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Das jüdische Blatt · 1913-12-05 · 49 (5.12.1913) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
49 (5.12.1913)
Date
1913-12-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 49. Das jüdische Statt 3 bräische übertragenen „Ersten Mischnah" des Jubilars, namens der ehemaligen und jetzigen Schüler. Dr. Hoffmanu erwiderte in der ihm eigenen geistvollen und herzlichen Weise. Kurz darauf, um 12 Uhr, fand die Feier ihre Fortsetzung im Hause des Jubilars statt. Der ganze Tag sollte eine ununterbrochene Reihe von innigen Glückwünschen und herzlichen Huldigungen bilden. Zunächst erschien das Kuratorium des Rabbinerseminars unter Führung des Herrn Gum - p e r z - Hamburg, der eine von Herzen kommende Ansprache hielt und eine Adresse überreichte. Dann nahte das Rabbinat der Religionsgesellschaft Adah-Jsroel; Dr. E. Munk verlas eine stilvoll abgefaßte hebräische Adresse. Die S ch a ß - C h e w r a, in deren Kreis der Jubilar seit 40 Jahren Tag für Tag seinen durch Klarheit und durch sinnige Erklärungen ausgezeichneten Gemoroschiur vorträgt, durfte in diesem Gefolge der Festgenossen nicht fehlen. Die Schaß-Chewra weiß, wie sie dem Jubilar zu Dank verpflichtet ist für seine Liebe und Treue und von diesen Gefühlen war die Anrede erfüllt, die Herr Prager in deren Namen hielt, der am Schluß seiner Rede eine kunstvolle Sederschüssel und ein Wilnaer Schaß überreichte. Von dem 80 jährigen Kollegen des Jubilars, Professor Dr. Berliner, geführt, der in jugendlicher Frische prangte, nahten der V o r - st and und die Repräsentanten der Gemeinde Adaß Israel. Glückstrahlend trug in frischer Herzlichkeit Professor Dr. Berliner seine innigen Glückwünsche der Gemeinde dar, deren Rosch-Beis-Din der Jubilar ist. Schon war die Stunde weit vorgerückt und noch waren die Reihen der vielen gratulierenden Körperschaften nicht vorüber. Zu Ehren des Jubelfestes ist eine Ju b e l s ch r i f t zusammengesetzt worden, zu welcher an 50 Freunde und Schüler Arbeiten geliefert haben. Die Schrift ist 500 Seiten stark und ist ein Zeugnis des jüdisch-wissenschaftlichen Geistes so vieler Jünger und Freunde, die von der tiefen Gelehrsamkeit Dr. Hosfmanns angeregt wurden und ihm durch ihre Arbeiten einen Tribut dauernder Ehrfurcht darzubringen sich bemühten. Die Schrift, von der allerdings bis jetzt nur 400 Seiten fertig gestellt sind, wurde von Dr. M. Hildesheimer übergeben. Ein sinniges Geschenk, nämlich eine Photographie der ständigen Besucher der Bachurimsynagoge, in der der Jubilar keinen Morgen fehlt, überreichte in deren Namen eine von dem 81 jährigen Herrn Herrmann F r ä n k e l geführte Deputation. Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und die „A g u d a s I i s r o e l" war durch Herrn Jakob Rosenheim - Frankfurt a. M. vertreten, der wie immer in hinreißender Rede die Verdienste des Jubilars um die Erhaltung des gesetzestreuen Judentums und die Förderung der auf Zusammenfassung der zersprengten Teile der gesetzestreuen Judenheit gerichteten Ziele der „A g u d a s I i s r o e l" darlegte. Eine schwungvolle Ansprache hielt sodann im Namen der Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner, die zum größten Teile aus ehemaligen Schülern des Jubilars sich zusammensetzt, Herr Rabbiner Dr. I. B o n d i - Mainz, begrüßte in überaus herzlichen Worten den Jubilar, der seit langen Jahren der Vorsitzende der Vereinigung ist, und überreichte eine hebräische Adresse. Auch die Beamten der Gemeinde Adaß Israel hatten es sich nicht nehmen lassen, durch ihr dienstältestes Mitglied Friedmann ihre Glückwünsche zu übermitteln und eine hebräische Adresse zu verlesen. Die lange Reihe der Gratulanten fand ihren Abschluß durch die Vertretung des B e t h - H a m i d r a f ch, dessen 2. Vorsitzender, Herr Moses Altmann, einige warme Begrüßungsworte sprach. Durch die Literarische Gesellschaft, in deren Namen das Vorstandsmitglied Dr. B o n d i - Mainz dem Führer der jüdischen Wissenschaft innigen Dank und warme Wünsche aussprach und schließlich durch den Bund jüdischer Akademiker und V. I. A.