lernen Gelegenheit hatte, war in der Tat berufen, uns über die Zustände unter den zwei Millionen Juden in Amerika zu unterrichten; und er verstand es, in einem zweistündigen Vortrag uns ein Bild zu geben von dem Leben, und besonders von dem kulturellen Leben unserer dortigen

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