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Das jüdische Blatt · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 49. Das jüdische Matt. 7 waltungsmitglied erworben habe. Den Reigen der Reden schloß Herr Oberkantor Heymann, der die Glückwünsche der Kultusbeamten überbrachte. Mit dem Chorgesang „Hallelujah" fand die erhebende Feier ihr Ende, aber kein Gemeindemitglied verließ das Gotteshaus, ohne zuvor dem Herrn Präsidenten persönlich seinen Glückwunsch gebracht zu haben. Bei der Beliebtheit, deren sich Herr Blum allgemein erfreut, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden, daß es auch an Geschenken und Blumenspenden für den Jubilar nicht gefehlt hat, erwähnt sei das prachtvolle Geschenk der Gemeinde und das der Beamten, eine künstlerische, wertvolle Adresse. Slraßburg. Unter den Zöglingen der hiesigen Kunstgewerbeschule, welche in diesem Jahre die Prüfung als Zeichen- 1 e h r e r i n an höheren Schulen bestanden haben, befindet sich auch eine Glaubensgenossin, Frl. Alice Blum, Tochter des Herrn L. Blum, Lehrer a. D. Frl. Blum hat im vorigen Jahre die Prüfung als Turnlehrerin bestanden. Slraßburg. Der Elsaß-Lothringische Kantoren- Verband wird am Sonntag, den 14. Dezember, nachmittags 2 Uhr, im Konsistorialsitzungssaale (Kleberstaden 2) eine Ausschußsitzung abhalten mit folgender Tagesordnung: 1. Bekanntgabe des Protokolls der Ausschußsitzung vom 13. April 1913; 2. Wahl eines Vizepräsidenten; 3. Beratung über Weiter- und Fortbildungskurse; 4. Religionslehrerwesen oder Kantor und Religionslehrer: 5. Verschiedenes. Slraßburg. Die „Straßburger Post" bringt in einer ihrer letzten Nummern eine Notiz, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Ihr wird nämlich unter dem Stichwort „Gänse- und E n t e n s ch l a ch t e n" — offenbar aus tierfchützlerischen Kreisen — geschrieben: „Der größte Teil der Gänse, die geschlachtet auf den Markt kommen, sind nur durch den Genickstich oder H a l s s ch n i t t ohne Betäubung getötet worden. Diese Schlachtweise ist für die Tiere furchtbar schmerzhaft, denn durch die Genickwunde sind sie nur gelähmt aber nicht sogleich bewußtich bekam weder Matratze noch Decke und ich begann furchtbar zu husten. Ich ging eine Zeitlang auf und ab und fiel schließlich erschöpft auf meine Bank. Zehn Monate bin ich in dieser Zelle täglich vom frühen Morgen bis zum späten Abend die drei Meter auf und ab gelaufen, bis ich erschöpft wie ein gehetztes Tier des Nachts zusammenfiel. Mein einziger Wunsch war, den Himmel zu sehen, aber ach, es war unmöglich. Als ich schließlich mit Frostbeulen bedeckt war, wurde ich ins Spital gebracht, wo man mich sechs Wochen liegen ließ. Dort wurde mir zum ersten Male die Anklageschrift gezeigt, und als ich sah, daß gar nichts gegen mich vorlag, begann ich wieder, Hoffnung zu schöpfen. Der Gefangene neben mir hatte seine Frau zu Besuch. Ich hörte, wie sie ihrem Manne sagte: Sage deinem Zellennachbar, daß die ganze Stadt weiß, daß er unschuldig ist, und daß mit Gottes Hilfe der wahre Mörder entdeckt werden wird. Mein Leben im Gefängnis war eine lange Kette von Leiden, aber meine Hoffnung blieb aufrecht durch mein Vertrauen auf Gott. Der amerikanische Journalist unterbricht hier Beilis' Schilderung, indem er sagt, er wolle weitere empörende Mitteilungen des Beilis nicht veröffentlichen, bis Beilis Rußland verlassen habe. Nach anderthalbjähriger Gefangenschaft bekam Beilis endlich die Erlaubnis, zum erstenmal feine Frau und Kinder wieder zu sehen. Ich wurde, erzählte Beilis, in ein großes Zimmer gebracht und in diesem in eine Art Käfig hinter ein dichtes Gitter gesetzt. Mein Weib und meine geliebten Kinder traten ein. Mein Weib sah vergrämt aus und war um Jahrzehnte gealtert. Das Schluchlos