-Berlin, die durch den Mund ihres Vorsitzenden I a k o b s e n ihrem so bedeutsamen Mitglied die Zusicherung treuen Nachstrebens und tiefer Ehrfurcht aussprach. So eindrucksvoll auch all die Reden sein mochten, die alle von dem warmen Tone echter einfacher Herzlichkeit getragen waren, rührend war vor allem die Bescheidenheit, mit der der Jubilar alle diese Ehrungen aufnahm und erfrischend die unerschöpfliche geistige Regsamkeit und die nie versagende geistvolle Regsamkeit, mit der der Gefeierte für jeden das paffende Wort der Erwiderung fand. Die Fülle eines reich gesegneten Lebens jüdischer Tat und jüdischer Wissenschaft zog an dem geistigen Auge vorbei als eine Körperschaft nach der anderen Zeugnis ablegte von der so mannigfaltigen fruchtbaren Wirksamkeit des Jubilars. Hier konnte man es mit Händen greifen, wie der Einfluß dieses tiefen Gelehrten über feine Studierstube hinaus in das warm pulsierende Leben greift, weithin seine Saat ausstreuend, in der Jugend machtvoll beginnend, im Alter nicht an nachdrücklicher Kraft nachlassend. Erhebende Augenblicke waren es für die Anwesenden, denen es vergönnt war, diese von Herzen kommenden Ovationen mitzuerleben, Eindrücke, die nie vergehen, anspornend auf das Seelenleben wirkten und uns die Größe der Thora ahnen lassen, da sie ihre Jünger mit dem Nimbus so hohen Adels, so echten Ruhms umgibt. Das ist die Doppelkrone der Thora und des guten Namens. Und als die Menge der Teilnehmer aus dem Hause schied, da regte sich in allen Herzen der eine Wunsch: Möge der verehrte Lehrer der Thora uns noch lange erhalten bleiben zur Ehre und zum Glücke des Judentums. * * * Die Feier in der Synagoge. Für den großen Kreis der Gemeinde nicht nur der Adaß- Jsroel-Gemeinde — denn das wäre ja selbstverständlich —, sondern der unzähligen Gemeinde der Verehrer Dr. Hoffmanns war die Feier berechnet, die am Nachmittag desselben Tags von dem Kurator i u m des Rabbinerseminars in der Synagoge der Adaß-Jsroel (Artilleriestraße 3) veranstaltet wurde. Schon mehr als eine halbe Stunde vor Beginn umstanden Hunderte das geschlossene Tor, in der Erwartung, sich einen Platz zu erobern. Als die Tore sich öffneten, waren die 750 Plätze der festlich geschmückten, in hellem Lichtglanze erstrahlenden Synagoge im Verlaufe einiger Minuten bis auf den letzten Platz besetzt. Immer von neuem muhten Stühle herbeigeschafft werden, um den vielen nachher noch Ankommenden Plätze zu gewähren. Nach dem Minchagebet wurde der Jubilar von den Dozenten und Curatoren unter Chorgesang von „Schocharti Loch" in die Synagoge geleitet. Dozent Dr. Wohlgemut hielt die Festrede unter Zugrundelegung von Hosea 10, 12. In einer von harmonischem Wohlklang der Gedanken und Formen getragenen Rede wußte er dieses z. T. aus auserlesenen Gästen bestehende Auditorium zu fesseln und zu begeistern. Dann bestieg Dr. A. C o h n - Basel die Kanzel, um im Namen der ehemaligen Schüler des Rabbinerseminars die tiefe Ehrfurcht zum Ausdruck zu bringen, die diese für ihren Lehrer hegen. Die Rede war wirksam durch die Einfachheit ihres Stils, durch sinnige Vergleiche und passende Auslegungen. Der Redner konnte um so besser den warmen Ton finden, der zu Herzen geht, als er in verwandtschaftlicher Beziehung zum Jubilar steht und somit das Glück genießt, häufig und aus der Nähe das fein abgetönte

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