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Das jüdische Blatt · 1913-12-12 · 50 (12.12.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
50 (12.12.1913)
Date
1913-12-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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■Reich und Ausland: Leitungsprelslltte. Kapern: Leitungsnummer 546. Geschäftsstelle: ■" M. DuMont Schauberg, TtrE>nrg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Rax Sichinger, König!. HofbuchhLndler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle: außerdem in Stratzburg durch die ElsLsstsch« Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Socinitraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. =^7 Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede poftanftalt entgegen. IV. Zabrgang. Ansbacb-Stratzburg, 12. Dezember 1913, 13. Ikislev 5674. ißr. 50 Inhalt. Leitartikel: Kampf und Sieg. — Das liberale Meisterstück von Duisburg. — Der Streit um die hebräische Unterrichtssprache in Palästina. — Was wird aus Beilis werden? — Aus aller Welt. — Die letzten Leidensstunden Beilis. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Eingesandt. — Briefkasten — Gedalja. — Inserate. Zu rfriri 's. Kampf und Sieg. Es ist eine hochbedeutsame Wahrheit, daß in dem wechseloollen Lebensschicksal der Erzväter die geschichtlichen Erlebnisse ihrer Nachkommen sich abspiegeln. Den ergiebigsten Stoff zu diesen Vergleichungspunkten bietet die verklärte Gestalt des dritten der Patriarchen, dessen Namen Israel sich auf den jüdischen Stamm für alle Zeiten vererbt hat. Unter dessen Lebensbegegnissen ist aber keines von so inhaltstiefer, vorbildlicher Bedeutung als der feindliche nächtliche Angriff, den derselbe von einem höheren Wesen — die Weisen erblicken in diesem den Genius Esaus — zu erdulden hatte. Wie dem ersten der Stammväter bei dem Bund zwischen den Stücken (Gen. 15), so wurde dem Enkel in diesem Ringkampf die Zukunft des ihm entstammenden Volkes bis zum Ende der Zeiten symbolisch enthüllt — eine Offenbarung, die unfern Ahn den kampf- und prüfungsreichen Gang seiner Nachkommen durch die Jahrtausende der Geschichte im Geiste erschauen ließ. Zwanzig Jahre harter Arbeit waren über Vater Jakob dahingegangen, als er sich auf Gottes Geheiß der väterlichen Heimat näherte. Auf die Kunde, daß ihm der erzürnte Bruder mit bewaffneter Macht entgegenginge, überfällt ihn namenlose Angst. In heißem Gebete wendet er sich an den Gott seiner Väter. Er erinnert an die göttliche Verheißung: Ich werde deine Nachkommen gleichen lassen dem Sande am Meeresufer, der nicht gezählt werden kann vor Menge; mit diesem Hinweis mochte er gewiß die Bitte verbinden: Wie die hochgehenden Meereswogen, die alles zu verschlingen drohen, am Sande des Ufers sich brechen und zerschellen, so möchten die ihn und die Seinigen mit Untergang bedrohenden Wogen des Bruderhasses durch den Schutzwall des göttlichen Bestandes sich als unschädlich erweisen. Auf dieses Gebet wird ihm eine Antwort aus der Höhe durch den nächtlichen Angriff des Engels. Einsam und verlassen steht Jakob da in dunkler Nacht. Der Gegner sucht ihn zu stürzen; dies gelingt ihm nicht; Jakob bleibt aufrecht, aber er geht geschwächt hervor aus dem anhaltenden Ringen mit dem mächtigen Gegner. Als der Morgen anbricht, läßt der Engel ab vom weiteren Angriff mit den Worten: Entlasse mich, denn der Morgen ist heraufgezogen. Ich entlasse dich nicht, entgegnete Jakob, bis du mich gesegnet; der Engel segnet ihn dort und legt ihm den Namen Israel bei, „denn du bist Herr geworden bei höhrem Wesen und bei Menschen und hast obgesiegt". — So lange „Finsternis die Erde deckt und Wolkendüster die Nationen", so deuten unsere tiefblickenden alten Lehrer diesen symbolischen Vorgang, solange die Menschheit sich dem Lichte der Gotteserkenntnis, dieser einzigen, wahren Quelle des Rechtes, des Heiles und des Friedens verschließt, wird die Jakobsfamilie gegen Haß und Verfolgung, gegen Mißbrauch der Gewalt zu kämpfen und sich zu verteidigen haben. Wohl wird es dem erbitterten Hasse gelingen, den jüdischen Stamm zu schwächen und zu verkümmern, aber niemals ihn in den Abgrund der Vernichtung zu stürzen. Wenn aber die Morgenröte anbricht und die dunklen Schatten des Wahnes und gehässiger Vorurteile vor der ausgehenden Sonne der reinen Gotteserkenntnis fliehen, dann wird der feindliche Geist Esaus den Kampf aufgeben und den in Druck und Verfolgung sich äußernden Gegensatz zwischen den Menschenbrüdern sein Ende erreichen. Esau wird zur Einsicht gelangen, wie seHr er Jakob verkannt, wie schwer er gegen ihn sich vergangen;' er wird dem Bruderstamm würdige Anerkennung zollen, er wird ihn segne n für das mehrtausendjährige Martyrium, das dieser für die heiligsten Ueberzeugungen, für die höchsten Ideale der Menschheit erduldet hat. Was wäre wohl aus der großen Menschenfamilie geworden, wenn die Bekenner des Judentums in den Jahrhunderten des rohen Götzendienstes, der Barbarei und der Sittenverwilderung die Lehren der Wahrheit und des Rechts nicht in ihrem Schoße als köstlichen Schatz für die Allmenschheit gerettet Hütten? Ist es denn nicht die jüdische Bibel, die zum Buch der Bücher bei allen Kulturvölkern geworden ist im Laufe der Zeiten? Ist es nicht das jüdische Gesetz, welchem sie die für die menschliche. Gesellschaft unentbehrlichen Rechtsbegriffe entnommen haben? Sind es nicht die jüdischen gefühlstiefen Psalmen, die erhabenen, zündenden Worte der jüdischen Propheten, die überall, weit über den jüdischen Kreis hinaus, Herz und Gemüt

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