und müssen sich lange quälen. Die Leiden der Tiere beim Schlachten werden vermieden, wenn das Tier durch kräftige Schläge mit einem Holzschlägel oder dergleichen zuerst betäubt und dann abgestochen wird. Noch einfacher wäre das Kopfabfchlagen mit scharfem Beil. Den Käufern sei empfohlen, nur solchesGeflügelzukaufen, das enthauptet oder aber nach Betäubung geschlachtet worden ist, und damit den Tierschutz zu fördern. Bei einer Untersuchung des Kopfes läßt sich leicht erkennen, ob ein Betäubungsschlag ausgeführt wurde. Zu bedenken ist auch, daß sich das Fleisch solcher Tiere, die vor ihrem Tode gequält wurden, gesundheitsschädlich verändert." Es sieht beinahe so aus, als ob damit wieder einmal gegen das „Schächte n" mobil gemacht werden soll, wenn das Wort auch nicht genannt wird. Nun gehört aber das Schächten nach Gutachten der hervorragendsten Autoritäten zu den humansten Tötungsarten, die die Qualität des Fleisches erhöht, was der Redaktion des Blattes wohl auch bekannt sein dürste. Sie hätte also zum mindesten zur Vermeidung jeglichen Mißverständnisses darauf Hinweisen müssen, und es ist daher zu bedauern, daß dies nicht geschehen ist. Buchsweiler. Ein treues Gemeindemitglied, einen angesehenen Bürger, haben wir in der Person des Herrn Isidor K a u f s m a n n verloren. Sein ruhiges, friedfertiges, bescheidenes Wesen hat ihm die allgemeine Sympathie erworben und der schöne jüdische Zug, der mit seinem Charakter verwebt war, sichert ihm ein treues Gedenken im Herzen aller derer, die ihn kannten und ihm als Freunde zugeneigt waren. S. Colmar. Zum Andenken an ihre, im Monat Juli zu Paris verstorbene Tante, Frau Abraham Levy, haben deren Neffen der isr. Armenverwaltung die Summe von 800 dl, und der städtischen Armenkasse die Summe von 400 dl übergeben. Dieuze. Den jüdischen Religionsunterricht an der neugegründeten Realschule wird Herrn Rabbiner D r e y f u s aus Mörchingen erteilen, der bis jetzt den jüdischen Religionsunterricht auch für die andern Schüler erteilt. zen stieg mir in die Kehle und ich konnte nicht sprechen. Der Direktor sagte: „Rasch, Beilis, du hast nur ein paar Minuten Zeit." Und wirklich, kaum konnten wir nur einige Minuten des Trostes wechseln — da wurden die Meinigen schon hinausgetrieben. Die Erschütterung war zu groß gewesen, ich versank in dumpfe Verzweiflung. Nur der Gedanke, daß Gott ein solches Unrecht nicht zulassen könne, hielt mich ab, meinem Leben ein Ende zu machen. Endlich bekam ich die endgültige Anklageschrift übermittelt. Sie war Hunderte von Seiten lang und es dauerte zwei Tage bis ich sie durchstudiert hatte. Darin kam mein Name ein einziges Mal vor und zwar auf der letzten Seite. Das Ganze war ein wüstes Gemisch von Lügen und sie beherrschte meinen Geist so stark, daß ich nichts klar überdenken konnte. Hätte ich nicht die Bibel gehabt, die man mir gelassen hat und die wie eine Stimme in der Wüste zu meinem Herzen sprach, ich glaube, ich wäre wahnsinnig geworden. Ich wurde täglich schwächer und elender und was mich mit Schrecken erfüllte, das war die fürchterliche Beobachtung, die ich machte, daß meine Verfolger mich gern los hätten. Sie waren darum besorgt, daß ich in meiner Zelle sterben möchte, doch ich war entschlossen, zu leben. Ich sagte mir: Du mußt leben. Denn wenn du stirbst, wird man behaupten, du habest vorher eingestanden. Dann wäre das Judentum mit einer beispiellosen Schmach bedeckt gewesen. Ich flehte Gott an, mich die Verhandlung erleben zu lassen und nahm mit Ueberwindung meines Ekels jetzt einige Bissen Nahrung, die immer schlechter wurde. Um diese Zeit wurde ein anderer Häftling in meine Zelle gebracht. Es war ein gebildeter Pole, der zu 18 Jahren Sibirien

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