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Das jüdische Blatt · 1913-11-28 · 48 (28.11.1913) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
48 (28.11.1913)
Date
1913-11-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Das jüdische Klatt. Nr. 48. Gymnasium zu Preßburg. An der Universität Wien studierte er Philosophie, Geschichte und orientalische Philologie. Er promovierte im Jahre 1871 und wirkte dann als Lehrer an der jüdischen Realschule zu Frankfurt a. M. Im Oktober 1873 wurde er von Rabbiner Dr. I. Hildesheimer s. A. zum Dozenten des Rabbiner- Seminars nach Berlin berufen. Nach dem Tode unseres Altmeisters (1899) wurde Herr Dr. Hofsmann zum Rektor dieser Lehranstalt ernannt. Von den zahlreichen Schriften unseres verdienstvollen Gelehrten mögen folgende hier Erwähnung finden: „Mar Samuel, Rektor der jüdischen Akademie zu Nehardea in Babylonien", Leipzig 1873; „Die Zeit der Omerschwingung und des Wochenfestes", Berlin 1874; „Der oberste Gerichtshof in der Stadt des Heiligtums", Berlin 1878; „Abhandlungen über die pentateuchischen Gesetze", Berlin 1878; „Die erste Mischna und die Controversen der Tanaim", Berlin 1882; „Der Schulchan Aruch und die Rabbinen über das Verhältnis der Juden zu den Andersgläubigen", Berlin 1885; 2. Aufl. 1895; „Zur Einleitung in die halachischen Midraschim", Berlin 1888; „Likkute Mechilta, Collectaneen aus einer Mechilta zu Deuteronomium nebst einer Abhandlung „über eine Mechilta zu Deut."", Berlin 1890; „Neue Collectaneen aus einer Mechilta zu Deuteron.", Berlin 1897; „Die Mechilta de-R. Simon b. Jochai zu Exodus", Frankfurt a. M. 1905; Midrasch Tanaim zu Deuteron.", Berlin 1908/09; „Ein Midrasch über die dreizehn Midot", Berlin 1903; „Die wichtigsten Instanzen gegen die Graf-Wellhausensche Hypothese", Berlin 1904; Bibelkommentar zu Leviticus, Berlin 1905/06; zu Deuteron., Berlin 1913; Mischna, Ordnung Nesikin und Taharot, übersetzt und erklärt, Berlin 1892—98. — Gemeinsam mit Herrn Prof. Dr. A. Berliner gab unser Jubilar die rühmlichst bekannte Zeitschrift „Magazin für die Wissenschaft des Judentums", 18 Bde., Berlin 1876—93, u. a. m., heraus. An seinem Ehrentage blicken die zahlreichen Schüler in Liebe und Verehrung zu ihrem edlen Meister empor und wünschen innigst: Möge es dem verehrten Lehrer und väterlichen Freund beschieden sein, in Frische und Gesundheit noch viele Jahre seines Amtes zu walten und im Kreise seiner Familie und Freunde sich der Früchte seiner segensreichen Tätigkeit erfreuen. -]y! Dr. CH. Lauer. Aus aller Wett Deutschland. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Berlin. Die diesjährige Generalversammlung, die am 18. November hier stattfand und wegen der aktuellen Beratungsgegenstände ungewöhnlich stark besucht war, wurde, wie die „Franks. Ztg." mitteilt, durch ihren ersten Vorsitzenden, Reichstagsabgeordneten Gothein, mit einer Ansprache eröffnet, in welcher er besonders darauf hinwies, daß zwar der politische Antisemitismus entschieden im Abflauen begriffen sei, aber von der konservativen Partei, was sich besonders bei der Wahlagitation gezeigt habe, in Wort und Schrift lebhaft propagiert werde. Das habe man besonders stark in Pommern und Mecklenburg wahrnehmen können. Als eine weitere bedauernswerte Tatsache brachte Herr Gothein die Ausdehnung der Judenhetze auf die Jugendbewegung zur Sprache, von der es nicht mehr zweifelhaft sein könne, daß sie sich mehr und mehr in den Dienst der Antisemiten stelle. Mehrfach würden in dem Organ der Wandervogelbewegung die Juden beschimpft und, mehr noch, aus dieser Vereinigung gänzlich auszuschließen versucht. Rassenhetze dürfe keinesfalls in die Jugendbewegung hineingetragen werden, und