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Das jüdische Blatt · 1913-12-12 · 50 (12.12.1913) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Das jüdische Matt. Nr. 50. zu Gott erheben und Mut und Trost, Hoffnung und freudige Zuversicht in allen Lebenslagen bringen? In der Tat! Wer, dessen Blick nicht vom Vorurteil getrübt ist, müßte nicht anerkennen, welche Gesittung, Erleuchtung und Veredelung die sinaitische Lehre dem Menschengeschlechte übermittelt hat, sowie daß die jüdischen Wahrheiten sich immer mehr den Weg zum menschlichen Herzen bahnen und die göttliche, dem Stammvater erteilte Verheißung: Alle Völker der Erde werden durch deine Nachkommen gesegnet werden, bereits zur Wahrheit geworden ist? — Und dieser göttliche Allsspruch wird sich immer vollendeter bewähren bis alle Welt dem Hause Jakobs die Palme der Anerkennung und des Segens in vollstem Maße zuerkennen wird anl Ziele der Zeiten. Der Name Israel aber, der dem Ahn erteilt wurde, soll dessen Nachkommen zu allen Zeiten darauf Hinweisen, durch volle, pflichttreue Lösung der ihnen von dem ewigen Lenker der Zeiten gestellten Aufgabe die alles überragende G o t t e s h e r r f ch-a f t zu verkünden, in der festen Zuversicht, daß das Göttliche aus allen Erschütterungen und weltgeschichtlichen Stürmen siegreich hervorgehen wird. Rabb. Schüler. -.-^- Das l'ilierake Meisterstück von Diiisviirg. Die Liberalen der jüdischen Gemeinde in Duisburg haben eine famose Leistung auszuweisen. Der verurteilenswerte Feldzug der Liberalen gegen die ausländischen Mitglieder ihrer Gemeinden ist nur zu bekannt. Sie machen alle Anstrengungen, um ihnen das Gemeinde-Wahlrecht gegen Recht und Gesetz zu entreißen, und scheuen kein Mittel, diese Armen in den Augen von Juden und Christen herabzusetzen. Aber was die in Duisburg fertig gebracht haben, kann einem jeden Juden die Schamröte ins Gesicht jagen. Der Sachverhalt ist kurz folgender. In Duisburg fand eine Wahl der Repräsentanten der Gemeinde statt. Die Gemeinde zählt 320 Wahlberechtigte, darunter 45 Ausländer. Kurz vor dem Ablauf seiner Amtszeit erließ der abtretende Vorstand einen Ukas, der die ausländischen Juden ihres Wahlrechts berauben sollte. Nichtsdestoweniger wurde der liberale Vorstand infolge eines Wahlbündnisses der Konservativen und der Zionisten gestürzt. Diese Niederlage konnten die Liberalen nicht verwinden. Sie schritten jetzt zu einer gemeinen Denunziation. Sie verklagten die galizianischen Gemeindemitglieder des Stimmenverkaufs, indem sie angaben, der Führer der galizianischen Juden habe die Stimmen seiner Brüder um 5 Mark pro Kopf verkauft. Das war noch nicht genug des Schimpflichen. Sie vergaßen sich soweit, daß sie der Regierung anzeigten, der Führer der galizianischen Juden und dessen Genossen gehörten der von allen rechtgläubigen Juden als ketzerisch angesehenen Sekte der „Chassid i m" a n. Nicht genug also, daß sie wie die Antisemiten den ausländischen Juden Recht und Gesetz verweigern, nicht genug, daß sie nicht davor zurückschrecken, als Juden andere Juden bei der Staatsbehörde des Stimmenkaufs fälschlich anzuklagen, sie machen sich auch noch zu schimpflichen Bundesgenossen des Staatsanwalts im Beilisprozeß, indem sie das Gespenst einer Chassidimsekte an die Wand malen. Diese famosen Liberalen bekamen aber eine derbe Lektion — vom Staatsanwalt. Der Staatsanwalt mußte auf die Anzeige hin die Anklage auf Bestechung erheben und eine Untersuchung anstellen. Er fand jedoch sogleich bei den ersten Feststellungen, daß die galizianischen Juden kein Unrecht begangen, sondern