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Das jüdische Blatt · 1913-11-28 · 48 (28.11.1913) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48. 5 Das jüdische Statt. Homes oder in die Homes außerhalb der Stadt New-Pork zu befördern. Mitarbeit wurde von den ungarischen, österreichischen, polnischen und russischen Auswandererheimen geleistet. Korrespondenzen. - Elsaß-Lothringen. Slraßburg. Der Jüdische Iugendbund Straßburg versendet folgenden Ruf: Der Winter naht heran! Die Zeit der sportlichen Veranstaltungen in der freien Natur ist vorüber, ebenso zwingen uns Nässe und Kälte, behaglichere Räume aufzusuchen, wo wir nach des Tages Arbeit unsere freie Zeit verbringen. Freunde! Jetzt ist die Zeit gekommen, in welcher die Räume unseres eigenen Heimes ein Sammelpunkt aller Mitglieder des Jüd. Jugendbundes werden sollen. Wir versichern euch, daß der Aufenthalt in diesen behaglich ausgestatteten Räumen all die Annehmlichkeiten bietet, die in ideeller und praktischer Hinsicht nur verlangt werden können. Wir bitten euch, liebe Freunde, durch den regen Besuch der Vereinslokalitäten zu beweisen, daß ihr unsere Sache zu der euren gemacht habt, so daß neben der praktischen Seite auch der ideale Zweck unseres Verbandes zur Geltung kommt. Das reichhaltige Programm für den Winter 1913/14 setzt sich folgendermaßen zusammen: 1. Vorträge. Alle 14 Tage jeweilig Mittwoch abends. 2. R e Zitat i o n s a b e n d e. An den Mittwochabenden, welche nicht mit einem bestimmten Vortrage belegt sind. 3. Unterhaltungsabende. Alle drei bis vier Wochen. 4. Schach- und Spielabende. Jeden Montag; am Ende der Saison findet, bei genügender Beteiligung am Schachspiel, ein Turnier mit Preisverteilung statt. 5. Chanukkah- und Purimfeier. 6. Musikabende. Drei größere Musikabende sind in Aussicht, von denen einer ausschließlich Kompositionen jüdischer Meister des Synagogengesanges gewidmet sein wird. 7. B i - bliothek. 8. Stenographiekursus. Mitglieder, die geneigt sind, sich an einem solchen zu beteiligen, sind gebeten, dies Herrn Eduard Z i v y, Küßstraße Nr. 10, schriftlich mitteilen zu wollen, und zwar sofort. Da diese Kurse große Anforderungen an die Vereinskasse stellen, bitten wir nur um Zusage solcher Reflektanten, die regelmäßig diese Kurse zu besuchen beabsichtigen. 9. Bürgerkunde. Auf dem Gebiete des öffentlichen Rechts, Wahlrechts, Parlaments, Gesetzgebung, Einzelheiten aus dem bürgerlichen und Handelsrecht, sowie Nebengebiete; bei genügender Beteiligung finden diese Kurse in der zweiten Hälfte des Winterhalbjahres statt. 10. Freitagabende. 11. Ausk u n f t s st e l l e. In allen Angelegenheiten aus dem täglichen Leben der Mitglieder, sei es auf beruflichem, sozialem oder privatem Gebiete, in denen diese einer Auskunft bedürfen, wollen sie sich vertrauensvoll an den Vorstand des Vereins wenden, welcher ihnen nach Kräften mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. Vorträge, Rezitations-, Musik- und Unterhaltungsabende werden in den Tageszeitungen, der jüdischen Landespresse, den jüdischen Pensionen und Restaurants bekannt gegeben: Gäste, auch Damen, willkommen. Im Vereinslokale findet Dienstags und Donnerstags, abends von 8>2—9'A Uhr, ein hebräischer Sprachkursus statt. Unsere Mitglieder sind berechtigt, ohne weiteres an demselben teilzunehmen. Das Wirtschaftskomitee des I. I. B. ist mit der Leitung des gesamten Lokal-, Veranstaltungs- und Wirtschaftsbetriebes betraut: eines seiner Mitglieder wird jeden Abend im Lokale anwesend fein. Bei der üppigen Fülle der Veranstaltungen, die dieses Programm aufweist, wird der Mangel jeder religiösen Belehrung nur um so auffälliger. Alles wird den jüdischen jungen Männern