Ausgabe der Schulbehörden müsse es sein, dem entgegenzutreten. Nach Erstattung des Geschäfts- und Kassenberichts durch Rechtsanwalt Dr. Baerwald (Frankfurt a. M.) verbreitete sich Professor Dr. Jastrow in einem Vortrag über das Thema: „Der Toleranzgedanke in Vergangenheit und Gegenwart." Bei diesem Referat, gleich wie bei dem nachfolgenden spielte der „Ritualinord", wie er in dem in der ganzen Kulturwelt aufsehenerregenden Beilis-Prozeh in Kiew erst vor kurzem neue Nahrung erhalten hat, eine hervorragende Rolle. Die Entwicklung des Toleranzgedankens bei den einzelnen Völkern und zu den verschiedenen Zeiten bildete Gegenstand des Referates und besonders interessant war der Hinweis auf die Tatsache, daß unter der Beschuldigung, Menschenblut zu rituellen Zwecken zu benutzen, im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung nicht etwa die Juden, sondern die ersten Christen zu leiden hatten, als sie beim Abendmahl den Wein tranken mit den Worten: „Das ist das Blut Christi, für mich vergossen". Erst später, in der zweiten Hälfte des Mittelalters, entstand die Blutbeschuldigung gegen die Juden. Die Ausführungen des zweiten Referenten, des Landtagsabgeordneten Landgerichtsdirektor a. D. Kanzow über „Ritualmorde" verdienen um deswillen besonderes Interesse, weil der Prozeß in Kiew in dem Referat hervorragende Berücksichtigung fand. Der Redner gab zunächst ein juristisches Bild, wie er es aus seiner eigenen amtlichen Tätigkeit als Staatsanwalt und Richter kennt. Er schilderte das Vorverfahren und wies darauf hin, daß bei den Ritualmorden sich stets das gleiche typische Bild zeige. Es wird eine Leiche gefunden, und die Bemühungen der Behörden nach dem Täter sind vergeblich. Tann erscheinen die Antisemiten auf dem Plan mit der allgemeinen Beschuldigung, daß die Juden den Mord vollbracht haben, die ihnen nahestehende Presse greift helfend ein, und der Ritualmordgedanke und mit ihm das Judenverfolgungsfieber machen ihre Wirkung geltend. Der Referent schilderte noch das Wirken der sogenannten Ermittelungskomitees, die den Vorwurf gegen die Behörden erheben, daß diese nicht wagen, gegen die Juden vorzugehen. Durch Vernehmung von Zeugen greift dieses Komitee weiter in das Vorverfahren ein, und daraus entwickelt sich dann ein oft Jahre lang dauernder Prozeß. Im weiteren Verlauf der Ausführungen ging der Redner auf den Kiewer Prozeß des Näheren ein, kritisierte die Taktik des Staatsanwalts und Gerichts daselbst aufs schärfste. Die Referate wurden mit starkem Beifall ausgenommen, und in der Diskussion fanden besonders die Ausführungen von Professor v. Liszt und Pfarrer Heyn lebhaftes Interesse. — Die Ersatzwahlen zum Ausschuß bildeten den Schluß der interessanten Tagung. Berlin. Der Hilssverein der Deutschen Juden teilt uns mit: Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat die telegraphische Nachricht erhalten, daß Schüler seiner Knabenschule in Jaffa und seiner Lehrerbildungsanstalt in Jerusalem unter Einfluß von Agitationen streiken, weil sie ausschließlich Hebräisch als Unterrichtssprache verlangen. Auch ein Teil der Eltern der Zöglinge der Knabenschule in Jaffa unterstützt diese Agitation. Andererseits sind dem Hilfsverein aus weiten Kreisen der einheimischen Bevölkerung in Palästina Kundgebungen übermittelt worden, in denen die Sympathien für die Leiter und das Werk des Hilfsvereins im heiligen Lande aufs wärmste zum Ausdruck gebracht werden. Das Schulwerk des Hilfsvereins in Palästina, von dem Vertrauen der dortigen jüdischen Bevölkerung wie der deutschen Judenheit getragen, konnte innerhalb eines Jahrzehnts zu erfreulicher Höhe emporgeführt werden.

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