nach ihrer Ueberzeugung abgestimmt hatten. Er stellte die Untersuchung sofort ein. Aber den Liberalen gab er in einem l Schreiben in unzweideutiger Weise zu verstehen, daß sie kein Recht haben, ihre Glaubensgenossen eines solchen Verbrechens fälschlich anzuklagen, daß ein derartiges Verfahren, wie sie es beliebten, der von ihnen vertretenen Sache alles eher als nutzen könne, daß er es ganz besonders verwerflich finde, daß Juden in dieser Weise die galizianischen Juden herabsetzen wegen ihrer Zugehörigkeit zu den Chassidim und sie diese als eine minderwertige Gemeinschaft hinstelle. Wir haben dieser Rüge des Staatsanwalts nichts mehr hinzuzufügen. Der Streit um die hebräische Ztttterrichtssprache in Palästina. Das Kuratorium des Technikums in Haifa hatte beschlossen, für diese Anstalt und die an sie anzugliedernde Mittelschule die deutsche Sprache als UnterriMssprache einzuführen, dem Hebräischen sollten fünf Stunden in der Woche gewidmet sein. Darob gaben die zionistischen Mitglieder des Kuratoriums, Tschlenow, Lewin und A ch a d Ham (Ginzberg) ihre Demission, in Palästina selbst erhob sich unter den Zionisten ein Sturm der Entrüstung. Ueber die Schulen des Hilfsvereins wurde für Lehrer und Schüler der Boykott erklärt. Zahlreiche Protestversammlungen fanden in Palästina statt. Mit ausnahmeloser Einigkeit nehmen, wie es scheint, die Zionisten den Kampf gegen das neue System aus. Sie beklagen sich bitter über die Enttäuschung, die sie am Hilfsverein erleben, und wollen den Kampf nicht einstellen, bis ihre Forderung, das Hebräische zur alleinigen Unterrichtssprache an den jüdischen Schulen in Palästina zu erklären, bewilligt ist. Es ist gewiß anzuerkennen, daß die Beherrschung der hebräischen Sprache für jeden Juden ein unschätzbarer Vorzug ist, daß die Verbreitung der hebräischen Sprache in Palästina der einzige Weg ist, um das Sprachengewirr, das unter den Juden Palästinas herrscht und eines der Hindernisse für gegenseitige Verständigung bildet, zu überwinden. Es ist auch anzuerkennen, daß in den Schulen Palästinas eine Unterrichtszeit von fünf Stunden wöchentlich für die hebräischen Disziplinen völlig unzureichend ist. Wohl gemerkt, wir sagen hebräische Disziplinen und meinen damit das Studium der Thorawissenschaft, nicht allein der hebräischen Sprache. Die Thora, nicht die Sprache allein ist der Lebensnerv des Judentums. Das sollte auch für den Hilfsverein richtunggebend sein. Aber die Zionisten müssen sich doch auch sagen lassen, daß sie im Irrtum sind, wenn sie die hebräische Kultur aus ihr Panier schreiben statt die jüdische. Die hebräische Sprache muß der Träger der jüdischen Religion sein, sie ist aber nur ein Mittel zum Zweck. Die einzige Existenzberechtigung des jüdischen Volkes ist von jeher gewesen und wird bis in alle Zukunft sein die Religion. Gerade die hebräischen Anstalten aber, auf die die Zionisten so stolz sind, das Hebräische Gymnasium in Jaffa und Jerusalem, beweisen, wie die hebräische Sprache entweiht werden kann, indem sie zum Werkzeug der religiösen Verneinung herabgedrückt wird. Vesti^ia tonvnt! Derartige Beispiele schrecken ab. Wir möchten für die allgemeine Einführung der deutschen Unterrichtssprache an jüdischen Schulen in Palästina keine Lanze brechen. Aber für den Kamps der Zionisten für die sogenannte „Hebräische Kultur" können wir uns unmöglich erwärmen. Wir wissen zu gut, daß mit dieser hebräischen Kultur die religiöse Kultur, die höchste, die es für religiöse Juden geben kann, nicht gemeint ist.

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