geboten, nur keine Thora. Das für den Juden wertvollste ist also aus den Kreisen der jüdischen Jugend verbannt. Die vielgepriesene Neutralität verlangt es eben. So ersprießlich daher auch die Wirksamkeit des Jugendbundes sein mag, einen dauernden Segen können wir uns davon nicht versprechen, so lange die Religion vor die Türe gestellt ist. Das ist doch gerade so, wie wenn jüdische Kinder in bezug auf ihre Kindespflicht neutral bleiben. Slraßburg. Nächsten Sabbat (Tauldaus) begeht der allbeliebte und verehrte Präsident der hiesigen Gemeinde, Herr Marc Blum, seinen siebzigsten Geburtstag. Die ganze Gemeinde nimmt an diesem Freudentage teil. Seit über 15 Jahre steht Herr Blum an der Spitze der Synagogenverwaltung, der er schon vorher lange Jahre als 2. Vorstand angehört hat. Was der Jubilar in dieser Zeit für die Gemeinde in seltener Hingabe und uneigennütziger Pflichttreue geleistet hat, dies ausführlich zu schildern würde zu weit führen. Wir wollen nur daran erinnern, daß unter seiner Vorstandschaft die herrliche Synagoge erstanden ist, die einer Großgemeinde wie Straßburg würdig ist. Seine ganze Kraft widmete Herr Blum für religiöse Bildung in der Gemeinde. Die Pflege eines erhebenden Gottesdienstes sowie die Sorge für guten Religionsunterricht lagen ihm stets am Herzen. Es gibt hier keinen Wohltätigkeitsverein, an dem unser Jubilar nicht regen Anteil nähme. Wir aber wünschen ihm von ganzem Herzen, daß es ihm vergönnt sei, noch viele, viele Jahre seine segensreiche Tätigkeit zum Heile der Gemeinde auszuüben. Slraßburg. Am vergangenen Sonntag fand im Logensaal, Laternengasse, die Bescherung der Schulkinder vom Verein „Bienen" unter Leitung der Präsidentin, Fräulein Laure Weil, statt. Wie alljährlich wurden die Kinder reichlich beschenkt. Slraßburg. Der Gymnasiallehrer Dr. Lucian D r e y f u s ist zum Oberlehrer ernannt worden. Slraßburg. Das in Straßburgs jüdischen Kreisen so beliebte Stiftungsfest des Jüdischen Turnvereins wirft seine Schatten'voraus. Es ist den besonderen Bemühungen seines ersten Vorsitzenden, mit Hilfe der andern Vorstandsmitglieder gelungen, ein Programm zu entwerfen, das allen Anforderungen gerecht zu werden verspricht. Um den Ueberraschungen nicht vorzugreifen, wollen wir aus dem Programm noch nichts verraten. Wir hoffen, daß, in Anbetracht des guten Zwecks, den der jüdische Turnverein mit seinen Stiftungsfesten verbindet, auch dieses Jahr wieder seine Anziehungskraft ausüben und die Straßburger Bevölkerung durch Einladung zu dem am 20. Dezember in dem Saale des Sängerhauses stattfindenden Vereinsfest Folge leisten wird. Gleichzeitig können wir mitteilen, daß der Verein jetzt über 200 Mitglieder zählt. Erst dieser Tage ist eine neue Damenriege gegründet worden, zu der über 20 Damen ihren Beitritt erklärt haben. Hagenau. Das Referat über die Geschichte und Psychologie der B l u t l ü g e, welche gestern abend durch Herrn Rabbiner Dr. Schwarz aus Sulz u. Wald gehalten wurde, hatte ein zahlreiches Auditorium herbeigelockt. Die Damenwelt war besonders zahlreich vertreten. An und für sich ist das Thema etwas düster, aber es ist desto lehrreicher und deswegen wurde es auch mit Spannung angehört. In einer anderthalbstündigen Rede schilderte Herr Schwarz alles, was sich seit 800 Jahren in dieser Beziehung zugetragen hat und wie es sich immer bewiesen hat, daß nur Haß oder Fanatismus die Quelle war. Es gab damals schon einige gelehrte Männer, welche die Absurdität des Ritualmordes begründeten und dieses Märchsn brandmarkten, aber dem fanatischen Volk mußte Genugtuung gegeben werden und so kam es leider, daß mehrere hundert Juden ums Leben kamen

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